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25.10.2011

16:13 Uhr

ADFC contra Ramsauer

Radfahrer-Lobby ist gegen Helmpflicht

Ein Helmpflicht-Vorstoß von Verkehrsminister Ramsauer sorgt für gemischte Reaktionen. Der ADFC warnt sogar vor negativen Folgen: Fahrradfahren könnte an Attraktivität verlieren.

Ob Radfahren ohne Helmpflicht mehr Autofahrer zum Umstieg bewegt, ist noch nicht erwiesen. dpa

Ob Radfahren ohne Helmpflicht mehr Autofahrer zum Umstieg bewegt, ist noch nicht erwiesen.

BremenDer Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat vor den negativen Folgen einer Helmpflicht für Fahrradfahrer gewarnt. Würden entsprechende Überlegungen von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in die Tat umgesetzt, werde Fahrradfahren für viele Menschen deutlich unattraktiver, erklärte der Verband am Dienstag in Bremen. Das laufe dem Ziel zuwider, mehr Autofahrer zum Umsteigen zu bewegen und Innenstädte von Verkehr zu entlasten.

Große Schwierigkeiten könne dies vor allem auch für die Leihfahrradsysteme verursachen, die in vielen Städten entstanden sind. Deren Attraktivität beruhe auch darauf, dass sie unkompliziert zu nutzen seien.

"Wenn eine Helmpflicht in Deutschland kommt, werden viele Leute wieder aufs Auto umsteigen. Und dann hätten wir wieder das, was wir nicht wollen: Stau, mehr Feinstaub und mehr Lärm in den Innenstädten", sagte ADFC-Bundesgeschäftsführer Horst Hahn-Klöckner.

Die von Ramsauer geäußerten Gedankenspiele bezeichnete er als "künstlich von oben verordnete Scheinsicherheit". Den Fahrradfahrern sei besser mit einer sicheren Infrastruktur mit passenden Wegen, fahrradfreundlichen Ampelschaltungen und guter Verkehrsführung gedient.

Ramsauer hatte in der vergangenen Woche angedeutet, er könne sich eine generelle Helmpflicht vorstellen, sofern Fahrradfahrer mittelfristig nicht freiwillig dazu übergingen, vermehrt Helme zu tragen. Zur Begründung verwies der Minister auf die Gefahr von tödlichen Kopfverletzungen bei Unfällen.

Viele Großstädte haben sich vorgenommen, den Fahrradverkehr in den nächsten Jahren deutlich zu steigern und damit umwelt- und klimafreundlicher zu werden. Die Vermeidung von kurzen Autofahren im Stadtbereich gilt unter Experten nicht zuletzt als ein wichtiger Beitrag zum Senken der Treibhausgas-Emissionen.

Von

afp

Kommentare (4)

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Alfred_H

25.10.2011, 17:46 Uhr

Ich finde, dass für Minderjährige Helmpflicht gelten sollte. Was die Erwachsenen machen, ist deren Entscheidung. Ich würde auch für Erwachsene die Helmpflicht beim Motorrad und die Gurtpflicht beim Auto abschaffen. Jeder soll frei entscheiden dürfen, ob er bei einem Bagatellunfall am Leben bleiben oder durch die Frontscheibe fliegen will. Die Einzigen, die geschützt werden müssen, sind die Kinder und Jugendlichen. Alle anderen sind alt genug selbst zu entscheiden. Ich gurte mich immer an und ich trage immer einen Helm beim Fahrradfahren. Wie andere das sehen, ist mir egal. Regulierungen gibt es genug.

hmm

25.10.2011, 20:49 Uhr

Es lebe der freie Wille und die Eigenverantwortung.

Ich habe schon lange den Verdacht, dass Hersteller- und Versicherungs-Lobbyisten mehr und mehr unser tägliches Leben bestimmen. Und das immer unter dem Vorwand, es gehe doch nur um unsere Gesundheit und unser Wohlergehen.

Wenn unsere Gesellschaft so menschenfreundlich wäre, wie sie vorgibt, dann müsste die Senkung der Selbstmordrate an erster Stelle unserer Bemühungen stehen. Aber offensichtlich lässt sich damit kein Geschäft machen.

theodor

25.10.2011, 23:45 Uhr

Ich teile ihre Meinung zum Schutz von Minderjährigen und zur Selbstbestimmung Volljähriger.
Aber auch wenn es sarkastisch klingen mag, finde ich, dass Fahrradfahrer, die durch fehlenden Helmschutz verunglückt sind, ihre Behandlung teilweise selbst finanzieren sollten.
Sowas ist grob fahrlässig und ich sehe nicht ein, weshalb sich die Allgemeinheit an den Kosten beteiligen sollte. Ganz abgesehen von den psychischen Folgen für Auto und Fahrradfahrer...

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