Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2008

11:26 Uhr

Abschied vom Normalbenzin

Super wird bei Aral völlig normal

Nach der Angleichung der Preise zum Superkraftstoff will die BP-Tochter Aral an ihren Tankstellen auf Dauer kein Normalbenzin mehr verkaufen. Wenn der Absatz weiter deutlich zurückgehe, werde Normalbenzin vom Markt genommen, sagte Aral-Vorstandschef Stefan Brok am Dienstagabend in Düsseldorf.

Marktführer Aral denkt laut über die Abschaffung von Niedrigoktan-Sprit nach. dpa

Marktführer Aral denkt laut über die Abschaffung von Niedrigoktan-Sprit nach.

HB DÜSSELDORF. Auf einen Zeitpunkt wollte er sich nicht festlegen. Aral hatte Ende November die Preise der beiden Kraftstoffsorten angeglichen. Der Konzern begründete dies damit, dass sich die Einkaufspreise kaum noch unterschieden.

„Als Reaktion auf die Preisangleichung ging der Anteil vom Normalbenzin am gesamten Ottokraftstoffabsatz von noch rund 25 Prozent im November auf aktuell unter 14 Prozent zurück“, sagte Brok. Bis Ende dieses Jahres werde der Absatz voraussichtlich auf unter zehn Prozent sinken. Es gebe bereits jetzt Tankstellen, an denen das Normalbenzin nur noch einen Anteil von weniger als fünf Prozent ausmache. Ab welcher Marke der Verkauf eingestellt werde, ließ er offen.

Aral verwies darauf, dass auch bei den Neuwagen Normalbenziner nur noch einen geringen Anteil ausmachten. Von den rund drei Mill. im vergangenen Jahr zugelassenen Fahrzeugen seien nur 80 000 auf Normalbenzin ausgelegt.

Aral betreibt knapp 2 400 Tankstellen in Deutschland und ist damit nach eigenen Angaben Markführer vor Shell, Esso und Total. Unter dem Dach der Marke Aral sollen nach Angaben Broks in diesem Jahr zusätzlich die Tankstellen von 70 Mittelständlern geführt werden. Zehn Tankstellen würden voraussichtlich verkauft und ebenso viele geschlossen. In Deutschland gibt es rund 15 000 Tankstellen, Anfang der 90er Jahre waren es noch 19 000. Aral geht davon aus, dass auch in Zukunft pro Jahr im Bundesgebiet zwischen 150 und 200 Tankstellen dichtmachen.

Branchenkenner vermuten seit Jahren, die Ölkonzerne wollten Normalbenzin ganz abschaffen. Dann würden die Kosten sinken, weil weniger Zapfpistolen gebraucht würden und weniger getrennte Tanks.

Aral hatte im vergangenen November begonnen, Normalbenzin und Super zum gleichen Preis zu verkaufen. Bereits seit August betrug der Preisunterschied zwischen den beiden Sorten nur noch einen Cent, davor jahrelang zwei Cent.

Laut der Ölbranche war Normalbenzin auf dem Weltmarkt wegen hoher Nachfrage aus den USA zeitweise sogar teurer als das eigentlich hochwertigere Super. Der Unterschied zwischen Normal und Super ist die höhere sogenannte Oktanzahl. Je höher sie ist, desto besser verbrennt das Benzin-Luft-Gemisch im Motor. Die höhere Oktanzahl wird vor allem durch besondere Zusatzstoffe erreicht.

Der Auto Club Europa (ACE) sah sich am Mittwoch in seiner Vermutung bestätigt, dass die Preisangleichung nur das Ziel habe, den früher billigeren Normalkraftstoff ganz abzuschaffen. „Wir erwarten, dass die Mineralölwirtschaft die zusätzlichen Gewinne jetzt nicht selbst einstreicht, sondern an die von hohen Spritpreisen gebeutelten Tankkunden ungeschmälert weitergibt“, sagte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. Wenn von der Herstellung über den Vertrieb bis hin zur Zapfsäule für das bisherige Normalbenzin keine Produkt- und Infrastruktur mehr benötigt werde, sei die Kostenersparnis für die Konzerne immens.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×