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12.12.2013

12:58 Uhr

50 Jahre Sprint GT von Bertone

Als Romeo und Giulia mitten ins Herz trafen

VonWolfram Nickel
Quelle:Spotpress

Auf der Straße konnte es die Giulia Sprint GT sogar mit Porsche aufnehmen, in den Verkaufscharts brachte das bezahlbare Sportcoupé Alfa Romeo weit nach vorn. Diesem GT verdankt die Mailänder Marke ihren Mythos.

Tradition: 50 Jahre Alfa Romeo Giulia Sprint GT - Bertones Bella Donna Alfa Romeo

Der Alfa Romeo Giulia Sprint GT wird 50 Jahre alt: Er ist Bertones Bella Donna.

Sie trägt klassische Coupé-Kurven, die sie für viele noch begehrenswerter machen als ihre bereits verführerischen Schwestern der Alfa-Baureihe 105, die legendäre Limousine Giulia und den von Pininfarina gezeichneten Spider. Formen, mit denen die Giulia Sprint GT – der Volksmund nennt sie nach ihrem Designer schlicht „Bertone“ – vor 50 Jahren  mitten ins Herz aller Sportwagenfans traf.

Vorgestellt wurde das Bertone-Coupé völlig unerwartet nicht auf den glamourösen Laufstegen der Designmessen von Turin, Paris oder Genf, sondern im nüchternen Ambiente der Frankfurter IAA. Dort, wo neben schönen Linien auch die Technik unter den Motorhauben zählte. Schließlich sollte der zweitürige Alfa Romeo von Beginn an zeigen, dass sogar Stilikonen bezahlbare reinrassige Straßensportler sein können, wenn sie nur das Logo der Mailänder Marke schmückt.

Modellgeschichte

1960

Giuagiaro entwirft bei Bertone die Linien der Giulia Sprint

1962

Die Limousine Giulia T.I. (Tipo 105.14) feiert Weltpremiere

1963

Am 9. September wird die Giulia Sprint GT auf dem Werksgelände in Arese vorgestellt. Die Publikumspremiere erfolgte auf der IAA. Als erster Alfa läuft die Giulia im neuen Werk in Arese vom Band.

1964

Die Cabrio-Version des Coupés Giulia GT debütiert unter dem Kürzel GTC, geht im Folgejahr bei der Carrozzeria Touring in Serie.

1965

Der Alfa Romeo Giulia Sprint GTA wird als Homologationsmodell aufgelegt und feiert in Amsterdam Premiere.

1966

Der Sprint GT erstarkt als GT Veloce auf 80 kW/109 PS. Produktionsauslauf für Giulia GTC nach dem Konkurs von Touring. Neu ist der GT 1300 Junior als Einsteigerversion. Die Giulia GTA gewinnt die Tourenwagen-Europameisterschaft (dies auch 1967 und 1968) und die Trans-Am-Championship (auch 1967 und 1970). Titelträger in der italienischen Tourenwagen-Meisterschaft (auch 1967 und 1969), der deutschen, österreichischen und französischen Tourenwagenserien.

1967

Der GT 1750 ergänzt die Palette der Bertone Coupés, Kennzeichen sind Doppelscheinwerfer und die Front ohne Kantenhaube. GTA gewinnt Europäische Tourenwagen-Challenge und die Europäische Berg-Meisterschaft. Reinrassiger Rennwagen wird der neue GTA SA (Sovralimentata) von Autodelta, der mit einer Literleistung von 146 PS Maßstäbe setzt

1968

Giulia GTA 1300 Junior wird bei Alfa Romeo in Arese und bei Autodelta als kleiner Bruder des Sprint GTA entwickelt und bis 1975 in kleiner Serie gefertigt. Der Alfa GTAm (maggiorata) wird großer Bruder des GTA mit 2,0-Liter-Motor

1969

Mit Zagato-Karosserie debütiert das Sportcoupé Giulia GT Junior Zagato, Serienanlauf im Folgejahr

1970

SCAA-TW-Meister in den USA. Der GTAm gewinnt die europäische Tourenwagenmeisterschaft (auch 1971). GT Junior verliert die Kantenhaube im Zuge eines Facelifts

1971

Einführung des GT Veloce 2000 als neues Spitzenmodell und Nachfolger des GT 1750.

1972

Vorstellung des 1600 Junior Zagato mit größerem Motor und neuem Heckdesign. Neu ist der GT 1600 Junior als mittlere Modellversion zwischen GT 1300 Junior und GT Veloce 2000.

1974

Titelgewinn in der equadorianischen Tourenwagen-Meisterschaft. Der Alfetta GT wird designierter Nachfolger des Giulia Sprint GT bzw. Alfa GTV.

1976

Produktionseinstellung der Bertone Coupés

Wer nun denkt, eine schöne Italienerin in den Kleidern der Carrozzeria Bertone und deren jungem Chefdesigner Giorgetto Giugiaro war von vornherein auf eine erfolgreiche Premierenparty programmiert, sollte die ganze Sportschau des Frankfurter Autoherbstes 1963 im Blick haben.

Immerhin stand das Giulia Coupé in Konkurrenz zu aufregenden Debütanten wie Porsche (901 bzw. 911), NSU (Wankel Spider), Mercedes (230 SL, Deutschland-Debüt), Facel Vega (Facellia), Karmann Ghia (1500 S), Glas (1300 GT) und fast einem Dutzend weiterer neuer Sportcoupés. Dennoch schaffte es der „Bertone“ tatsächlich in der Gunst von Publikum und Presse sofort zu einem Favoriten zu avancieren. Schließlich vermittelten seine vollendeten Linien Traumwagenimage.

Die bereits bejubelten, kurz zuvor präsentierten großen Alfa-Coupés 2000 Sprint und 2600 Sprint hatten die Führung des Zeichenstrichs vorgegeben, aber mit der Giulia Sprint lieferte Giorgetto Giugiaro sein erstes Meisterwerk. Das übrigens nicht mehr wie frühere GT bei Bertone, sondern auf den neuen Alfa-Bändern in Arese montiert wurde.

Ganz wichtig: Dank kraftvollem 1,6-Liter-Motor mit 78 kW/106 PS aus einer Doppelvergaser-Anlage konnte es der Alfa Romeo nominell sogar mit manchen Porsche aufnehmen und die meisten französischen und englischen Sportwagenrivalen auf Distanz halten.

Dabei war der soundstarke Vierzylinder lediglich die Vorhut einer ganzen Phalanx an noch schnelleren Veloce-Versionen und scharfen GTA-Racern. Hinzu kamen exklusive Zagato-Coupés und sonnenhungrige Gran Turismo Cabriolets von Touring. Alfa Romeos kompaktes 2+2-sitziges Coupé faszinierte die Couturiers von Beginn an ebenso wie alle Sportwagenfans. Für die Marke im Zeichen des Scudetto beste Basis für einen Aufstieg zu neuer Größe.

Tatsächlich machte es die Typenfamilie 105 möglich, dass Alfa Romeo über ein Jahrzehnt lang als schärfster Konkurrent von BMW galt. Mit über 225.000 Einheiten hatte das bis 1976 gebaute Bertone-Coupé daran einen entscheidenden Anteil.

Karosserien und Versionen

Alfa Romeo Giulia GT

Zweitüriges Sportcoupé mit Bertone-Karosserie (1963-1976), Motor: 1,3-Liter- bzw. 1,6-Liter- bzw. 1,8-Liter bzw. 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 64 kW/87 PS bzw. 78 kW/106 PS und 80 kW/109 PS bzw. 83 kW/113 PS bzw. 96 kW/131 PS Leistung;

Alfa Romeo Giulia GTC

Zweitüriges Sport-Cabriolet mit Bertone-Karosserie (1965-1966), Motor: 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 78 kW/106 PS Leistung;

Alfa Romeo Giulia GTA/Junior

Zweitüriges Sportcoupé mit Bertone-Karosserie in Leichtbauversion (1965-1975), Motor: 1,3-Liter- bzw. 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 71 kW/96 PS bzw. 85 kW/115 PS Leistung;

Alfa Romeo Giulia GTA SA

Zweitüriges Sportcoupé mit Bertone-Karosserie in Leichtbauversion (1967-1968), Motor: 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 169 kW/220 PS Leistung;

Alfa Romeo Giulia GT Am

Zweitüriges Sportcoupé mit Bertone-Karosserie in Leichtbauversion (1968-1971), Motor: 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 140 kW/190 PS Leistung;

Alfa Romeo Giulia GT Junior Zagato

Zweitüriges Sportcoupé mit Zagato-Karosserie (1969-1975), Motor: 1,3-Liter- bzw. 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 64 kW/87 PS bzw. 80 kW/109 PS Leistung;

Alfa Romeo Giulia TZ (Tubolare Zagato)

Zweitüriges Sportcoupé mit Zagato-Karosserie (1963-1967), Motor: 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 114 kW/155 PS Leistung.

Wie scharf die Rivalität zwischen Alfa Romeo und BMW damals war, zeigte sich nicht nur in den fast zahllosen Medienvergleichen zwischen den Sportlern aus München und Mailand, sondern sogar bei dem Tempo der Einführung von optischen Speed-Insignien wie Doppelscheinwerfern und der rasch wachsenden Trophäensammlung auf Rennstrecken.

Zählten die 1960er Jahre doch noch zu der Epoche, in denen Alfa Romeo den Motorsport mitbestimmte. Traditionelles Kennzeichen der meist roten Renner aus Mailand war das vierblättrige Kleeblatt.

Dieses Quadrifoglio durfte deshalb nicht fehlen an den kaum mehr als 700 Kilogramm wiegenden GTA-Coupés aus den Werkhallen von Autodelta, Alfas Partner für Homologationsfahrzeuge. „A“ stand für „alleggerita“, was so viel wie „erleichtert“ bedeutete und indizierte die kostspielige Leichtmetallkarosserie der Coupés.

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