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26.01.2015

09:46 Uhr

50 Jahre Harley-Davidson Electra Glide

Am Anfang war der kleine weiße Knopf

VonRalf Schütze
Quelle:Spotpress

Eine Ikone feiert Geburtstag: Vor genau 50 Jahren verpasste Harley-Davidson der Reisemaschine „Duo Glide“ ein entscheidendes Upgrade und machte sie mit einem Knopfdruck deutlich bequemer.

Endlose Weiten - und eine Harley Harley-Davidson

Endlose Weiten - und eine Harley

Ein 1,2-Liter-Twin im Motorrad hatte Mitte der Sechziger Jahre handfeste Vorteile gegenüber den meist deutlich hubraumschwächeren Motoren der Konkurrenz. Aber bei allem Fahrkomfort dank hoher Durchzugskraft und mächtigem V2-Sound aus den Endrohren fiel ein Nachteil schwer ins Gewicht: 1.213 ccm verteilt auf zwei Zylinder mussten erst einmal angetreten werden, und der kompressionsstarke Twin im Tourer Duo Glide stellte vor allem leichtgewichtige Biker vor schwere Aufgaben.

Dem machte Harley-Davidson 1965 ein Ende: Ein kleiner weißer Knopf neben dem Gasgriff verriet fortan, dass der neue Supertourer „Electra Glide“ seinen mächtigen V2-Motor per Elektrostarter zum Leben erweckte.

Damals lagen bereits beachtliche 17 Produktionsjahre hinter der Baureihe, die jetzt in die  neue Electra Glide mündete. Im Laufe dieser Phase hatte die mit dem „Panhead“-Motor ausgerüstete Reisemaschine zahlreiche Optimierungen erhalten, die zu einem jeweils anderen Namen geführten hatten.

Unter anderem gehörte dazu ab 1949 die „Hydra Glide“, in der statt der bisherigen „Springer“-Federgabel eine Telegabel für Komfort sorgte. 1958 dann der nächste Schritt: Harleys damaliges Flaggschiff wurde zur „Duo Glide“, als ein neues Chassis mit Hinterradschwinge und Federbeinen den bisherigen Starrrahmen ersetzte.

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1965 erfolgte ein entscheidender Schritt in neue Komfortzonen. Ein Knopfdruck genügte jetzt, um den V2-Motor zum Laufen zu bringen. Dabei mussten die Entwickler in Milwaukee nur ins Regal greifen: Grundlage für den Starter der neuen Electra Glide war der elektrische Anlasser der sogenannten „Servi-Cars“ – dreirädrige Harleys, mit denen von 1932 bis in die siebziger Jahre unter anderem Polizisten unterwegs waren.

Da sie auch an Nicht-Motorradfahrer verkauft wurden, waren diese Trikes besonders benutzerfreundlich ausgestattet und hatten schon vor den Zweirädern einen E-Starter.

Seit Einführung der ersten E-Glide 1965 hat die besonders in USA, aber auch weltweit populäre Baureihe zahlreiche neue Komfort-Features sowie überarbeitete Fahrwerke und neue Motoren erhalten.

Doch am Anfang stand neben positiven Reaktionen auch Skepsis: Wie meist in solchen Fällen sollen Traditionalisten nichts von der bequemen Starterei per Knopfdruck gehalten haben. Dennoch schlug der E-Starter zunächst positiv ein, denn er führte zu den besten Absatzzahlen seit eineinhalb Jahrzehnten.

Kurze Harley-Fahrer-Typologie

Viel mehr als nur Bad Boys

In seinem Aufsatz "Magie einer Marke" greift der Hamburger Soziologe Kai-Uwe Hellmann eine eingängige Typisierung verschiedener Gruppen von Harley-Davidson-Fahrern auf, von der leider nicht belegt ist, aus welcher Quelle sie stammt. Unterhaltsam und zutreffend ist ist allemal, auch wenn es einigen Harley-Fahrern nicht gefallen wird ...

MOPS

MOPS steht für „mom-and-pops-bikers“: Paare, die ihre Harley als normales Transportmittel benutzen.

RUBS

RUBS sind „Rich Urban Bikers“: vorwiegend Männer, die sich mit Blick auf ihr fortgeschrittenes Alter und vor dem Hintergrund ihres beruflichen Erfolgs (Anwälte, Broker, Ärzte etc.) eine Harley (problemlos) leisten
(können), um das Lebensgefühl der Teenager und Outlaws nochmals in sich aufleben zu lassen.

SEWERS

SEWERS steht für „Suburban Weekend Riders“: Vorstadtbewohner, die unter der Woche ein ganz normales Leben führen, in den weitverzweigten „suburbs“ mit den vielen gleich aussehenden Einfamilienhäusern wohnen und zum Wochenende ihre Harley aus der Garage holen, um eine kleine Spritztour zum nächsten Harley-Treffpunkt zu machen.

RIOTS

„Retired Idiots On Tour”: zumeist ältere Personen, die ihren verdienten Ruhestand dazu nutzen, ihre Freizeit und ihre finanzielle Abgesichertheit zu genießen, indem sie sich eine Harley kaufen und längere Überlandfahrten machen.

MUGWUMPS

MUGWUMPS („My Ugly Goldwing Was Upsetting My Peers”): ehemalige Fahrer einer Honda Goldwing, deren Behäbigkeit und betuliches Image im Bekanntenkreis auf wenig Gegenliebe gestoßen ist, weshalb sie sich zu einem Markenwechsel genötigt sahen.

AHABS

„Aspiring Hardass Bikers”: Vermutlich handelt es sich hierbei um Harley-Fahrer, die vorgeben, besonders lange Fahrten übers Land zu unternehmen, mit den entsprechenden Folgen fürs eigene Gesäß.

BASTARDS

„Bought A Sportser, Therefore a Radical Dude”: Diese Bezeichnung betrifft das prätentiöse Gehabe mancher Harley-Fahrer, die sich durch den Besitz einer solchen Maschine im antibürgerlichen Image der Harley-Kultur sonnen.

IGLOOS

„I got the look, Own one Soon”: Personen, die zwar gerne eine Harley hätten, sich aber keine leisten können und sich statt dessen durch entsprechende Kleidungsstücke und die zugehörigen Accessoires schmücken, um den Anschein von Harley-Besitz und H.O.G.-Zugehörigkeit zu erwecken; siehe auch HOOTS ...

HOOTS

„Have one Ordered, True Story”: HOOTS sind den IGLOOS sehr ähnlich, nur begnügen diese sich mit der nur vorgetäuschten Tatsache, dass sie demnächst eine Harley besitzen werden, deren Bestellung schon erfolgt
ist.

Zum sofortigen Verkaufserfolg der Electra Glide trug sicherlich auch bei, dass es sich aufgrund zahlreicher Neuerungen im Grunde um ein komplett neues Modell handelte: Die Batteriespannung stieg von 6 auf 12 Volt, das Gewicht um fast 40 kg, das wiederum machte stärkere Bremsen nötig, ein neuer Rahmen war steifer als bisher, höhere Verdichtung und neue Nockenwellen sorgten in der 1965er-Modell „74FLHB Electra Glide“ für 60 PS Leistung und immerhin 158 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Doch die Laufzeit der ersten Ausgabe währte nicht lange, denn schon 1966 löste der neue „Shovelhead“-Motor den bisherigen „Panhed“ ab – das Aussehen einer Pfanne hatte dem alten V2 den Namen gegeben, der neue glich einem Schaufelkopf, beides allerdings nur mit reichlich Phantasie erkennbar.

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Heute gehören die ausladende Batwing-Verkleidung und ein dreiteiliges Kofferset zu den typischen Merkmalen der Electra Glide. Sie bieten sehr guten Wind- und Wetterschutz sowie großzügiges Stauvolumen. Im Modelljahrgang 2015 bildet die Harley-Davidson Electra Glide Ultra Classic FLHTCU die Speerspitze komfortablen Tourens mit dem inzwischen auf 1.690 ccm gewachsenen „TwinCam 103“.

Er leistet 64 kW/87 PS und verwöhnt dank 138 Nm Drehmoment mit reichlich Schubkraft schon bei niedrigen Umdrehungen. Mit ABS (seit 2009 Serie) und elektronischer Bremskraftverteilung ist der Supertourer ab 27.185 Euro zu haben.

Seit 2014 gehören neue Beleuchtungsanlagen und erweitertes Infotainment sowie komfortbetonte Sitze, Verkleidung und Koffer zur aktuellen Grundausstattung der 50 Jahre alten Touren-Ikone Electra Glide.

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