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24.01.2014

10:35 Uhr

ADAC-Präsident Meyer

Im Rettungshubschrauber zum PR-Termin

ADAC-Präsident Peter Meyer soll Rettungshubschrauber genutzt haben, um sich zu Geschäftsterminen fliegen zu lassen. Damit könnte sich der Autoclub-Vertreter sogar strafbar gemacht haben.

ADAC-Präsident Peter Meyer: „Der Hubschrauber war den ganzen Tag für den Präsidenten reserviert“. dpa

ADAC-Präsident Peter Meyer: „Der Hubschrauber war den ganzen Tag für den Präsidenten reserviert“.

DüsseldorfNach dem Skandal um gefälschte Abstimmungsergebnisse gerät nun auch der selbsternannte „Garant für die Aufklärung“ ins Kreuzfeuer. ADAC-Präsident Peter Meyer soll die Rettungshubschrauber des Automobilclubs für geschäftliche Termine genutzt haben, meldet der „Stern“. Augenzeugen berichteten dem Magazin, wie Meyer von einem Termin in Hamburg im Jahr 2003 zu einem Termin nach Wolfsburg geflogen sei. Die Fahrtzeit über die Autobahn für diese Strecke beträgt circa zweieinhalb bis drei Stunden, mit dem Hubschrauber ist die Strecke in 45 Minuten zurückzulegen.

Der ADAC bestreitet die Vorwürfe nicht. Präsidiumsmitglieder seien dazu berechtigt, bei dienstlichen Anlässen auf Reservemaschinen der Luftrettung zurückzugreifen, wird der Autoclub zitiert. Dies sei aber in den vergangenen zehn Jahren weniger als 30 Mal in Anspruch genommen worden. „Der Hubschrauber war den ganzen Tag für den Präsidenten reserviert“, zitiert der „Stern“ einen Sprecher. Alle 30 Flüge seien intern überprüft worden. Es seien „keine öffentlichen Gelder“ dafür verwendet worden. Die Luftrettung GmbH habe dem ADAC die Flüge in Rechnung gestellt.

Mitgliederstärkste Vereine in Deutschland (2012)

27 Millionen Mitglieder

Deutscher Olympischer Sportbund (in 90.000 Turn- und Sportvereinen)

18,4 Millionen Mitglieder

ADAC Allgemein Deutscher Automobil-Club e.V.

6,3 Millionen Mitglieder

Deutscher Fußballbund (DFB) (in 26.000 Mitgliedsvereinen)

5,1 Millionen Mitglieder

Landessportbund Nordrhein-Westfalen (in 20.000 Vereinen)

5 Millionen Mitglieder

Deutscher Turner-Bund (DTB)

4,5 Millionen Mitglieder

Deutsches Rotes Kreuz e.V. (DRK)

4,2 Millionen Mitglieder

Bayerischer Landes-Sportverband e.V.

3,75 Millionen Mitglieder

Landessportverband Baden-Württemberg e.V.

1,7 Millionen Mitglieder

Deutscher Tennis Bund (DTB)

1,5 Millionen Mitglieder

Westdeutscher Fußball- und Leichtathletikverband e. V. (WFLV)

Quelle

Verbaende.com / eigene Recherche

Der Vorfall gilt als doppelt fragwürdig, weil die Rettungshubschrauber aus vielen verschiedenen Quellen finanziert werden. Die Innenministerien der Länder bestellen die Dienste, Krankenkassen übernehmen den Einsatz bei medizinischen Notfällen, 40 Cent des Beitrags jedes ADAC-Mitglieds fließen in die Luftrettung, zusätzlich sammelt der Verein Spenden. Eigentlich soll dieses Geld dazu dienen, Leben zu retten. Derzeit betreibt der ADAC 51 Maschinen an 36 Rettungsstationen. Doch die überschüssigen Reservemaschinen sollen normalerweise für den Fall bereit stehen, dass andere Maschinen ausfallen oder gewartet werden.

Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses,  Martin  Burkert (SPD), forderte vom ADAC Aufklärung über die Vorgänge. „Der Vorstand ist gut beraten, höchste Transparenz an den Tag zu legen und nicht scheibchenweise Enthüllungen über sich ergehen zu lassen“, sagte Burkert Handelsblatt Online. Auch wenn die Flüge möglicherweise rechtlich nicht zu beanstanden seien, aus moralischer Sicht seien die Vorgänge bedenklich.

Burkert verlangte vom ADAC auch mit Blick auf die Testberichte unbedingte Transparenz. „Es muss völlig klar sein, dass die Berichte nicht manipuliert und bestimmte Automarken bevorzugt wurden“, sagte der SPD-Politiker.

Kommentare (21)

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zitrone73

24.01.2014, 09:51 Uhr

Was wäre gewesen, wenn in dieser Zeit ein großer Notfall mit vielen Verletzten passiert wäre? Hinterher zu sagen, waren ja nur Reservemaschinen und ist nochmal gut gegangen, ist zynisch.

Wer dem Gegenstand seines Geschäftsmodells nicht traut und lieber noch schnellere Verkehrsmittel zweckentfremdet, sollte zurücktreten. Schließlich ist der ADAC nur der Betreiber der Helikopter! Zum überwiegenden Teil finanzieren diese der Steuerzahlen und die Krankenversicherungen.

Bezeichnend für die Selbstbedienungsmentalität dieses "Vereins".

hiram

24.01.2014, 09:53 Uhr

Na, das ist ja wunderbar.
Da hat der Meyer eben abgehoben, wie es scheinbar beim ADAC so üblich ist.
Liebe Mitglieder, schön weiterzahlen, dann geht es den Herren auch weiterhin gut.
ADAC Dein guter Engel.

zitrone73

24.01.2014, 09:58 Uhr

Leider nicht nur die Mitglieder, die Helikopter zahlen in weiten Teilen der Staat und die Krankenversicherungen!

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