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27.05.2013

09:24 Uhr

50 Jahre Verkehrsopferhilfe

Letzte Hoffnung nach dem Crash

Quelle:dpa

Ein Verkehrsunfall ist immer eine schlimme Sache. Noch schlimmer, wenn es keinen Schadenersatz gibt, weil der Verursacher nicht versichert ist oder flüchtet. Dann haben Geschädigte nur noch eine Chance.

Ende einer Geisterfahrt dpa

Ende einer Geisterfahrt

BerlinGeisterfahrer-Unfälle sorgen regelmäßig für Schlagzeilen. Solche Crashs sind längst nicht immer darauf zurückzuführen, dass Autofahrer versehentlich auf die falsche Spur geraten: Einige lenken ihren Wagen in selbstmörderischer Absicht in den Gegenverkehr. Wer in so einen Unfall verwickelt wird, bekommt von der Kfz-Haftpflichtversicherung des Geisterfahrers meist keine Entschädigung - die zahlt im Regelfall bei Vorsatz nicht. Haben Opfer solcher und anderer Unfälle keine Chance auf Schadenersatz, können sie sich seit 50 Jahren an die Verkehrsopferhilfe (VOH) wenden.

Die VOH ist eine Einrichtung der deutschen Autoversicherer. Der Verein wurde 1963 in Hamburg gegründet, heutiger Sitz ist Berlin. Vorläufer war der Fahrerfluchtfonds von 1955 zur Opferentschädigung nach Unfällen mit unbekanntem Verursacher. «Die Verkehrsopferhilfe bewahrt Unfallopfer vor Härten, gegen die sie sich am wenigsten schützen können», erklärt Karin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). «Damit schließen die deutschen Versicherer letzte Lücken im Pflichtversicherungsgesetz.»

Einschreiten muss die VOH also nur in bestimmten Fällen - «zum Beispiel wenn das Fahrzeug des Unfallverursachers nicht versichert ist», sagt Rüter de Escobar. Trotz gesetzlich vorgeschriebener Kfz-Haftpflichtversichrung komme das immer wieder vor. Weitere Fälle: Jemand verursacht vorsätzlich einen Unfall, so wie der Geisterfahrer mit Selbstmordabsichten. Ein Fahrzeug wird als Waffe gegen andere eingesetzt. Oder ein Unfallfahrer flüchtet vom Unglücksort.

«Im Fall der Unfallflucht gibt es Leistungseinschränkungen», sagt Rüter de Escobar. «Es werden grundsätzlich nur Personenschäden ersetzt und Sachschäden, die 500 Euro überschreiten.» Geld könnte es etwa für einen Gartenzaun geben, den ein unbekannter Autofahrer niedergemäht hat. Für Schäden am Auto des Unfallopfers zahle die VOH hingegen in der Regel nicht, denn: «Es geht nur darum, existenzielle Härten zu vermeiden - und gegen Schäden an seinem Fahrzeug kann sich jeder mit einer Vollkaskoversicherung absichern.» Blechschäden würden nur berücksichtigt, wenn gleichzeitig ein erheblicher Personenschaden entstanden sei, so die GDV-Sprecherin.

Auch Schmerzensgeld gebe es nur in Ausnahmefällen von der VOH, erklärt Rüter de Escobar. «Dazu muss es sich um besonders schwere Verletzungen handeln, die zum Beispiel die Erwerbsfähigkeit dauerhaft und erheblich einschränken.»

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