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27.02.2014

13:41 Uhr

40 Jahre VW Scirocco

Das Sportcoupé, das dem Golf den Weg ebnete

Quelle:Spotpress

Er war der warme Wüstenwind, wie ihn Wolfsburg dringend brauchte im wirtschaftlich eisigen Winter 1974. Der VW Scirocco war auch Vorbote des Golf und leitete die Erneuerung des Volkswagen-Programms ein.

VW Scirocco GT von 1978: Besonders schön in Vipergrünmetallic mit schwarz-weiß-kariertem Sitzbezug. Leider aber sehr rostanfällig. PR

VW Scirocco GT von 1978: Besonders schön in Vipergrünmetallic mit schwarz-weiß-kariertem Sitzbezug. Leider aber sehr rostanfällig.

Ausgerechnet das Jahr der weltwirtschaftlichen Krise durch die Verknappung des Rohöls und entsprechend gestiegener Treibstoffkosten wurde für Volkswagen zum Schicksalsjahr mit einer kompletten Modellerneuerung. Im Juli 1974 lief im Werk Wolfsburg der letzte Käfer vom Band und bei Karmann in Osnabrück wurde das davon abgeleitete Sportcoupé Karmann Ghia in den Ruhestand geschickt.

An die Stelle der antiquierten Heckmotortypen mit einer Ahnenreihe, die bis in die Vorkriegszeit zurückreichte, trat nun ein gänzlich neues Produktprogramm mit Quermotor und Frontantrieb.
Nach den Vorboten K 70 (eine NSU-Entwicklung) und Passat (Parallelmodell zum Audi 80) war das Sportcoupé Scirocco die erste Eigenentwicklung im neuen Kapitel der Volkswagen-Historie. Ein Markstein, der Presse und Publikum bei der Premierenparty auf dem Genfer Salon völlig verblüffte.

Hatte damals doch kaum jemand damit gerechnet, dass VW vor dem Golf eine sportliche Rakete als Ouvertüre für das moderne Modellfeuerwerk zünden würde.

So stand der überraschend lancierte Scirocco anfangs in der Medienberichterstattung gar ein wenig im Schatten des gleichzeitig präsentierten Ford Capri II, der ebenso wie der VW das noch neue Konzept des so genannten Sportkombis mit praktischer Heckklappe aufgriff. Revolutionär war aber nicht der Ford, sondern der nach dem heißen Wüstenwind benannte Scirocco.

Nur er verknüpfte technische Innovationen mit einem maßgeschneiderten italienischen Kleid und moderaten Preisen. Ein verführerisches Paket, das schon in der ersten Auflage über eine halbe Million Fans fand.


Kein Wunder, bot der Scirocco doch bereits die Genialität des ersten Golf, diese jedoch in eleganterem Gewand. Wie beim Golf geschneidert von Giorgio Giugiaro, aber gebaut bei Karmann – schließlich wurde der Scirocco zum Kronprinz des zwei Jahrzehnte lang gebauten Karmann Ghia gekürt. Dieser wiederum galt als Urvater aller deutschen Traumcoupés fürs Volk, kombinierte er doch billige Käfer-Technik mit formaler Extravaganz.

Ein großes Erbe, das der Scirocco jedoch souverän übernahm, ganz so wie der Golf wenige Monate später die Nachfolge des Käfers antrat. Die Absatzzahlen des Karmann Ghia konnte der Scirocco sogar deutlich übertreffen, dabei fehlte es ihm Unterschied zu seinem Vorfahren nicht an direkten Rivalen.

So gab es seit 1969 den Ford Capri als ersten erschwinglichen Familiensportler. Der Opel Manta folgte 1970, aber auch die Italiener (etwa mit Fiat 128 Sport-Coupé, Alfa Romeo Giulia 1300 GT oder Lancia Fulvia Coupé), Franzosen (Renault 15/17), Tschechen (Skoda S 110 R Coupé) und Japaner (Datsun 120 Y und 180 B Coupé, Mazda 818 und 616, Toyota Corolla Coupé und Celica) tummelten sich schon länger in der Klasse der bezahlbaren Coupés als der Volkswagen Scirocco für frischen Wind sorgte.

Dabei brach der Scirocco nicht nur mit der Luftkühlungs-Heckmotor-Tradition des VW-Konzerns, er verabschiedete sich auch vom einfachen Starrachs-Layout mit Hinterradantrieb nach Opel- oder Ford-Vorbild. Stattdessen setzte er auf moderne Features wie Quermotor, Vorderradantrieb und vordere Einzelradaufhängung sowie eine hintere Verbundlenkerachse. Merkmal dieser Hinterachskonstruktion ist ein tiefliegender Querträger, der die Innenraum- und Gepäckraumgröße kaum beeinträchtigt.

Modell-Chronologie

1971

Am 12. Oktober verabschiedet Volkswagen bei einer Vorstandssitzung das Baukastensystem mit VW-Versionen von Audi 80 (Passat) und Audi 50 (Polo) sowie dem Marktstart des Entwicklungsauftrags 337 (Golf) am ersten August 1974.

Ein Coupé auf Golfbasis sollte zusammen mit Giorgio Giugiaro und dem künftigen Produzenten Karmann realisiert werden. Schon Ende August hatte die Produktplanung ein solches Coupé empfohlen.

Im November erhält Ital Design und damit Giugiaro das Startsignal und auch mit Karmann wurde VW einig. Eine Vertragsunterzeichnung mit Karmann erfolgt allerdings erst im Folgejahr

1972

Am 17. April wird das Außendesign des Scirocco verabschiedet und im September beginnt die Erprobung der Prototypen

1973

Ende des Jahres startet die Vorserienproduktion    

1974

Auf dem Genfer Automobilsalon feiert der Volkswagen Scirocco seine Weltpremiere, im April erfolgt der Marktstart. Dazu startet in Wolfsburg am 18. April eine Sternfahrt, bei der 1.000 Scirocco zu den Händlern ausschwärmen. Ein Wolfsburger Team unterstützt Karmann ab März bei Nachrüstarbeiten vor der Endkontrolle, weil Karmann die zugesagte Stückzahl nicht erreicht.

1974

Am 24. Oktober wird der 25.000ste Scirocco ausgeliefert, ab November erreicht die Tagesproduktion ihr Soll und der Scirocco steht in internen Qualitätsaudits vor Audi 50 und Golf. Im ersten Jahr werden 24.555 Scirocco verkauft

1975

Ab Januar mit optionaler Getriebeautomatik lieferbar. Im Oktober startet der Scirocco eine Motorsportkarriere mit Werksunterstützung auf Initiative durch die Fachzeitschriften „Sportfahrer“, „rallye racing“ und „Sportauto“. Eine Serie von 50 Cup-Scirocco wird aufgelegt. Insgesamt werden in diesem Jahr 58.942 Scirocco verkauft, 6.000 Einheiten mehr als geplant

1976

Am 11. April startet auf dem Hockenheimring der erste Lauf zum VW-Junior-Cup mit dem Scirocco. Erster Meister wird Manfred Winkelhock.

Im Sommer wird der Scirocco GTI als neues Spitzenmodell mit 81 kW/110 PS eingeführt. Schon zum Beginn des Modelljahres startete ein 1,6-Liter-Motor mit 55 kW/75 PS als Ersatz für das bisherige 1,5-Liter-Triebwerk mit 51 kW/70 PS. Auch die 85-PS-Version dieses Motors wird durch eine 1,6-Liter-Maschine ersetzt.

Für Luxus steht die neue GLI-Ausstattung

1977

Erstes Sondermodell ist der auf 2.000 Einheiten limitierten „schwarz-weißen Sciroccos“. Es folgen bis 1980 die Sondermodelle „Scirocco CL“ mit weißen Zierstreifen und „Scirocco SL“ .

Im September Facelift zur Mitte des Modellzyklus mit neuen Stoßfängern und um die Kotflügel herumgezogenen vorderen Blinkleuchten.

Neues 51 kW/70 PS starkes Triebwerk ersetzt die bisherige 75-PS-Maschine. Insgesamt werden in diesem Jahr 87.902 Scirocco verkauft

1978

Neues optionales Aufstelldach, das herausgenommen und im Kofferraum verstaut werden kann

1979

Facelift mit neuen Stoßfängern und Detailmodifikationen. Basismotorisierung ist jetzt ein 44 kW/60 PS starker 1,3-Liter-Benziner

1980

Ab August mit spritsparendem 4+E-Getriebe lieferbar

1981

Im Februar Produktionsauslauf nach 504.153 Einheiten. Auf dem Genfer Automobilsalon debütiert die zweite Generation des Scirocco  

So bot der Scirocco auf gerade einmal 3,85 Meter Länge (50 Zentimeter kürzer als die deutschen Konkurrenten) und 2,40 Meter Radstand erstaunlich viel Platz für vier Passagiere, dazu für das Gepäck eine praktische Heckklappe.

Auch formal war der Scirocco eine Überraschung, hatte Designer Giorgio Giugiaro doch auf die sonst so zeittypische extralange Motorhaube als Symbol von Männlichkeit und PS-Stärke verzichtet. Das Credo „Form follows Function“ und der damit verbundene hohe Nutzwert im Interieur war ihm wichtiger als optische Showeffekte.

Ganz nebenbei konnte der Scirocco so seinem Vorgänger Karmann Ghia folgen und überraschend viele weibliche Fans gewinnen. Tatsächlich versuchte der VW-Vertrieb gezielt, „junge Karrierefrauen“ zu begeistern und setzte dazu auf Markenbotschafter wie Erhard Keller, den olympischen Goldmedaillengewinner im Eisschnelllauf.

Auch die Formel-1-Champions Jackie Stewart und Emerson Fittipaldi wurden bemüht, um die Stärken des Scirocco im Kampf um die Krone des besten aller Sportcoupés herauszustellen.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

27.02.2014, 17:43 Uhr

Wenn man dieses klar gezeichnete Auto mit dem heutigen Scirocco vergleicht, könnten einem die Tränen kommen. Der erste Scirocco mag gerostet haben wie kein Guter, aber er war leicht, schnell, wartungsfreundlich, man hatte Platz und konnte gut raussehen. Weil alle diese Tugenden beim aktuellen Scirocco sträflich vernachlässigt werden, wird man auch dieses Projekt irgendwann zugunsten eines Golf 9 R sanft entschlummern lassen - als Big VW kann man sich derlei Flops leisten, denn der brave VW-Kunde zahlt solcherlei über die überteuerten Gölfe.

Account gelöscht!

28.02.2014, 08:22 Uhr

@Guzzi_Cali2
Sie haben 100% Recht was Vorzüge des alten und Kritik am neuen Scirocco betrifft. Die Wolfsburger sollten sich mal Toyota GT86 bzw. Subaru BRZ ansehen. So sehen Sportcoupes fürs Volk aus.

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