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27.02.2006

10:11 Uhr

Stau dpa

Stau: Frauen können mit Stress im Straßenverkehr besser umgehen als Männer.

Frauen werden mit Stress im Straßenverkehr viel besser fertig als Männer. Das hat eine neue Studie für den ADAC ergeben, die vom Verkehrsmedizinischen Institut der Universität Heidelberg erstellt wurde.

Demnach belastet Stress am Steuer die Männer mehr ­ sie reagieren dann oft mit aggressivem Fahrstil und gefährden damit sich selbst und andere. Frauen dagegen blieben meist gelassener und führen auf Nummer Sicher, berichtete der Autonobilclub am Freitag in München zu den Ergebnissen der Studie.

Unerwartete Staus und dichter Verkehr bedeuten für 75 Prozent der Männer Stress pur, bei den Frauen treibt dies aber nur bei 45 Prozent den Puls in die Höhe ­ die Mehrheit der Fahrerinnen fügt sich gelassen ins Unvermeidliche. Ein unübersichtlicher Schilderwald sorgt bei rund einem Drittel der Männer für totale Verwirrung, bei den Frauen verlieren jedoch nur 17 Prozent den Durchblick. Und auch bei streitenden Kindern auf den Rücksitzen behalten Fahrerinnen der Studie zufolge viel besser die Nerven.

Für die Untersuchung wurden 60 Frauen und Männer im Alter von 25 bis 60 Jahren befragt und getestet. Im praktischen Teil mussten sie im Berufsverkehr im Raum Heidelberg eine Strecke von 35 Kilometern fahren. Zur Messung der körperlichen Reaktionen waren sie dabei umfangreich „verkabelt“. Die Testpersonen zeigten vor allem im dichten Innenstadtverkehr ausgeprägte Stress-Symptome: Je nach Typ arbeitete das Herz bis zu 40 Schläge mehr pro Minute. „Je nachdem wie oft und wie heftig wir solchen Stress erleben, macht er uns krank“, erklärte der Studienleiter und Psychologe Peter Strohbeck-Kühner. Bluthochdruck und Rückenschmerzen seien oft die Folge.

Die Befragung ergab, dass Zeitdruck und extrem dichter Verkehr, aber auch Parkplatzsuche und schlechte Sichtverhältnisse generell am meisten nerven. Junge Leute von 25 bis 37 Jahren gaben zu, dass sie häufig durch Handys, anstrengende Mitfahrer, Müdigkeit oder Musik beim Fahren beeinträchtigt seien.

Der Studie zufolge gibt es fünf unterschiedliche Stress-Typen. Besonders problematisch sei der „konfrontative Fahrer“, hieß es. Er suche den Nervenkitzel und sei ein typischer Straßen-Rambo, rase, drängele, hupe und dränge sich in jede Lücke. Er gerate dabei oft an die Grenzen der Aufmerksamkeit und mache deshalb häufig Fahrfehler. Die Männer stellten 70 Prozent dieser Gruppe.

Viele Fahrfehler unterlaufen laut Adac auch dem zweiten Typ, dem „vermeintlichen Alleskönner“. Er sei viel unterwegs, fahre forsch und risikobetont, überschätze aber sehr seine Fahrkünste. 56 Prozent dieser Gruppe seien Männer gewesen.

Der „Verantwortungsbewusste“ fahre weitgehend richtig, lerne aus Fehlern, fahre sicher und defensiv und reagiere meist gelassen auf Störungen. Der Typ des „Unsicheren“ habe wenig Erfahrung am Steuer, verschließe vor Fehlern gern die Augen und sei durch jede Störung stark belastet, so die Studie. Der „Überbesorgte“ sei meistens schon älter und fahre noch vorsichtiger als der „Verantwortungsbewusste“, manchmal aber zu zögerlich.

Am Steuer werde ­ mit entsprechend aggressiver Fahrweise - oft privater und beruflicher Ärger verarbeitet, beklagte der ADAC. Nach belastenden Situationen wie einem Streit oder einer Niederlage solle man sich deshalb erst einmal eine halbe Stunde etwa bei einem Spaziergang abreagieren, empfahl der Autoclub.

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