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14.01.2014

10:58 Uhr

ADAC Autopreis

Gelber Engel im Zwielicht

VonLukas Bay

Der laut Eigenwerbung des ADAC „wichtigste Autopreis Deutschlands“ steht in der Kritik: Die Abstimmung zum „Gelben Engel“ soll manipuliert worden sein. Es wäre ein schwerer Imageschaden für den Autoclub.

ADAC-Filiale in Nürnberg: Der Verein hat über 18 Millionen Mitglieder. dpa

ADAC-Filiale in Nürnberg: Der Verein hat über 18 Millionen Mitglieder.

MünchenUnter den deutschen Autofahrern ist der ADAC eine Instanz. Bei seinen 18,8 Millionen Mitgliedern genießt der größte deutsche Automobilclub ungebrochenes Vertrauen. Doch nun gerät eine wichtige Auszeichnung des Autoclubs unter Verdacht. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, dass die Abstimmungszahlen des Autopreises „Gelber Engel“ manipuliert worden seien – mutmaßlich direkt durch die Führung der Kommunikationsabteilung.

Um den wichtigen Autopreis zu bekommen, sollen dem VW Golf 3.409 Stimmen der befragten ADAC-Mitglieder gereicht haben - weit weniger als offiziell ausgewiesen. Hängt die Wahl zum „beliebtesten Auto der Deutschen“ an wenigen tausend Stimmen? Laut offiziellem Endergebnis, das die Süddeutsche einem ADAC-Papier vom Dezember 2013 entnimmt, soll der Sieger 34.299 Stimmen bekommen haben. Interne Unterlagen, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen, sollen zudem belegen, dass auch schon bei der Abstimmung 2012 deutlich weniger Stimmen abgegeben wurden als öffentlich kommuniziert. Statt 290.000 Stimmen sollen tatsächlich 76.000 gültige Stimmen gezählt worden sein.

Der ADAC widerspricht der Berichterstattung der Süddeutschen. Man werde „zu gegebener Zeit weitere Schritte prüfen“, um gegen die im Artikel aufgestellten „Behauptungen“ vorzugehen, teilte der ADAC auf Anfrage von Handelsblatt Online mit. ADAC-Präsident Peter Meyer und Geschäftsführer Karl Obermair beteuern, dass die Zahlen der Wahrheit entsprechen.

„Alle Preise, die der ADAC [...] bei seiner großen Veranstaltung 'Gelber Engel' vergibt, [...] beruhen auf sauberen, statistisch repräsentativen Auswertungen der Stimmen unserer Mitglieder“, heißt es in einer Stellungnahme des Automobilclubs. Alle Aussagen, die etwas anderes behaupten, seien unwahr. Für die Wahl zum „Lieblingsauto der Deutschen“ habe man dieses Jahr erstmals ein verbindliches Regelwerk aufgestellt. Im Vorjahr habe es überproportional viele ungültige Stimmen gegeben.

Mitgliederstärkste Vereine in Deutschland (2012)

27 Millionen Mitglieder

Deutscher Olympischer Sportbund (in 90.000 Turn- und Sportvereinen)

18,4 Millionen Mitglieder

ADAC Allgemein Deutscher Automobil-Club e.V.

6,3 Millionen Mitglieder

Deutscher Fußballbund (DFB) (in 26.000 Mitgliedsvereinen)

5,1 Millionen Mitglieder

Landessportbund Nordrhein-Westfalen (in 20.000 Vereinen)

5 Millionen Mitglieder

Deutscher Turner-Bund (DTB)

4,5 Millionen Mitglieder

Deutsches Rotes Kreuz e.V. (DRK)

4,2 Millionen Mitglieder

Bayerischer Landes-Sportverband e.V.

3,75 Millionen Mitglieder

Landessportverband Baden-Württemberg e.V.

1,7 Millionen Mitglieder

Deutscher Tennis Bund (DTB)

1,5 Millionen Mitglieder

Westdeutscher Fußball- und Leichtathletikverband e. V. (WFLV)

Quelle

Verbaende.com / eigene Recherche

Der „Gelbe Engel“ wird seit 2004 direkt von den ADAC-Mitgliedern verliehen. Per Coupon in der Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“, mit einer Auflage von 13,8 Millionen das größte Magazin Deutschlands, oder über die Website konnten die Mitglieder ihre Stimme abgeben. Eine offizielle Teilnehmerzahl soll bei der Abstimmung in diesem Jahr erstmals nicht veröffentlich werden, teilte der ADAC auf Anfrage von Handelsblatt Online mit. „Wir sehen dazu keine Notwendigkeit“, so ein Sprecher.

Sollten sich die SZ-Vorwürfe bewahrheiten wäre es ein harter Schlag für die Glaubwürdigkeit der Gelben Engel. Keiner Institution vertrauen die Deutschen mehr. Bei Meinungsumfragen zum Verbrauchervertrauen landet der ADAC regelmäßig auf dem ersten Platz. „Für den ADAC wäre das eine Katastrophe, er hätte ein massives Glaubwürdigkeitsproblem, das so schnell auch nicht mehr aus der Welt zu schaffen wäre“, wird Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Uni Duisburg-Essen, in der Zeitung zitiert.

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Beim gefilmten Test des Ersten kam teilweise Erstaunliches zutage.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

14.01.2014, 11:50 Uhr

Würden sich die Vorwürfe als zutreffend erweisen, würde es doch nicht wirklich verwundern!
Welches "automobile Sprachrohr" ist denn heutzutage noch halbwegs objektiv?
Meiner Meinung nach sind die bekannten Zeitschriften schon längst inhaltlich und vor allem bei der Abgabe von "Bewertungen" weitestgehend und vor allem von unseren sogenannten PREMIUM-Anbietern "gekauft".

PeterK

14.01.2014, 11:56 Uhr

Wer glaubt ADAC, Autobild & Co. würden objektiv berichten und Testergebnisse nicht manipulieren, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen!

naund

14.01.2014, 12:13 Uhr

ich wäre ja überrascht, wenn es mit rechten dingen zugegangen wäre. So ist es doch normal in D

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