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24.04.2012

10:54 Uhr

Als der Kickstarter zurückschlug

Eintopf-Fans feiern 35 Jahre Yamaha XT 500

Quelle:MID

Mit der Vorstellung der XT 500 rief Yamaha 1976 nicht weniger als eine ganze Motorradgattung ins Leben - die Einzylinder-Viertaktenduros. Heute gehört das Erdferkel zu den gesuchtesten und beliebtesten Nippon-Klassikern.

Yamaha dürfte bei der Vorstellung der XT 500 1976 kaum bewusst gewesen sein, dass damit gleich eine ganz Fahrzeuggattung ins Leben gerufen wurde. Pressefoto

Yamaha dürfte bei der Vorstellung der XT 500 1976 kaum bewusst gewesen sein, dass damit gleich eine ganz Fahrzeuggattung ins Leben gerufen wurde.

DüsseldorfAn sich war die Idee genial, die Yamaha mit der XT 500 verfolgte: Ein simpel aufgebauter 500-Kubik-Einzylinder-Viertaktmotor mit einer obenliegenden Nockenwelle und 25 kW/34 PS Leistung in ein geländegängiges Fahrwerk gesteckt – fertig ist der perfekte Fernwehsessel. Und der wurde zum Erfolg: In ihrer Bauzeit von 1976 bis 1989 griffen über 25 000 Käufer allein in Deutschland zu.

Heute besitzt kaum ein japanisches Motorrad einen solchen Kultstatus, wie der kleine "Schüttelkönig". Was nicht weiter verwundert, denn das gedrungene Maschinchen gilt als die Ur-Mutter aller Viertakt-Enduros, auch wenn am Heck damals statt dem heute üblichen Zentralfederbein mit Umlenkung zwei Dämpfer zwischen Rahmen und Schwinge Verwendung fanden.

So ziemlich alles, was Mitte der Siebzigerjahre, an Offroadtauglichem Zweirädern unterwegs war, offenbarte sich schnell an den blauen Rauchfahnen ihrer Zweitaktaggregate. So auch bei Yamaha. Für die große Tour taugten die „Zwiebacksägen“ angesichts ihrer anfälligen Technik und des mangelnden Komforts indes wenig. Doch mit dem Halbliter-Viertakter XT 500 rollte der Hersteller nun ein "Möffchen" an den Start, mit dem sich auch zur langen Tour starten ließ.

Was viele Fernwehjünger auch taten: Die Yamaha war damals angesichts ihres – zumindest bei ordentlicher Wartung – recht standfesten Motors als Interkontinental-Reisemobil beliebt. Unvergessen sind die Bilder von Claudia Metz und Klaus Schubert, die sich am Ufer des Orinoco ein Floß mit "XT-Antrieb" zusammenzimmerten. Dazu bauten sie die Hinterräder ihrer beiden XTs aus, montierten am Sekundärantrieb ein mächtiges Schaufelrad und schipperten so den Strom hinauf.

Der einfache Aufbau und die Standfestigkeit prädestinierten die XT 500 für die große Reise. Pressefoto

Der einfache Aufbau und die Standfestigkeit prädestinierten die XT 500 für die große Reise.

Wer mit der Enduro reisen wollte, musste freilich den einen oder anderen Umbau vornehmen, denn der 8,8 Liter fassende Tank brachte das "Erdferkel" gerade einmal 150 Kilometer weit. Größere Tanks fanden unter den Globetrottern reißenden Absatz, dazu Fahrwerksmodifikationen und Gepäckvorrichtungen. Letztere waren zu einem guten Teil Eigenbauten der Fahrer.

Prädestiniert für die Weltumrundung war die Yamaha aber auch wegen ihres simplen Aufbaus. Denn der havarierte Fernreisende konnte die geduldige, kleine Japanerin auch im Herzen Afrikas mit einfachen Mitteln wieder reparieren. Und angesichts des Kickstarters war es dem Piloten auch einerlei, wenn die Batterie leer war. Die bunt ausgeschmückten Geschichten von gebrochenen Knochen durch den angeblich übel zurückschlagenden Kickstarter dürften allerdings dem Reich der Motorrad-Märchen angehören.

Natürlich kamen die Geländequalitäten nie an die zweitaktenden Crosser heran. Außerdem wies der in Deutschland noch dazu auf 20 kW/27 PS zusammengedrosselte Einzylinder die Dynamik einer Wanderdüne auf und die Trommelbremsen im Vorderrad taugten kaum zum kontrollierten Verzögern der Fuhre. Viele XT-Eigner rüsteten die 500er kurzerhand mit der Gabel der jüngeren Schwester XT 600 aus, denn das ermöglichte den Einsatz einer Scheibenbremse.

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