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02.09.2014

09:54 Uhr

40 Jahre Volvo 240/260

Vom Langweiler zur Legende

VonWolfram Nickel
Quelle:Spotpress

Langlebig und kantig wie Knäckebrot waren die Volvo 240 und 260. Aber genau das machte den Charme der Volvo-Modellreihen aus. Der Erfolg kam erst, nachdem sich Volvo von einem gewaltigen Imageproblem befreit hatte.

Tradition: 40 Jahre Volvo 240/260  - Vom Langweiler zur Legende Volvo

Schwedische Sicherheit: Der Volvo 244GL avancierte zum Kultauto.

Nicht selten gewährt der Blick in die Kristallkugel nur ein Bild unscharfer Konturen. So kam es, dass Volvo-Konzernchef Pehr Gyllenhammar das Ölkrisenjahr 1974 als „ein verlorenes Jahr“ für Volvo bezeichnete. Auch manche Motorjournalisten sagten den damals neu präsentierten Volvo Modellen 240 und 260 keine große Zukunft voraus, weil sie zu deutlich an ihre acht Jahre alten Vorgänger, die kastenförmigen Volvo 140/160, erinnerten.

In Wirklichkeit kam aber alles anders. Die anfangs als langweilig und uninspiriert bewerteten Limousinen, Kombis und Coupés der Serien 240 und 260 bescherten Volvo bis heute bestehende Rekordverkaufszahlen von rund 2,9 Millionen Einheiten und wurden gerade wegen ihrer Optik automobile Ikonen. Vor allem der Volvo 240 widersetzte sich gleich mehrmals den Prognosen über sein bevorstehendes Ende, so überlebte er die 1982 lancierte Nachfolgereihe 740/760 und genoss sogar noch nach dem 1991 erfolgten Marktstart des 850 mit Frontantrieb ungebrochene Beliebtheit. Dies als schwedisches Volksauto, Fahrzeug für Mercedes-Verweigerer, vielseitiger Familien- und Lastentransporter, sicherstes Auto Amerikas oder schlicht als der Volvo unter allen Volvo.

Die Geschichte des Volvo 240/260 - Teil 1

1960

Im Juni beginnt die Entwicklung des Projekts 660 (=6/1960), des Nachfolgers der Baureihe Amazon/120.

1962

Die Grundform der Projekts 660 wird verabschiedet. Kennzeichen sind kantige Linien und drei Seitenfenster.

1966

Markteinführung des Volvo 144. Auszeichnung mit dem Titel „Auto des Jahres“ in Schweden.

1967

Einführung des 142 im Mai, Produktionsstart des 145 im November.

1968

Einführung des Sechszylinder-Modells 164. Erste Überlegungen zu einer Nachfolgereihe für die Baureihen Volvo 140/160 und Volvo Amazon.

1972

VESC (Volvo Experimental Safety Car) feiert auf dem Genfer Salon Weltpremiere

1974

Premiere der neuen Modellreihen 240 und 260. Anfangs sind drei Karosserievarianten im Angebot: 242, 244 und 245. Hinzu kommen 264 und 265

1975

Einführung des geregelten Drei-Wege-Katalysators für den amerikanischen Markt

1976

Die amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA wählt den 240 als Referenzfahrzeug für die Definition künftiger Sicherheitsnormen.

1977

Volvo begeht den 50. Geburtstag des Unternehmens mit einem Sondermodell des 240 und  mit der Vorstellung des 262 Coupé. Der exklusive 262 C wird bei Bertone in Italien gebaut. Die bei Bertone endmontierten Limousinen 264 TE (Top-Executive) sind um 73 Zentimeter verlängert und werden als Repräsentationslimousinen auch von der DDR-Staatsführung eingesetzt. Der Zweitürer 242 wird in Deutschland zwar schon in diesem Jahr aus dem Programm genommen, erlebt aber in den 1980er Jahren in der DTM ein sportliches Revival.

1978

Sondermodell Volvo 244 DLS, auf 1000 Einheiten limitiertes Modell für die DDR mit der Front des Volvo 264, Preis 42.800 Mark der DDR

Entstanden war das erste Konzept zur erfolgreichsten Volvo-Baureihe aller Zeiten in den Jahren 1968/69, also mitten in einer Phase gesellschaftlicher Umwälzungen und Studentenunruhen. So wurde den Volvo 240/260 zunächst die Rolle des Revolutionärs in die Wiege gelegt und die ersten Vorboten in Form von zehn futuristischen Volvo Experimental Safety Cars (VESC) bestätigten in dieser Form noch nie dagewesene extrovertierte Designlinien. Zwar wirkten die 1972 öffentlich präsentierten Sicherheits-Forschungsfahrzeuge kaum weniger kantig als die bisherigen Volvo 140/160, dafür vermittelten massige Überrollbügel und riesige Sicherheitsstoßfänger das Bild einer Trutzburg mit vorgeschobener Unterlippe.

Tatsächlich gingen viele der neuen Techniken aus den VESC bereits mit dem Serienanlauf der Volvo 240/260 an den Start, obwohl Volvo auf eine Großserienumsetzung der Concept Cars aus Kostengründen schließlich doch verzichtete. Stattdessen war die Serie 240/260 nur eine gründlich facegeliftete Neuauflage der Serie 140/160 mit frischem Vorderwagen bis zur A-Säule und anderer Heckgestaltung, jeweils mit vom VESC adaptierten Sicherheitsfeatures.

Volvo 242 L ab 1974 Volvo

Ab 1974 wurde der Volvo 242 auch in einer längeren Variante ausgeliefert.

Damit setzte Volvo  einzigartige Standards beim Insassenschutz, wie die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA bestätigte, die den Typ 240 im Jahr 1976 zur Referenzbaureihe ihrer Sicherheitsforschung ernannte. Über seine ganze Bauzeit blieb der Volvo 240 Benchmark beim Insassenschutz. So bezeichnete das amerikanische Versicherungsinstitut IIHS noch 1993 den Volvo 240 als Fahrzeug mit den wenigsten Unfällen mit Todesfolge unter den in den USA von 1988 bis 1992 verkauften Fahrzeugen.

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