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10.05.2016

09:19 Uhr

40 Jahre Ford Fiesta

„Wundercar built in Germany“

VonWolfram Nickel
Quelle:Spotpress

Der Ford Fiesta ist Europas meistverkaufter Kleinwagen. Eine Karriere, die ihm vor 40 Jahren kaum jemand zutraute, zumal er zu spät kam. Doch der Erfolg begann mit der Namensfindung, und die war Chefsache.

Ford Fiesta 300.000-Kilometer-Marathon 1977 Ford

Ford Fiesta

Historisches Anzeigenmotiv anlässlich des 300.000-Kilometer-Marathons im Jahr 1977

Für die Fachwelt kam der Ford Fiesta viel zu spät. Schließlich schienen alle Fahrspuren der kleinen Klasse längst besetzt, als am 11. Mai 1976 die Fertigung des in Köln entwickelten City-Cars anlief. Nicht weniger als 30 europäische Konkurrenten kämpften damals bereits um die Gunst der Kleinwagenkäufer. Allerdings war Europa für den Fiesta nicht genug. Er sollte als erster Ford im Kurzformat auf allen Kontinenten verkauft werden – sogar in Nordamerika.

Immerhin war der Fiesta die wichtigste Neuentwicklung seit dem legendären Modell T von 1908, wie Ford-Köln-Chef Bob Lutz bei der Premiere vollmundig verkündete.

Weshalb es sich Konzernlenker Henry Ford II – noch kurz zuvor überzeugter Kleinwagen-Kritiker – nicht nehmen ließ, persönlich zu einer Probefahrt an den Rhein zu kommen. Eine Testfahrt, die er mit dem lobenden Urteil „good job“ abschloss.

Die Kleinwagenfans fanden Fords Verdikt offenbar noch untertrieben. Jedenfalls schickten sie den vom italienischen Designstudio Ghia inspirierten und von Ford-Designer Uwe Bahnsen finalisierten Fiesta auf einen beispiellosen Höhenflug, der inzwischen seit sieben Generationen anhält.

Ford Fiesta Ghia 1980 Ford

Ford Fiesta Ghia 1980

Ein Liebling der Frauen war der Kleinwagen immer

Zuerst zog der blitzartig startende Ford mit dem VW Golf gleich, als er nach nur 31 Monaten zum Club der Produktionsmillionäre zählte, anschließend wurde er Messlatte für alle Kleinwagen. Die europäische Hitliste dieser Gattung führt der Fiesta heute mit über 15 Millionen Einheiten an.

Spannend fast bis zum letzten Moment blieb die Namensfindung für Fords Kleinsten, der zunächst unter dem Namen „Bobcat“ (Rotluchs) durch die Medien geisterte.

Nach dem Luchs war allerdings bereits ein kompakter Mercury benannt und so suchte Henry Ford II nach weiteren Namensideen. Denn die Taufe jedes neuen Fahrzeugmodells war für ihn Chefsache. Wie er später erklärte, sei er dabei auf die Alliteration Ford und Fiesta gestoßen, für ihn eine perfekte Kombination.

Chronik 40 Jahre Ford Fiesta

1969

Ford prüft die Produktion eines neuen Einstiegsmodells. Entwicklungsstart unter dem Projektnamen Bobcat. Die Entwicklung des Kleinwagens erfolgt überwiegend in Köln

1973

Am 3. Dezember gibt Henry Ford II die Entwicklung des neuen Kleinwagens endgültig frei mit Serienproduktion ab 1976/77. Die jährliche Auflage soll 400.000 Einheiten betragen

1976

Am 11. Mai Produktionsstart in Deutschland im Werk Saarlouis, am 18. Oktober Produktionsbeginn in Spanien. Im Juni Pressevorstellung des Fiesta, im Herbst Markteinführung mit drei Motoren und optional einer für Kleinwagen ungewöhnlich luxuriösen Ghia-Ausstattung

1978

Beim ersten Start zur Rallye Monte Carlo belegt der auf 155 PS erstarkte Rallye-Fiesta unter der finnischen Rallye-Legende Ari Vatanen einen sensationellen zehnten Platz in der Gesamtwertung. Über ein offiziell von Ford angebotenes „Tuning-Kit“ lassen sich die 1,3-Liter-Serien-Fiesta von 66 auf 75 PS nachschärfen.

1979

Am 9. Januar wird der Fiesta Produktionsmillionär nach nur 31 Monaten und 29 Tagen. Kein Kleinwagen war bisher erfolgreicher. Die deutsche Fiesta-Produktion wird bis 1980 von Saarlouis nach Köln verlegt

1981

Am 25. März wird in Köln der zweimillionste Fiesta produziert. Sondermodell Bravo. Im November Einführung des Fiesta XR2 mit 84 PS

1983

Im September große Modellpflege mit neuer Front- und Heckgestaltung, nach Ford-Zählart allerdings bereits die zweite Fiesta-Generation. Leistungssteigerung für Fiesta XR2. Im Dezember Debüt des Fiesta Diesel als Konkurrent des Peugeot 205

1995

Im September feiert ein gründlich erneuerter Fiesta Weltpremiere auf der Frankfurter IAA. Als Parallelmodell wird ein Mazda 121 vorgestellt.

1996

Im Mai zum 20. Jahrestag sind insgesamt 8,5 Millionen Fiesta produziert worden. Auf Basis des Fiesta entsteht der kleinere Ka im New Edge Design

2001

Der zehnmillionste Fiesta läuft im Juli vom Band. Sondermodelle Futura II, Florida. Auf der Frankfurter IAA debütiert die nächste Fiesta-Generation mit fünf Motorisierungen.

2002

Im Mai erfolgt die Markteinführung des erneuerten Fiesta als Fünftürer, im August als Dreitürer. Auf Basis des Fiesta-Vorgängers geht der Roadster Streetka in Serie

2005

Mit elf Millionen gebauten Fiesta ist der Ford erfolgreichster europäischer Kleinwagen aller Zeiten

2008

Am 14. August beginnt die Produktion der aktuellen Fiesta-Generation. Verkaufsstart ist am 11. Oktober. Auch die Hochdachlimousine Fusion geht an den Start

2012

Gründliche Modellpflege für den Fiesta. Der neu eingeführte Ford B-Max basiert auf Fiesta-Technik

2013

Fiesta ST mit 182 PS wird eingeführt

2016

Zum 40. Jubiläum des Fiesta feiert der ST 200 mit 200 PS auf dem Genfer Salon Premiere. Produktionsstart im Juni.

Zumal der neue Ford auch in einem eigens errichteten Werk im spanischen Valencia gefertigt werden sollte. Einziges Problem: Die Rechte für Fiesta lagen beim Erzrivalen General Motors (GM). Ein kurzer Anruf bei GM-Präsident Tom Murphy habe das Problem gelöst. Vielleicht wäre Murphy mit der Namensfreigabe weniger entgegenkommend gewesen, wenn er geahnt hätte, dass er so Taufpate des künftigen Königs der Kleinwagen wurde.

Ob in Valencia für Südeuropa gebaut, in Dagenham für die Briten oder in Saarlouis und in Köln für weitere 70 Märkte, der Kleine wurde zur anhaltenden Fiesta für Ford. Allein der Export nach USA fuhr nicht die erhoffte Ernte ein, obwohl US-Medien den Ford als besten Import-Kleinwagen priesen: ein „Wundercar built in Germany“ für den „San Diego Freeway“ ebenso wie für die „high-speed-autobahn“.

Ford Fiesta feiert eine Million Einheiten nach 31 Monaten Ford

Ford feiert eine Million Fiesta-Einheiten nach 31 Monaten

Es nützte nichts, 1977 war die erste Ölkrise bereits überwunden und so blieb der gegen VW Rabbit (Golf) und Honda Civic positionierte Sparmeister im Land der Straßenkreuzer chancenlos. Erfolgreicher sind dort erst seit 2010 Fiesta aus mexikanischer Produktion, die zusätzlich als klassischer Sedan angeboten werden.

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