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23.05.2013

09:46 Uhr

Alkohol-Fahrten

Promillegrenze für Radfahrer in der Diskussion

Erst ab 1,6 Promille Blutalkoholgehalt droht Radfahrern der Entzug des Führerscheins. Bei Autofahrern gilt dies bereits ab 0,5 Promille. Jetzt haben die Länder-Innenminister das Thema auf der Agenda.

Für Radler künftig nur noch Radler?

Für Radler künftig nur noch Radler?

Düsseldorf/Berlin.Alkohol am Steuer ist kein Kavaliersdelikt. Während Autofahrer schon ab 0,5 Promille um ihren Führerschein verlieren, liegt der Grenzwert für Radfahrer noch immer bei 1,6 Promille. Das könnte sich aber bald ändern, dan heißt es vielleicht, für Radler nur noch Radler. Denn für Deutschlands Radfahrer soll nach dem Willen der Innenminister künftig eine deutlich niedrigere Promillegrenze gelten. „Mit dem gültigen Grenzwert von 1,6 Promille kann niemand sicher auf zwei Rädern unterwegs sein“, sagt der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Boris Pistorius (SPD). Bei dem seit Mittwoch in Hannover laufenden Frühjahrstreffen der Innenminister (IMK) haben die Ressortchefs ihren Verkehrs- und Justizministern die Senkung der Promillegrenze „ernsthaft“ ans Herz gelegt.

Pedelecs versichern, Kopf schützen

Elektro-Kasko

Pedelecs und E-Bikes mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h oder 45 km/h müssen sich im Straßenverkehr pflichtversichern, in dem sie sich ein Versicherungskennzeichen kaufen. Damit ist der Schaden an fremdem Eigentum abgedeckt.

Wer jedoch einen erweiterten Versicherungsschutz für sein Pedelec sucht, wird bei einer Elektro-Kasko fündig. Sie deckt Schäden ab wie bei einer Teilkasko beim Auto, auf die Fahrer keinen Einfluss hat. Eingeschlossen sind Brand, Explosion, Hagel oder Sturm. Darüber hinaus ist das Fahrrad bei Diebstahl und Unfällen mit Tieren versichert. Die Versicherung gilt sowohl für das E-Bike als auch für den Akku. Die Selbstbeteiligung liegt je nach Versicherungs-Anbieter zwischen 150 Euro und 500 Euro.

Mit einer speziellen Kasko-Erweiterung kann sich der Radler zusätzlich gegen eine Fehlbedienung des Akkus versichern. Das ist bei einer Tiefentladung der Fall. Sie kann bei niedrigen Temperaturen vorkommen, wenn die Batterie nicht regelmäßig eine volle Ladung erhält. Sie greift auch bei einer Überladung der Batterie sowie bei Beschädigungen oder Zerstörung. Ein Ersatzakku kann zwischen 500 Euro und 1.000 Euro kosten.

In jedem Fall dürfen Fahrräder mit Elektromotor ab 25 km/h Höchstgeschwindigkeit nur mit einem gültigen Versicherungskennzeichen unterwegs sein. Seit 1. März 2013 ist dieses Kennzeichen grün.

S-Pedelecs

Die so genannten großen S-Pedelecs, mit einer Motorleistung von bis zu 500 Watt, sind bis zu 45 km/h schnell. Sie gelten als Kleinkraftrad.

Für sie muss, wie bei Mofas und Mopeds, eine Kfz-Haftpflichtversicherung abschlossen werden. Das ist gesetzlich vorgeschrieben, um Schäden, die anderen Personen im Straßenverkehr zugefügt werden, abzusichern.

Kleine Pedelecs

Die kleineren Pedelecs, mit 250 Watt Motorleistung, gelten als Fahrräder. Wegen der Begrenzung der Anfahrhilfe auf 6 km/h bleiben solche Pedelecs zulassungsfrei und benötigen kein Versicherungskennzeichen und keine Fahrerlaubnis. Allerdings ist ein Mindestalter von 15 Jahren und eine Mofa-Prüfbescheinigung oder ein Führerschein (z. B. Klasse B).

Wer sich ein kleines Pedelec kauft, sollte bei seiner privaten Haftpflichtversicherung nachfragen, welche Schäden diese abdeckt und gegebenenfalls den Versicherungsschutz erweitern, rät der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). 

Helm auf!

Eine Helmpflicht besteht bei den kleineren Pedelecs zwar nicht, zur eigenen Sicherheit ist es trotzdem ratsam, einen Helm zu tragen.

Der ADAC rät auch sdeshalb zu einem qualitativ hochwertigen Helm, weil 2012 insgesamt 406 Radfahrer in Deutschland tödlich verunglückten.

Und mit 54 Prozent werden die Schädel von Radfahrern bei Unfällen überproportional häufig in Mitleidenschaft gezogen. Bei Motorradfahrern (26 %), Pkw-/Lkw-Insassen (32 %) und Fußgängern (42 %) ist dies teilweise deutlich seltener der Fall.

Fahrradhelm auf dem S-Pedelec?

Bei den (großen) S-Pedelcs gilt Helmpflicht, weil sie in den Augen des Gesetzgebers Kleinkrafträde entsprechen. Problem: Mit einem schwereren Mofa- oder Motorradhelm kann/will man nicht Fahrrad fahren – die klassischen Fahrradhelme schützten aber nur bei Geschwindigkeiten von bis zu 20 km/h. Noch gibt es für die schnelleren E-Räder kaum geeignete Schutzhelme.

Teil des Hausrats

Auch gegen Diebstahl lassen sich Pedelecs versichern. Für die S-Pedelecs muss dazu eine Kaskoversicherung abgeschlossen werden. Schäden, die beispielsweise durch Brand, Explosion oder Hagel am Pedelec entstehen, lassen sich ebenfalls versichern. Die kleinen Pedelecs können genau wie Fahrräder über die Hausratversicherung gegen Diebstahl versichert werden. 

Zuschlag für Nachtaktive

Mit den steigenden Temperaturen steigt auch die Lust auf Fahrradausflüge und damit unvermeidlich auch die Zahl der Fahrraddiebstähle. Damit stellt sich für die Opfer auch die Frage nach dem Versicherungsschutz. Die Versicherungen fragen wiederum, wo der Diebstahl stattfand: Wird das Fahrrad aus einem verschlossenen Schuppen oder Keller entwendet, zahlt die Hausratversicherung.

Soll das Diebstahlsrisiko auch in einem Gemeinschaftskeller oder generell außerhalb geschlossener Räume versichert sein, verlangen die Versicherer einen Aufschlag. Damit ist dann die Erstattung für ein Raddiebstahl zwischen sechs und 22 Uhr gesichert, allerdings begrenzt auf maximal zwei Prozent der Hausrat-Versicherungssumme.

Manche Versicherungen bieten gegen einen weiteren Zuschlag einen 24-Stunden-Schutz für häufig nachtaktive Radler an. Für besonders wertvolle Räder, deren Wert die Zwei-Prozent-Regelung der Hausratversicherung übersteigt, haben die Versicherer spezielle Fahrradversicherungen im Programm, die auch Reparaturkosten abdecken.


Anlass für die Debatte sind Zahlen über Radler-Unfälle. 2011 verunglückten nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) 3.725 Radfahrer nach dem Konsum von Alkohol. Damit standen rund 5 Prozent aller insgesamt verunglückten Zweiradfahrer unter Alkoholeinfluss. Die Zahl der unter Alkoholeinfluss getöteten Radfahrer geht aus der Statistik nicht direkt hervor.

Der ADFC plädiert dafür, den Richtwert für Radfahrer mit 1,1 Promille dem der absoluten Fahruntüchtigkeit für Autofahrer anzupassen. Allerdings gelte weiter: „Räder sind leichter zu fahren als Autos“, sagte ADFC-Sprecher René Filippek. Daher könne man nicht automatisch die Grenzwerte für Auto- und Radfahrer gleichsetzen.
Bislang dürfen Radfahrer im Gegensatz zu Autofahrern bis zu einem Wert von 1,6 Promille Alkohol im Blut straffrei radeln - vorausgesetzt, dass sie weder mit einer unsicheren Fahrweise auffallen noch einen Unfall bauen. Autofahrern drohen dagegen schon ab einem Promillewert von 0,5 ein Bußgeld, Punkte und ein Fahrverbot.

Fakt ist aber auch: Die aktuelle Rechtslage ist schärfer, als die meisten denken. Wer etwa durch Fahrfehler für Gefahr sorgt, kann auch mit weniger Alkohol im Blut belangt werden - im Einzelfall sogar schon ab 0,3 Promille.

Niedersachsens Innenminister Pistorius wollte sich vor der IMK nicht dazu äußern, wo die Grenze für Radfahrer gezogen werden sollte. „An der Zahl sollen wir uns ohnehin nicht alleine festbeißen. Es geht vielmehr um die gefährliche Meinung, dass Alkohol am Fahrradlenker weniger gefährlich ist als am Steuer“, sagte der SPD-Politiker.

Viele Menschen in Deutschland würden nach Alkoholkonsum das Auto stehen lassen, aber zu „sorglos auf das Fahrrad steigen“. Zwar sei die direkte Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer durch betrunkene Radfahrer geringer als durch Autofahrer - die Selbstgefährdung sei dafür aber umso höher.

Der Zeitung "Welt" sagte Pistorius, es sei jedoch nicht zielführend, die Marke auf den für Autofahrer geltenden Wert von 0,5 Promille herunterzusetzen. Aber darüber müsse mit Fachleuten geredet werden.

Die wichtigsten Tipps zur Fahrrad-Wartung

Gutes Werkzeug, gute Arbeit

Fahrräder sind in den vergangenen Jahren viel besser, aber damit auch komplexer geworden, sagt Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad (pd-f). "Richtigen Laien würde ich nur empfehlen, die Kette zu ölen und die Luft aufzupumpen." Neben Schrauberwissen sind meist auch spezielle Werkzeuge für die Reparatur nötig. "Ohne einen präzisen Drehmomentschlüssel geht zum Beispiel bei modernen Rädern nichts."

Prüfstellen

Die wichtigsten Prüfstellen bei der Wartung sind Räder, Bremsen, Licht und Schaltung. Die Bremsen müssen gut greifen, Felgenflanken und Bremsscheiben ausreichend dick sein.

Bei der Lichtanlage können die Kabel brüchig und die Lampengläser trüb werden oder die Kontakte oxidieren.

Die Gänge der Schaltung müssen sauber einrasten, die Kette sollte geschmeidig laufen. Außerdem sollte nichts klappern, Rost oder Schmutz sind ebenfalls schlecht.

Risse?

Für technikaffine Radler haben Fahrrad-Experten Tipps für die systematische Wartung. Nach gründlicher Reinigung steht erst einmal die Suche nach Rissen, Verformungen oder anderen Auffälligkeiten am Fahrrad an.

Danach am besten prüfen, ob alle Schrauben fest sitzen. Bei Bedarf wird vorsichtig nachgezogen.

Anschließend die Beleuchtung testen: Sitzen die Stecker des Lichtkabels an den Leuchten und am Dynamo fest? Sind alle Reflektoren an ihrem Platz und intakt?

Räder

Der optimale Reifendruck steht auf der Reifenflanke. Ist er zu niedrig, erhöht das den Verschleiß des Materials. Oft vernachlässigt wird das seitliche Karkassengewebe. Die Karkasse ist das tragende Gerüst im Gummireifen. Werden die Reifen mit zu wenig Luftdruck gefahren, besteht die Gefahr, dass das Gewebe aufreißt. Wenn die Reifenflanke Längsrisse hat, ist Vorsicht geboten - dann droht der Reifen zu platzen.

Kette

Besonderes Augenmerk gilt der Kette. Sie muss von grobem Schmutz befreit und mit Kettenöl oder -fließfett von innen an den Laschen geschmiert werden. Am Antrieb verschleißen auch Ritzel und Kettenblätter. Ihr Austausch ist nur etwas für geübte Schrauber.

Bremse

Den Zustand von Bremsbelägen können auch Laien beurteilen: Sind die Querrillen der Bremsklötze nicht mehr deutlich zu erkennen, müssen die Klötze erneuert werden. Eine durchgebremste Felge bleibt dagegen oft unbemerkt. Durch den Druck im Reifen kann sich eine verschlissene Felgenflanke so weit nach außen wölben, dass die Bremse schleift oder bricht.

Bremszüge gehören zu den besonders sensiblen Fahrradbauteilen. Werden die Bremsinnenzüge beim Einbauen nicht gut gefettet, können sie an der Außenhülle stark reiben. Dann nutzen sich die Drahtzüge schnell ab, können reißen - und die Bremse fällt plötzlich aus.

Schaltung

Außenhüllen und Seilzüge der Schaltung sollten wie die der Bremsen ohne Knicke und Beschädigungen verlaufen. Die Drehgriffe oder Schalthebel müssen sich leicht betätigen lassen.

Lager

Außerdem muss das Steuerlager in der Lenkgabel - auch Steuersatz genannt - einwandfrei funktionieren. Das lässt sich folgendermaßen testen: Die vordere Handbremse anziehen und das Rad vor und zurück bewegen. Wenn das Lager lose ist, ist ein deutliches Ruckeln im Lenker zu spüren. Dann sollte das Lager nachjustiert werden - am besten vom Profi.

Hilfe zur Selbsthilfe

Wer sich diese handwerklichen Arbeiten nicht komplett zutraut, kann in eine Selbsthilfewerkstatt fahren. Dort können Radler eigenständig an ihrem Fahrrad schrauben. Das nötige Werkzeug wird gestellt - und ein paar Tipps vom Fachpersonal gibt es in der Regel noch dazu, wenn Laien bei der Reparatur an die Grenzen ihrer Fähigkeiten geraten.

Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) bezeichnete den Vorschlag des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), einen Gefahrengrenzwert von 1,1 Promille einzuführen, als "sinnvolle Diskussionsgrundlage". Vor einer Entscheidung müsse aber das Lagebild zum Radfahren unter Alkoholeinfluss analysiert werden. So fielen Radfahrer bereits ab 0,3 Promille Alkohol im Blut häufig als Unfallverursacher auf.
Der ADFC verteidigte unterdessen seinen Vorschlag. Es habe sich gezeigt, dass bei einem Wert von etwa 1,1 Promille im Blut die Unfälle bei Radfahrern stark zunehmen, sagte ADFC-Sprecher René Fillippek dem RBB-Sender Radio Eins. Werde der Grenzwert zu niedrig angesetzt, "wird man Probleme mit der Akzeptanz kriegen", sagte der ADFC-Sprecher.

(Mit Material von afp, dpa)

Von

fgh

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

23.05.2013, 10:09 Uhr

Die Politik kann momentan nur eins: Reglementieren, verbieten und Freiheiten einschränken.

Seht Ihr nicht wohin das alles führt?

hermann.12

23.05.2013, 10:11 Uhr

Die haben offensichtlich wohl nichts Gescheites zu tun, sonst würde so ein Blödsinn nicht diskutiert.

H.

Hans

23.05.2013, 10:20 Uhr

Ich fordere mit sofortiger Wirkung absolutes Promilleverbot, auch für Fußgänger, und erst recht in Kneipen. Außerdem fordere ich eine Geschwindigkeitsbegrenzung und Helmpflicht für Bürgersteige.

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