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24.01.2007

10:00 Uhr

„Abgespecktes Material“ gibt es für etwa 2 000 Euro

Kart-Ausstellung: Teurer Traum vom schnellen Flitzer

Der große Traum von der Formel 1 beginnt ganz klein im Kart: Schätzungsweise an die 10 000 Jugendliche drehen Jahr für Jahr in den Mini-Flitzern ihre Runden in der Hoffnung, einmal als Schumis Nachfolger auf dem Siegerpodest zu stehen. Die für den Weg an die Spitze erforderliche Ausrüstung zeigte an diesem Wochenende die 15. Internationale Kart-Ausstellung (IKA) in Offenbach.

Vorbild für viele Kart-Einsteiger: Michael Schumacher. Archivbild: dpa dpa

Vorbild für viele Kart-Einsteiger: Michael Schumacher. Archivbild: dpa

dpa/lhe OFFENBACH. Um ihre Kinder auf die Bahn des Erfolgs zu führen, greifen Eltern tief in die Tasche. Schon bei den Bambinis ab sieben Jahren sind „35 000 Euro pro Saison üblich“, sagt Messeveranstalter Botho Wagner. Ein renntaugliches Kart koste an die 10 000 Euro. Dazu kommen Schutzkleidung, Motoren, Reifen. Von den Formel 1-ähnlichen Hightech- Produkten verschleißen „Schumacher-Nachwuchs-Wunschfahrer“ mindestens zwei Sätze, wenn sie am Renntag mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde im Pulk über die Strecke rasen.

Marie Gehring lässt es langsamer angehen. Die 19-Jährige hat sich für Kart-Slalom entschieden. Die Solofahrt gegen die Uhr „ist mit viel Kick und mit viel Geschick verbunden“, beschreibt sie die Faszination. Im Alter von fünf Jahren saß sie zum ersten Mal im Flitzer. Inzwischen hat sie als fünfmalige Sachsenmeisterin das Steuer fest im Griff. Ein eigenes Gerät besitzt die aus Beucha (Sachsen) stammende und für den MSC Teisendorf (Bayern) startende Auszubildende nicht: „Im Jugend-Kart-Slalom stellen die Clubs die Karts.“ Um gut mitzufahren, reiche in ihrer Disziplin schon ein Jahr Training. Auf der Rundstrecke sei mehr Erfahrung nötig, um erfolgreich durchs Ziel zu kommen. Gehring trainiert derzeit wegen ihrer Lehre bei BMW in München nur einmal wöchentlich.

Zu Wettbewerben reisen die Kart-Fahrer quer durch Deutschland. „Wir sind ein Wanderzirkus“, sagt die Sprecherin des in Obertshausen (Kreis Offenbach) ansässigen Kart Club Deutschland (KCD), Petra Fuchsberger. Der KCD ist der bundesweit größte Club. Seine rund 400 Mitglieder treffen sich mangels eigener Bahn an wechselnden Orten.

Vor den Rennwochenenden belädt Familie Fuchsberger deshalb regelmäßig ihren Wohnwagen. „Vom Papier bis zum Kopierer und Locher nehmen wir alles mit. Die Nachbarn glauben jedes Mal, wir wandern aus“, erzählt Fuchsberger.

Fast 80 Prozent der Mitglieder des überregional organisierten KCD sind Jugendliche. Die meisten kamen wie Marie Gehring über Väter oder Brüder zum Sport. Allein schon auf Grund des hohen Aufwands sei Kart- fahren „eine Sache der ganzen Familie“, unterstreicht der Jugendwart des Deutschen Motorsport Verbands (DMV), Bernd Schmidt. Die Aufgaben sind in der Regel klar verteilt: die Kinder fahren, die Väter schrauben, die Mütter geben fachkundige Tipps. Das Risiko für die Kinder und Jugendliche schätzt Schmidt unterschiedlich ein. Während beim Slalom allenfalls ein Pflaster gebraucht werde, könnten bei hohen Geschwindigkeiten ernsthaftere Unfälle passieren.

Kartrennen für junge Fahrer bis hin zur deutschen Meisterschaft tragen neben dem DMV der ADAC und der AvD aus. Unterschiede gibt es bei den Voraussetzungen und Altersklassen. Für die Teilnahme an Rundstreckenrennen sind in der Regel Lizenzen erforderlich. Hobbyfahrer kommen für weniger Geld auf ihre Kosten. „Abgespecktes Material“ wie gebrauchte Renn-Karts gibt es für etwa 2 000 Euro.

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