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11.07.2013

11:17 Uhr

Alfa Romeo Spider

Die Gummilippe wird H-fähig

Quelle:MID

Die dritte Generation des Alfa Romeo Spider, vom deutschen Autofahrermund gern "Gummilippe" genannt, erreicht nun das offizielle Klassikeralter. Ihr Design findet nicht nur Freunde, die Motoren schon eher.

Italienischer Roadster-Klassiker: Der Alfa Romeo Spider der dritten Generation, die ab 1983 gebaut wurde. MID

Italienischer Roadster-Klassiker: Der Alfa Romeo Spider der dritten Generation, die ab 1983 gebaut wurde.

Frankfurt am MainAus der dritten Generation des italienischen Roadster-Klassikers, von den Italienern als "Aerodinamica" betitelt, dürfen sich nun die ältesten Exemplare (von 1983) um ein H-Kennzeichen bemühen. Die von 1983 bis 1989 in Arese bei Mailand aufgelegte dritte Generation des hinterradangetriebenen Roadsters mit einer von Pininfarina gestalteten Karosserie folgte dem Zeitgeist und beeindruckte - oder erschreckte - die Freunde italienischer Sportwagen mit üppigen Front- und Heckspoilern, ein Zeichen für die Aerodynamikversessenheit der 1980er-Jahre.

Die weiche Gummilippe am Heckspoiler, die wie andere Karosserieelemente dem Fußgängerschutz nach amerikanischer Lesart entsprang, brachte dem Spaß-Auto den Spitznamen "Gummilippe" ein. Zahlreiche Alfisti wehrten sich gegen diese Spoiler und tauschten sie gegen formschönere aus dem Zubehörhandel aus.

Oldtimer und ihre Bewertung

Kein Oldie ohne Bewertung

Bei der Oldtimerbewertung wird der Wert des Fahrzeugs ermittelt werden, der auch als Grundlage für die Versicherungseinstufung benötigt wird. Sie ist auch Voraussetzung, um ein gültiges Kennzeichen zu erhalten. Für den Kauf und Verkauf historischer Fahrzeuge bietet das Untersuchungsergebnis neben der aktuellen Ankaufsuntersuchung die gebräuchlichste und aussagekräftigste Grundlage.

Während bei einer “normalen” Gebrauchtwagenbewertung in erster Linie Baujahr und Laufleistung von Bedeutung sind, ist bei Oldtimern das entscheidende Kriterium der Pflege- und Erhaltungszustand des Fahrzeugs. Die Fahrzeugbewertung erfolgt in Form von Noten von 1 bis 5, die zuletzt 2007 von Classic Data überarbeitet wurden.

Note 1

Makelloser Zustand. Keinerlei Mängel an Technik, Optik und Historie. Ein (dokumentiert!) originales Fahrzeug der absoluten Spitzenklasse. Oder ein komplett und perfekt restauriertes Spitzenfahrzeug im Zustand wie neu (oder besser). Sehr selten!

Die Anmerkung "oder besser" ist ein Hinweis auf die Möglichkeiten modernster Restaurierungsmethoden. Duch die heutigen technischen Möglichkeiten (Schweißarbeiten, computergestützte Messtechniken) sowie den veränderten Materialien (Lack, Oberflächenveredelung) und einen umfangreichen Korrosionsschutz kann ein komplett restauriertes Fahrzeug den Zustand der Erstauslieferung übertreffen. Für Originalitätsliebhaber ist dies aber nicht erstrebenswert.

Note 2

Entweder seltener, unrestaurierter Original-Zustand oder fachgerecht restauriert. Technisch und optisch mängelfrei, aber mit leichten (!) Gebrauchsspuren. Keine fehlenden oder zusätzlich montierten Teile. Ausnahme: Wenn es die StVZO verlangt.

Leider kommt es gerade bei der Note 2, immer wieder zu Missverständnissen, weil viele Anbieter - teils aus Berechnung und teils aus Unwissenheit - ihrem Wagen eine viel zu gute Note geben, die vermeintlich der Schulnote "gut" entsprechen soll. Klar ist unter Experten aber, dass der "Zustand 2" ein nahezu optimal erhaltenes Fahrzeug charakterisiert.

Note 3

Gebrauchter Zustand. Normale Spuren der Jahre. Kleinere Mängel, aber voll fahrbereit und verkehrssicher. Keine Durchrostungen. Kein Reparaturstau und keine sofortigen Arbeiten notwendig. Nicht schön, aber gebrauchsfähig.

Note 4

Verbrauchter Zustand, eventuell teilrestauriert. Nur bedingt fahrbereit. Sofortige Arbeiten notwendig zur erfolgreichen Abnahme gem. § 29 StVZO. Leichtere bis mittlere Durchrostungen. Fahrzeug komplett in den Baugruppen aber nicht zwingend unbeschädigt. Einige kleinere Teile können aber fehlen oder defekt sein. Aber: immer noch relativ leicht zu reparieren (bzw. restaurieren).

Note 5

Nicht fahrbereit Schlecht restauriert bzw. teil- oder komplett zerlegt. Größere Investitionen nötig, da umfangreiche Arbeiten in allen Baugruppen erforderlich, aber grundsätzlich noch restaurierbar. Fehlende Teile, d.h. das Fahrzeug ist nicht zwingend komplett.

Ergänzungen

Wie auch bei Schulnoten sind "+" und "-" gestattet und üblich. Alle Noten müssen durch Sachverständigen-Gutachten belegt sein, und diese sollten möglichst aktuell sein. Im Zweifelsfall lieber ein neues Gutachten beauftragen bei den bekannten Prüf-Organisationen wie TÜV, Dekra, oder Classic Data.

Die Frage, ob ein Fahrzeug durch einen schweren Defekt (nicht fahrbereit) gleich um mehrere Noten fallen kann, ist umstritten. Im Zweifelsfall ist es besser, die notwendigen Reparaturkosten zu ermitteln, um sie dann vom Kaufpreis abzuziehen. Zugrunde gelegt wird dann der Marktwert ohne den wertmindernden Schaden.

Restauration

Auf den Wert eines Fahrzeuges hat auch die Art der Restauration einen entscheidenden Einfluß. Je originalgetreuer, desto höher die Chance einer Wertsteigerung. Umfangreiche Recherchen stehen am Anfang, um eine
fachgerechte Wiederherstellung zu garantieren. Eine saubere Dokumentation macht die Arbeiten transparent, die richtige Philosophie (ob in “Concours-Qualität, Wiederherstellung der technischen Funktion oder Modifikationen, um die Sicherheit etwa bei historischen Rennen zu verbessern) beeinflusst die Wertsteigerung.

Originalität

Entscheidend für die Originalität ist das richtige Fahrgestell. Matching Numbers (gleiche Nummern bei Motor und Chassis) sind bei Rennfahrzeugen weniger wichtig für den Wert als bei Strassen- und Sportwagen, weil bei Rennen und Grand Prix Veranstaltungen der Verschleiß höher war und während einer Saison auch leistungsgesteigerte Aggregate eingesetzt wurden. Wichtig: Dokumentierte Historie und Wartungsunterlagen des Fahrzeugs müssen langjährig und glaubhaft belegt sein.

Prominenz

Der Wert jedes Fahrzeuges wird durch seine Einzigartigkeit und Geschichte jedes einzelnen Automobils geprägt. Das gilt insbesondere für historische Rennwagen, bei denen Teilnahme, Erfolg an bedeutenden Rennen und bekannte Fahrer zählen, die sie bei solchen Veranstaltungen gesteuert haben. Entscheidend bei Vorbesitzern oder prominenten Fahrern für die Wertentwicklung ist die Beziehung zum Fahrzeug im Kontext mit der Geschichte von Markt, Marke und Fahrzeug.

Auch das Interieur fand nicht nur Freunde, war doch das "Eistütendesign" der ersten Baujahre des "Aerodinamica" nicht jedermanns Geschmack. Trotzdem erzielte diese Generation des Spiders mit rund 37.000 Exemplaren hohe Stückzahlen. Der Erfolg der 31800 Sportwagen mit dem 2,0-Liter-Motor und der 5 400 mit dem 1,6-Liter-Motor beruhte nur zum Teil auf eigener Leistung: Der Automarkt dieser Jahre bot nur wenige Alternativen in dieser Fahrzeugklasse.

Die beiden oben liegenden Nockenwellen und Doppelvergaser ließen die Herzen von Motor-Freunden höher schlagen. Das gilt besonders für die ersten Exemplare mit 94kW/128 PS beim Zweilitermotor und 76 kW/104 PS bei der 1,6-Liter-Maschine. Die Motoren ab 1986 leisteten mit elektronischer Zündung und verbrauchsoptimierter Auslegung nur noch 92 kW/125 PS und 74 kW/101 PS.

Der weiche Wulst am Heck brachte dem Spider den Spitznamen "Gummilippe" ein. PR

Der weiche Wulst am Heck brachte dem Spider den Spitznamen "Gummilippe" ein.

Das Jahr 1986 bescherte dem Spider zudem modifizierte Sitze und einen neuen Instrumententräger. Und es war das Geburtsjahr des Spiders "2000 Quadrifoglio Verde", des "Grünen Kleeblatts". Er besaß zusätzliche Seitenschweller, geänderte Frontspoiler und Heckstoßfänger.

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