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10.09.2011

15:14 Uhr

Alte Werte

Oldtimer - Die schönere Geldanlage

Der Geruch von altem Leder und Benzin, das Fahrgefühl, wenn sich das Auto aufreizend langsam in Bewegung setzt, Fußgänger die Daumen heben. Oldtimer gehören zu den schönsten Geldanlagen. Und zu den lukrativsten.

Made in England: Bei Jaguar liefen bis 1974 insgesamt 72.500 E-Type-Fahrzeuge vom Band. Hier ein Bild aus der Produktion im Jahr 1967. gms

Made in England: Bei Jaguar liefen bis 1974 insgesamt 72.500 E-Type-Fahrzeuge vom Band. Hier ein Bild aus der Produktion im Jahr 1967.

DüsseldorfSein Traum steht seit zwei Jahren in der eigenen Garage. Gelbe Karosserie, "prime-rose-yellow" hat der Hersteller die Farbe getauft. Er ist zwischen Motor und Getriebe notorisch inkontinent, aber ansonsten meistens in Schuss: der Jaguar E-Type. Gekauft hat Stefan Burmeester ihn von einem Kfz-Meister, der zwei Exemplare der britischen Katze besaß, einen offenen und einen geschlossenen. Der geschlossene wechselte für 21.000 Euro den Besitzer. So, wie andere Menschen ihren Hochzeitstag minutiös im Kopf gespeichert haben, so genau kann Burmeester jene Szene vom Sommer 2008 schildern, als er seinen E-Type das erste Mal in Augenschein nahm.

Sein Sohn Max war sofort Feuer und Flamme, seine Frau Alexandra hatte jedoch drei Missverständnisse im Kopf, die Stefan Burmeester nur nach und nach ausräumen konnte. Das erste Vorurteil ließ sich schnell beseitigen: Oldtimer sind keine Rostlauben. An dem Jaguar blitzte der Chrom, nicht ein Rostfleck war zu sehen. Von außen glich er einem Neuwagen. Burmeester hatte einen Fachmann dabei, der das Fundstück begutachtete, wohlwollend nickte und auf der Rückfahrt nach Frankfurt auf dem Beifahrersitz Platz nahm.

Die beiden weiteren Vorurteile, die sich in der Familie hartnäckig hielten, betrafen Zeit und Kosten. Wie viel seiner knapp bemessenen Freizeit würde Stefan in der Garage verbringen? Würde die gelbe Katze zu Dauerebbe in der Haushaltskasse führen? Rund 3.000 Euro, "vielleicht ein bisschen mehr", hat Burmeester seit dem Kauf investiert, Bremsen und Reifen verschlangen das meiste Geld. Die Stunden zählt er nicht, weil sie wie im Flug vergehen. Seine Frau Alexandra zählt sie auch nicht mehr, seitdem sie mitmacht und geholfen hat, die Sonnenblenden neu mit Leder zu beziehen.

Aber ist Oldtimer-Fahren nur eine Beschäftigung für Zeitgenossen, die ein besonderes Virus gepackt hat? Für Menschen mit einem zu hohen Anteil Benzin im Blut, und das auch noch verbleit? Ja, Ja., das sind notwendige Voraussetzungen. Aber Oldtimer haben auch etwas mit Geld zu tun. Nicht nur mit Geld ausgeben, sondern auch mit Geld anlegen.

Oldtimer und ihre Bewertung

Kein Oldie ohne Bewertung

Bei der Oldtimerbewertung wird der Wert des Fahrzeugs ermittelt werden, der auch als Grundlage für die Versicherungseinstufung benötigt wird. Sie ist auch Voraussetzung, um ein gültiges Kennzeichen zu erhalten. Für den Kauf und Verkauf historischer Fahrzeuge bietet das Untersuchungsergebnis neben der aktuellen Ankaufsuntersuchung die gebräuchlichste und aussagekräftigste Grundlage.

Während bei einer “normalen” Gebrauchtwagenbewertung in erster Linie Baujahr und Laufleistung von Bedeutung sind, ist bei Oldtimern das entscheidende Kriterium der Pflege- und Erhaltungszustand des Fahrzeugs. Die Fahrzeugbewertung erfolgt in Form von Noten von 1 bis 5, die zuletzt 2007 von Classic Data überarbeitet wurden.

Note 1

Makelloser Zustand. Keinerlei Mängel an Technik, Optik und Historie. Ein (dokumentiert!) originales Fahrzeug der absoluten Spitzenklasse. Oder ein komplett und perfekt restauriertes Spitzenfahrzeug im Zustand wie neu (oder besser). Sehr selten!

Die Anmerkung "oder besser" ist ein Hinweis auf die Möglichkeiten modernster Restaurierungsmethoden. Duch die heutigen technischen Möglichkeiten (Schweißarbeiten, computergestützte Messtechniken) sowie den veränderten Materialien (Lack, Oberflächenveredelung) und einen umfangreichen Korrosionsschutz kann ein komplett restauriertes Fahrzeug den Zustand der Erstauslieferung übertreffen. Für Originalitätsliebhaber ist dies aber nicht erstrebenswert.

Note 2

Entweder seltener, unrestaurierter Original-Zustand oder fachgerecht restauriert. Technisch und optisch mängelfrei, aber mit leichten (!) Gebrauchsspuren. Keine fehlenden oder zusätzlich montierten Teile. Ausnahme: Wenn es die StVZO verlangt.

Leider kommt es gerade bei der Note 2, immer wieder zu Missverständnissen, weil viele Anbieter - teils aus Berechnung und teils aus Unwissenheit - ihrem Wagen eine viel zu gute Note geben, die vermeintlich der Schulnote "gut" entsprechen soll. Klar ist unter Experten aber, dass der "Zustand 2" ein nahezu optimal erhaltenes Fahrzeug charakterisiert.

Note 3

Gebrauchter Zustand. Normale Spuren der Jahre. Kleinere Mängel, aber voll fahrbereit und verkehrssicher. Keine Durchrostungen. Kein Reparaturstau und keine sofortigen Arbeiten notwendig. Nicht schön, aber gebrauchsfähig.

Note 4

Verbrauchter Zustand, eventuell teilrestauriert. Nur bedingt fahrbereit. Sofortige Arbeiten notwendig zur erfolgreichen Abnahme gem. § 29 StVZO. Leichtere bis mittlere Durchrostungen. Fahrzeug komplett in den Baugruppen aber nicht zwingend unbeschädigt. Einige kleinere Teile können aber fehlen oder defekt sein. Aber: immer noch relativ leicht zu reparieren (bzw. restaurieren).

Note 5

Nicht fahrbereit Schlecht restauriert bzw. teil- oder komplett zerlegt. Größere Investitionen nötig, da umfangreiche Arbeiten in allen Baugruppen erforderlich, aber grundsätzlich noch restaurierbar. Fehlende Teile, d.h. das Fahrzeug ist nicht zwingend komplett.

Ergänzungen

Wie auch bei Schulnoten sind "+" und "-" gestattet und üblich. Alle Noten müssen durch Sachverständigen-Gutachten belegt sein, und diese sollten möglichst aktuell sein. Im Zweifelsfall lieber ein neues Gutachten beauftragen bei den bekannten Prüf-Organisationen wie TÜV, Dekra, oder Classic Data.

Die Frage, ob ein Fahrzeug durch einen schweren Defekt (nicht fahrbereit) gleich um mehrere Noten fallen kann, ist umstritten. Im Zweifelsfall ist es besser, die notwendigen Reparaturkosten zu ermitteln, um sie dann vom Kaufpreis abzuziehen. Zugrunde gelegt wird dann der Marktwert ohne den wertmindernden Schaden.

Restauration

Auf den Wert eines Fahrzeuges hat auch die Art der Restauration einen entscheidenden Einfluß. Je originalgetreuer, desto höher die Chance einer Wertsteigerung. Umfangreiche Recherchen stehen am Anfang, um eine
fachgerechte Wiederherstellung zu garantieren. Eine saubere Dokumentation macht die Arbeiten transparent, die richtige Philosophie (ob in “Concours-Qualität, Wiederherstellung der technischen Funktion oder Modifikationen, um die Sicherheit etwa bei historischen Rennen zu verbessern) beeinflusst die Wertsteigerung.

Originalität

Entscheidend für die Originalität ist das richtige Fahrgestell. Matching Numbers (gleiche Nummern bei Motor und Chassis) sind bei Rennfahrzeugen weniger wichtig für den Wert als bei Strassen- und Sportwagen, weil bei Rennen und Grand Prix Veranstaltungen der Verschleiß höher war und während einer Saison auch leistungsgesteigerte Aggregate eingesetzt wurden. Wichtig: Dokumentierte Historie und Wartungsunterlagen des Fahrzeugs müssen langjährig und glaubhaft belegt sein.

Prominenz

Der Wert jedes Fahrzeuges wird durch seine Einzigartigkeit und Geschichte jedes einzelnen Automobils geprägt. Das gilt insbesondere für historische Rennwagen, bei denen Teilnahme, Erfolg an bedeutenden Rennen und bekannte Fahrer zählen, die sie bei solchen Veranstaltungen gesteuert haben. Entscheidend bei Vorbesitzern oder prominenten Fahrern für die Wertentwicklung ist die Beziehung zum Fahrzeug im Kontext mit der Geschichte von Markt, Marke und Fahrzeug.

Denn für Oldtimer, also Autos, die nach Definition des deutschen Gesetzgebers älter sind als 30 Jahre und bei Steuern und Versicherung begünstigt werden, gilt genauso wie für Youngtimer, die nicht mehr Gebrauchtwagen, aber auch noch keine Klassiker sind: Sie unterliegen keinem Wertverlust. Vorausgesetzt Pflege und Zustand stimmen.

Ist sein E-Type eine Geldanlage? Stefan Burmeester reagiert fast irritiert auf die Frage. Er hat den Jaguar nicht deswegen gekauft, sondern weil er "Benzin geleckt" hat, seit er sich als Jugendlicher für dieses Modell begeisterte und als 40-Jähriger einmal mitfahren durfte. Aber gut: "30.000 Euro würde ich für den Wagen heute bekommen", schätzt der Oldtimerfan. Auch bei anderen Modellen sind Wertsteigerungen drin, die sogar den Dax schlagen.

Wer zum Beispiel vor zehn Jahren einen Mercedes 280 SL aus den frühen 70er Jahren erworben hat, konnte damals mit gut 10.000 Euro fündig werden. Heute hat ein guter Wagen dieser Baureihe einen Marktwert von 24.000 Euro. Edelmarken wie Porsche, Ferrari oder Aston Martin liegen deutlich darüber. "Brot-und-Butter-Autos" von Marken mit Klang wie BMW, Alfa Romeo oder auch mancher Citroen liegen leicht darunter.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

09.09.2011, 15:39 Uhr

Es handelt sich um keine Geldanlage, sondern um eine Liebhaberei (außer man ist mit der "Szene" gut vernetzt). Eine Aktie kann man an jedem Börsentag verkaufen. Um einen Oldtimer zu verkaufen muss man ggf. monatelang die nächste Auktion abwarten. Ich vermute, dass beim Wiederverkauf die Provision und die Nebenkosten in zweistelliger Höhe liegen. Dann muss der Index etwa 20 bis 30 Prozent steigen, damit man überhaupt seine Anschaffungskosten zurück erhält.
Wer in ein solches Auto "investiert", gibt außerdem Geld für etwas aus, dessen Nachfrage stark irrationalen Moden unterliegt. Selbst wenn der Index steigt, aber der eigene Autotyp gerade aus der Mode ist, dann hat man Pech gehabt.

Radiputz

10.09.2011, 16:05 Uhr

Oldtimer, das schöste Hobby, das es gibt. Da gammelt nichts überflüssiges auf irgendeinem Depot herum oder liegt als EM in einem Schrankfach, sondern da gibt es etwas zum Anfassen, zum Bestaunen, zu Ausfahren und zum Herumwerkeln obwohl letzters nicht sein muß aber Spaß macht.
Und außerdem ist das ganze noch eine gute Wertanlage, aber wer verkauft schon seinen Oldtimer, wenn er es nicht gerade drngend muß?

Kuckuck

10.09.2011, 16:12 Uhr

Wenn Sie Ihren Oldtimer verkaufen wollen, versteigern Sie ihn bei ebay mit angesetztem Mindestwert. Das geht immer, von Provisionen oder ähnlichem kann keine Rede sein.Nur die ebay Gebühr.
Anstatt einen Oldtimer zu 20.000Euro zu kaufen, können Sie auch 2 Wagen zu 10.000Euro kaufen. Z.B. schwedisches Buckelvolvos aus den 50iger Jahren.Tolle Autos und leicht verkäuflich.

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