Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.01.2014

10:03 Uhr

ADAC-Pannenhelfer

„Ihr könnt doch gar nichts dazu“

Quelle:dpa

Gefälschte Umfrage zum „Gelben Engel“, dem „Lieblingsauto der Deutschen“, auf der einen Seite - der hilfreiche ADAC-Straßendienst auf der anderen: Werfen die Mitglieder das in einen Topf?

ADAC-Pannenhelfer Carsten Schönhold gibt Starthilfe. Foto: Marius Becker dpa

ADAC-Pannenhelfer Carsten Schönhold gibt Starthilfe.
Foto: Marius Becker

DortmundDie streikenden Batterien sind es heute. ADAC-Pannenhelfer Carsten Schönhold hat es am ersten richtig frostigen Morgen des Jahres im Ruhrgebiet mit Startschwierigkeiten der ADAC-Mitglieder zu tun. Er ist gut gelaunt. Vor ein paar Tagen war das noch anders. Da hatte der 42-Jährige seinen Dienst mit gemischten Gefühlen angetreten, als der Umfrage-Pfusch in der Münchner Zentrale um den «Gelben Engel», das «Lieblingsauto der Deutschen», bekannt wurde. «Damit hatte keiner gerechnet. Das hat weh getan. Ich war sauer».

Schönhold und seine Kollegen durften sich nach dem Schock so manchen Spruch anhören. ««Was ist denn da bei Euch los?»», prasselten die Fragen der Kunden anfangs auf die Pannenhelfer ein. Der Spott ging aber vor allem in Richtung Zentrale. «'Jungs, Ihr könnt doch gar nichts dazu'», habe es meist geheißen.

Und verlassen wollten die Mitglieder den ADAC schon gar nicht, hörten die Pannenhelfer immer wieder. «Das tat schon gut», sagt Schönhold an diesem kalten Morgen.

ADAC Autopreis: Gelber Engel im Zwielicht

ADAC Autopreis

Gelber Engel im Zwielicht

Der laut Eigenwerbung des ADAC „wichtigste Autopreis Deutschlands“ steht in der Kritik: Die Abstimmung zum „Gelben Engel“ soll manipuliert worden sein. Es wäre ein schwerer Imageschaden für den Autoclub.

Eugen Hirsch wartet nur kurz auf den Straßendienst und differenziert die Lage sehr klar. «Das sind zwei Paar Schuhe», sagt er, während Schönhold den großen Geländewagen wieder zum Laufen bringt. Der «Gelbe Engel» sei etwas anderes als der Pannendienst. Ersteres habe ihn gar nicht interessiert. Der Straßendienst ist ihm wichtig.

«Wenn es um Hilfe geht, sind die immer da und sind immer freundlich», betont der Nautiker, der als Seemann technische Hilfe unterwegs zu schätzen weiß. Schönhold gibt Hirsch wie allen anderen Mitgliedern, deren Wagen von allein nicht anspringen wollte, ein paar Tipps. Zusätzliche Stromfresser wie Gebläse oder heizbare Heckscheibe beim Start auslassen und runterregeln oder ausmachen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Bei dem Geländewagen war die Ursache für das Schwächeln der fast neuen Batterie nicht ganz klar.

«Vielleicht hing ein Relais und ein Stromverbraucher ist angeblieben», vermutet der gelernte Kfz-Technikermeister. Mit geübtem Blick hatte er schon innen nach Kindersitzen Ausschau gehalten. Da kommt es vor, dass die Kleinen an Knöpfen spielen und irgendwo ein Lämpchen an bleibt.»

ADAC-Markencheck: „Ihr seid ja kein Autoclub mehr, ihr seid ja ein Puff“

ADAC-Markencheck

Der größte Verein unter der Lupe

Beim gefilmten Test des Ersten kam teilweise Erstaunliches zutage.

Bei der 24 Jahre alten Julia in Witten fragt Schönhold gleich nach, ob sie viel Kurzstrecke fährt. Nein, die junge Frau fährt eine halbe Stunde zur Arbeit. Daran liegt es also nicht. Die Batterie ist einfach nur altersschwach. Ersatz sollte her. «Aber heute Abend springt der Wagen auf jeden Fall wieder an», verspricht der Helfer. Die 24-Jährige ist erleichtert. Sie ist gerade erst im Januar in den ADAC eingetreten. Und raus will sie auch nicht wieder. Das Gerangel um den «Gelben Engel» interessiere sie nicht. «Das ist mir egal.»

Martin Grotz ist das nicht egal. Er ist Unternehmensberater und 33 Jahre Mitglied. Auf den Pannenschutz will er nicht verzichten, macht sich aber Gedanken um die Zukunft des Vereins. Der Geschäftszweig muss unbedingt erhalten bleiben», sagt er in einem Bochumer Parkhaus. Dort ist der Wagen seiner Frau saft- und kraftlos liegengeblieben. «Man muss gespannt sein, wie der Verein künftig aussehen wird. Das Milliarden-Unternehmen müsste eigentlich eine Aktiengesellschaft sein, mit einem Aufsichtsrat», fordert Grotz.

Mit Schönhold ist der Unternehmensberater vollauf zufrieden. Der Wagen hatte tagelang im Parkhaus gestanden als seine Frau im Krankenhaus lag. Die Batterie war entladen und musste eine halbe Stunde an den «Tropf». Jetzt können der Bayern-Fan und die Schalke-Anhängerin mit beiden Autos nach Recklinghausen zurück. Schönhold füllt noch den Einsatzzettel für das Paar aus, dann kommt der nächste Auftrag in Bochum. Wieder eine Batterie. «Wenn es nur Batterien wären, wäre es eintönig», erzählt er. Aber das ist wohl nur bei Temperaturstürzen so.

Und der nächste komme diesen Winter bestimmt. Dann würden all die Batterien schlapp machen, die jetzt noch so gerade gehalten hätten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×