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30.01.2014

14:40 Uhr

50 Jahre Kapitän, Admiral, Diplomat

Opels Flotte für Wirtschaftskapitäne

VonWolfram Nickel
Quelle:Spotpress

Der Opel Diplomat überholte mit V8-Power auf Straßen und bei Stückzahlen die Konkurrenr. Nicht einmal der Stuttgarter Stern konnte Paroli bieten. Aber auch das Dreigestirn aus Kapitän, Admiral und Diplomat war Spitze.

Tradition: 50 Jahre Opel Kapitän, Admiral, Diplomat - Dreigestirn für die Königsklasse    Opel

50 Jahre Opel Kapitän, Admiral, Diplomat: das Dreigestirn für die Königsklasse

„Blitz schlägt Benz“ hätte die Boulevardpresse vor 50 Jahren titeln können, war Opels Erfolg in der automobilen Luxusklasse doch ebenso überraschend und grandios wie der damals erste WM-Titelgewinn von Boxlegende Cassius Clay alias Muhammad Ali. Mercedes-Benz ging zwar nicht k.o., aber wenigstens einmal gelang der Marke mit dem Blitz unmöglich Geglaubtes in der automobilen Championsleague: Der Opel Diplomat wurde Deutschlands führendes Flaggschiff vor dem Mercedes 300 SE.

Das neue Opel-Oberklasse-Triumvirat mit den traditionsreichen Modellnamen Kapitän (seit 1938) und Admiral (mit Unterbrechung seit 1937) sowie Diplomat avancierte zum Bestseller in der „Prominentenklasse“, wie Rüsselsheim das profitable Prestigesegment nannte.

Opel hatte geschafft, was in diesem Volumen bis heute kein anderer deutscher Nichtpremium-Hersteller wiederholen konnte: Mit ihren elegant gezeichneten Sechs- und Achtzylinder-Spitzenmodellen positionierten die Rüsselsheimer sich auf Vorstandsparkplätzen oder Vorfahrten von Luxushotels und als allgemein anerkannter Erfolgsausweis für Geschäftsleute und Prominente.

Besonders der neue Diplomat wurde seinem Werbespruch als „Star der starken Wagen“ gerecht. Mit bis zu 169 kW/230 PS entwickelnden-V8-Maschinen von Chevrolet bot der Diplomat sogar fast ebenso viel Leistung wie die drei Mal so teure Staatslimousine Mercedes-Benz 600. Nur 17.500 Mark berechnete Opel anfangs für sein 4,95 Meter langes Flaggschiff mit serienmäßiger Zweigang-Wandlerautomatik und damit rund ein Drittel weniger als Mercedes-Benz für den konkurrierenden 300 SE mit 118 kW/160 PS starkem Sechszylinder.

Kein Wunder, dass Opel auch die etwas einfacher ausgestatteten Sechszylinder-Limousinen Kapitän und Admiral schon bald auf Wunsch mit den imageträchtigen V8-Maschinen anbot. Dies allerdings nur mit 4,6-Liter-Hubraum, während es den Diplomat auch mit gewaltiger 5,4-Liter-Maschine gab. Ein V8-Bestseller wurde aber allein der Diplomat, dessen Programm ab Dezember 1964 von einem exklusiven Hardtop-Coupé gekrönt wurde.

Der Karossier Karmann baute den eleganten Zweitürer mit fast endlos langer Motorhaube und riesigem Kofferraum. Welche Ausnahmestellung das Diplomat V8 Coupé damals besaß, beschrieb in ihrem eigenen Stil die Opel-Werbung: „Ein Diplomat V8 Coupé befindet sich meistens in Gesellschaft, jedenfalls solange es parkt. Ständig ist es von Bewunderern umringt. Nehmen Sie's gelassen schmunzelnd hin. Schließlich bietet sich für viele nur auf dem Parkplatz die Gelegenheit, ein Diplomat V8 Coupé eingehend zu betrachten. Wenn dieser rassige Wagen erst einmal im 200-Stundenkilometer-Tempo über die Autobahn huscht...wer wollte (und vor allem: wer könnte) ihm dann auf die Dauer noch Gesellschaft leisten?“

Modellgeschichte

1963

Im November Produktionsende des Vorgängers Kapitän P-LV nach 145.618 Einheiten

1964

Die neue Opel-Oberklasse kommt mit der internen Bezeichnung Kapitän A, Admiral A und Diplomat A. Presse-Präsentation im Februar und Vorserienanlauf im Februar. Produktionsstart Admiral im Mai und Diplomat V8 mit 4,6-Liter-Benziner von Chevrolet im August.

Im Dezember wird das Diplomat V8 Coupé mit 5,4-Liter-Maschine von Chevrolet vorgestellt, Produktion der Coupé-Karosserie bei Karmann in Rheine. Insgesamt werden in diesem Jahr 30.571 Einheiten der großen Opel produziert. Die Oberklasse-Konkurrenz von BMW („Barockengel“ 2600 und V8) wird im März ersatzlos eingestellt. Dafür gibt es weiterhin die Mercedes-Benz-Modelle 220 S bis 300 SE (W 111/112) als Wettbewerber  

1965

Ab März sind auch Kapitän und Admiral mit der 4,6-Liter-V8-Motorisierung bestellbar. Im September ersetzt ein neuer 2,8-Liter-Sechszylinder-Motor den bis dahin angebotenen 2,6-Liter-Sechszylinder. Insgesamt werden in diesem Jahr 29.262 Einheiten der großen Opel-Baureihe gefertigt.

Seit August gibt es die neuen Mercedes-Benz 250 S bis 300 SEL als Konkurrenten, allerdings nur mit Sechszylinder-Motoren. Dennoch wird der Diplomat V8 noch einmal meistverkaufte deutsche Oberklasselimousine vor dem Mercedes 300 SE   

1966

Ab September ist die Diplomat V8 Limousine auch mit der 5,4-Liter-Motorisierung lieferbar, die bis dahin dem Coupé vorbehalten war. Breitere Spur für die alle Sechszylinder. Nur noch 18.473 Einheiten werden in diesem Jahr von den großen Opel produziert

1967

Im Frühjahr läuft nach nur 304 Einheiten die Fertigung des Diplomat V8 Coupé aus. Im September erhält die gesamte Baureihe der „Großen Drei“ eine umfassende Modellpflege. Äußeres Kennzeichen ist eine seitliche Zierleiste.

Kapitän und Admiral sind jetzt optional mit leistungsgesteigertem Sechszylinder lieferbar. Sicherheitslenksäule und für Kapitän und Admiral neue Lenkung. Insgesamt werden in diesem Jahr noch 6.091 Einheiten der großen Opel produziert

1968

Ab Januar heizbare Heckscheibe statt Entfeuchter. Zum Jahresende Produktionsauslauf. 4.880 Einheiten der Opel-Flaggschiffe entstanden im letzten Jahr

1969

Im März werden die Nachfolger Kapitän B, Admiral B und Diplomat B eingeführt. Das erste Jahr ist mit 17.777 Einheiten bereits das beste Resultat dieser Baureihe, die bis 1977 produziert wird

Damals durchaus berechtigte Feststellungen und Fragen. 206 km/h Vmax erreichte kein anderes Luxuscoupé und abgesehen vom Maserati Quattroporte auch keine Limousine. Eine rare Pretiose auf Parkplätzen blieb der zweitürige und mit Preisen ab 25.500 Mark kostspieligste Diplomat schon durch seine Mini-Auflage: Insgesamt verkaufte Opel nur 304 der elitären V8-Coupés, dabei waren Konkurrenten wie BMW 3200 CS oder Mercedes-Benz 300 SE Coupé deutlich teurer und weniger luxuriös ausgestattet.

Tatsächlich ließ sich der Glanz oder Charme faszinierender Limousinen wie der sogenannten K-A-D-Klasse (Kapitän, Admiral, Diplomat) jedoch nicht einfach aufs Ultraluxus-Segment der Coupés übertragen. Eine bittere Erfahrung, die etwa ab 1966 auch der neue Diplomat-Coupé-Rivale Glas mit seinem V8 Coupé machen musste, kurz bevor BMW den Dingolfinger Autobauer übernahm. Der mäßige Erfolg des Opel Coupés war auch mit verantwortlich, dass ein ebenfalls bei Karmann karossiertes Diplomat V8 Cabriolet ein Einzelstück blieb.

Opel Diplomat A V8 Coupe ab 1965 Opel

Kommen wir also zur spannendsten Frage: Womit faszinierte die „Großwagenklasse“ von Opel ihre Käufer? Anders als etwa bei Mercedes-Benz war es wohl weniger das Markenimage als das Prestige der Modellreihen. Insbesondere der Kauf eines Kapitäns zeugte bereits seit der Vorkriegszeit von beruflichem und gesellschaftlichem Erfolg, während der Admiral ab 1964 die Rolle der Luxusausführung übernahm.

Kommentare (1)

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30.01.2014, 16:23 Uhr

Nicht weiter in der Liga mit zu spielen war wohl der größte Fehler der Firmengeschichte. Das einstige Prestige wird man nie wieder erreichen können.

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