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24.06.2013

11:01 Uhr

75 Jahre Volkswagen

Kübelwagen und Kanarienvögel

Quelle:dpa

Als stolzer Fabrik-Koloss sollte das VW-Werk vor 75 Jahren Sinnbild der Massenmotorisierung werden - ein Prestigeprojekt der Nazis. Doch statt Autos für jedermann verließ anfangs tödliches Kriegsgerät die Bänder.

Nach der Grundsteinlegung besichtigt Adolf Hitler (M) am 26.05.1938 im Volkswagenwerk in der Nähe von Fallersleben einen Volkswagen "Käfer". dpa

Nach der Grundsteinlegung besichtigt Adolf Hitler (M) am 26.05.1938 im Volkswagenwerk in der Nähe von Fallersleben einen Volkswagen "Käfer".

WolfsburgWenn heutzutage in der weltgrößten Autofabrik in Wolfsburg nagelneue Volkswagen vom Band rollen, ist wenige Meter über ihnen die bewegte Geschichte des Konzerns noch immer ganz nah. Ein Blick an die Hallendecke genügt. Dort, an manchen Stahlträgern, sind die Weltkriegsspuren noch vorhanden. Denn Bauelemente, die die Bomben halbwegs überstanden, kamen kurzerhand beim Wiederaufbau erneut zum Einsatz. 75 Jahre ist es mittlerweile her, dass Adolf Hitler zwischen Hannover und Magdeburg am Mittellandkanal den Grundstein der Volkswagenwerke legte. Ringsherum entstand Wolfsburg - heute Herz des drittgrößten Autobauers der Welt. Die Stadt feiert das Jubiläum groß.

Vor VW verkaufen nur noch General Motors (GM) und Toyota mehr Wagen als Europas Branchenprimus, der spätestens 2018 Nummer 1 sein will. Bis dahin müssen die Japaner und der US-Konkurrent vom Thron.

Zumindest der Vorsprung jenseits des Atlantiks hat eine Parallele, die mehr als 75 Jahre bis zu den VW-Anfängen zurückreicht. Die Nazis beauftragten damals Ferdinand Porsche (1875-1951) mit dem Projekt VW-Werk. Der Autokonstrukteur reiste Ende der 1930er in die Staaten, um sich unter anderem bei Ford die Massenfertigung abzuschauen. Denn selbst Hitler hatte eingeräumt, dass bei der Motorisierung «das deutsche Volk am meisten zurückgeblieben» sei.

Das sah auch Werksplaner Porsche bei seinen Studienreisen. «Für den Europäer genügt es vollauf, wenn er in den Vereinigten Staaten nur die Ford-Werke besucht; denn hier sieht er in allen Dingen, wie es gemacht werden soll», notierte sein Privatsekretär Ghislaine Kaes. Porsche besichtigte modernste Fließbänder, die je nach Tageszeit ein Tempo vorlegten, das den Rhythmus der Arbeiter berücksichtigte. Laut Kaes' Notizen wollte Porsche «in das Geheimnis der hohen Löhne und niedrigen Verkaufspreise in den Vereinigten Staaten einzudringen versuchen». Zudem warb er knapp 20 deutschstämmige Spezialisten ab.

So sieht es heute aus: Die Autostadt (l) und das alte Heizkraftwerk (r) auf dem VW-Werksgelände. Foto: Sebastian Kahnert dpa

So sieht es heute aus: Die Autostadt (l) und das alte Heizkraftwerk (r) auf dem VW-Werksgelände.
Foto: Sebastian Kahnert

Noch bei der Studienreise in Detroit entschied die Delegation, «dass das geplante Volkswagenwerk eine fast maßstabsgerechte Kopie des Fordschen Hauptwerkes sein sollte», berichtet Manfred Grieger, Leiter der Historischen Kommunikation bei VW, in einer Aufarbeitung der Konzerngeschichte. Doch Plan und Realität waren grundverschieden.

Das mit enteignetem Gewerkschaftsvermögen gebaute Werk diente unter den Nazis niemals der Volksmotorisierung. Zwischen 1940 und Kriegsende verließen nur 640 zivile Neuwagen das Werk. Und selbst mit den 65 000 Kübel- und Schwimmwagen zwischen 1940 und 1945 blieb das geplante Übertrumpfen des US-Niveaus ein meilenweit entferntes Ziel.

Etliche in den USA bestellte Spezialmaschinen kamen auch nie nach Wolfsburg - schuld war der aufrüstungsbedingte Devisenmangel. Die Nazis schlugen alternativ Kompensationsgeschäfte mit Kanarienvögeln und Saxofonen vor, doch für die Amerikaner zählte nur Bares.

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