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09.04.2015

12:54 Uhr

Alternative Antriebe

Noch keine 5.000 „echten“ Käufer

VonFrank G. Heide

Seit Jahren sind sie im Gespräch, doch noch führen E-Autos ein Nischendasein. Auch die Zahl neu zugelassener Hybride bleibt niedrig. Hersteller wie VW und Audi motzen die magere Statistik mit Eigenzulassungen auf.

Das mit zusätzlichem Elektromotor ausgestattete Fahrzeug kann an einer Haushaltssteckdose aufgeladen werden. Private Käufer finden solche Autos aber bislang nur vereinzelt. dpa

Porsche Panamera e-Hybrid

Das mit zusätzlichem Elektromotor ausgestattete Fahrzeug kann an einer Haushaltssteckdose aufgeladen werden. Private Käufer finden solche Autos aber bislang nur vereinzelt.

DüsseldorfWenn man 2,5 mal so viele Autos verkauft hat wie im Jahr zuvor, dann ist das eigentlich eine Erfolgsmeldung wert. Und Erfolgsmeldungen sind bei alternativen Autoantrieben derzeit selten, weil Neuwagenkäufer angesichts niedriger Spritpreise Elektroautos und Hybride links liegen lassen.

Die Marken Audi, BMW, Ford, Mercedes, Opel, Porsche und VW haben für das Jahr 2014 insgesamt 8.463 Fahrzeuge mit Hybrid, Plug-In-Hybrid oder reinem Elektroantrieb als Neuwagen in der Zulassungsstatistik des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) ausgewiesen. Und das sind eben mehr als doppelt so viele „Alternative“ wie noch 2013, weswegen der Herstellverband VDA auch erfreut von einer „Markthochlauf-Phase“ spricht.

Was die Hersteller lieber verschweigen: Selbst dieser Mini-Erfolg der in Deutschland schwer verkaufbaren Antriebsalternativen ist überwiegend hausgemacht, denn es wird massiv mit Eigenzulassungen auf Händler und Hersteller gearbeitet.

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Wie eine aktuelle Studie des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen zeigt, stehen den 8.463 Autos der genannten Hersteller im vergangenen Jahr 1,87 Millionen Neuzulassungen gegenüber, die mit konventionellen Antrieben fahren, also Diesel- oder Benzin-Verbrenner.

Und selbst diese 8.463 weniger umweltschädlichen Autos waren etwa zur Hälfte auf Mitarbeiter der Autobauer, als unternehmenseigene Testwagen oder als sogenannte Tageszulassungen von Händlern zugelassen.

CAR-Leiter Ferdinand Dudenhöffer rechnet vor, dass je nach Marke bis zu 92 Prozent der Alternativ-Autos Eigenzulassungen sind, und nur 4.814 Zulassungen von Hybriden, Plug-In-Hybriden und reinen Elektroautos in 2014 auf Privatkunden oder Unternehmen erfolgten.

Wer 2014 die meisten Autos weltweit verkauft hat

Platz 10: Suzuki

2014 setzte Suzuki weltweit 2,71 Millionen Autos ab. Damit konnte der japanische Autobauer seinen Absatz um ein Prozent steigern - ein vergleichsweise schwaches Ergebnis. Dazu gehörte Suzuki nicht. In den USA ist der Absatz seit Jahren rückläufig und auch in China hat es das japanische Unternehmen schwer.

Quelle: Center of Automotive Management (CAM)

Platz 9: PSA Peugeot Citroën

Seit 2005 wuchs die Branche im Schnitt um 28 Prozent – PSA Peugeot Citroën dagegen musste für den selben Zeitraum einen Rückgang um 13 Prozent hinnehmen. Insgesamt konnte Europas zweitgrößter Automobilhersteller 2,94 Millionen Autos verkaufen – immerhin 4,3 Prozent mehr als 2013.

Platz 8: Honda

Honda konnte seinen Absatz 2014 gegenüber dem Vorjahr um 4,7 Prozent steigern und hat 4,36 Millionen Autos verkauft. Wie auch Suzuki konnte Honda nicht vom starken Wachstum auf dem chinesischen Markt profitieren. Auch in den USA war der Verkauf im vergangenen Jahr leicht rückläufig. Dafür konnte der japanische Autobauer auf dem heimischen Markt zulegen, ebenso in anderen asiatischen Staaten.

Platz 7: Fiat Chrysler Automobiles (FCA)

Der kleinste der drei Detroiter Autobauer, konnte 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent zulegen und seinen Absatz auf 4,61 Millionen Fahrzeuge ausweiten. Bis 2018 hat der amerikanische Autobauer allerdings ein Absatzziel von sieben Millionen Fahrzeugen ausgegeben – davon ist er noch weit entfernt.

Platz 6: Nissan

Für die meisten japanischen Autobauer ist der US-Markt top – so auch für Nissan. Der Absatz dort nahm 2014 um elf Prozent zu. Weltweit stieg er um 4,1 Prozent, so dass Nissan 5,31 Millionen Autos verkaufte. Im vergangenen Jahr stagnierte aber das China-Geschäft.

Platz 5: Ford

Zu den globalen Verlierern 2014 gehört Ford. Im Vergleich zu 2013 ging die Zahl der verkauften Fahrzeuge um 0,1 Prozent zurück und sank auf 6,32 Millionen. Ford konnte vor allem in China zulegen – plus 19 Prozent. Meist verkauftes Auto der Welt war 2012, 2013 und 2014 aber der Ford Focus.

Platz 4: Hyundai

Einer der großen Gewinner. Um 5,9 Prozent konnte der südkoreanische Autobauer seine Verkaufszahlen 2014 im Vergleich zu 2013 steigern, insgesamt rund acht Millionen Autos. Viel verkauft hat Hyundai in China - dort ist der Konzern der drittgrößte Player auf dem Markt. Seit 2005 steigerten die Südkoreaner ihre Verkäufe um 130 Prozent. Besonders erfolgreich war Hyundai dabei in den USA, in Europa und in China.

Platz 3: General Motors (GM)

Seit 2005 konnte General Motors in puncto Absätzen nur um acht Prozent zulegen – für den gleichen Zeitraum betrug das Branchenwachstum 28 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Verkäufe 2014 um 2,2 Prozent – auf 9,92 Millionen Fahrzeuge. Ein Drittel davon verkauft General Motors in China.

Platz 2: Volkswagen

Im Vergleich zu 2013 ist der Absatz des VW-Konzerns 2014 um 4,5 Prozent gestiegen. Das liegt auch am China-Geschäft, wo VW aktuell Marktführer ist. Dafür musste der deutsche Autobauer auf dem US-Markt einen Rückgang um zwei Prozent hinnehmen.

Platz 1: Toyota

Der Hybrid- und Wasserstoff-Pionier ist weiter Weltmarktführer. Im Vergleich zu 2013 konnte Toyota seinen Absatz zwar nur um magere 2,5 Prozent steigern, damit hat das Unternehmen allerdings die Zehn-Millionen-Verkaufs-Marke geknackt. Auf dem US-Markt lief es gut. Dort hat Toyota den drittgrößten Marktanteil und verkauft den Amerikaner mittlerweile ein Viertel seiner Produktion.

Obwohl 59 verschiedene alternative Fahrzeugmodelle aller Automarken aktuell in Deutschland im Angebot sind, hätten die deutschen Anbieter pro Modell monatlich nur 14 Fahrzeuge „an echte Kunden“ verkauft, sagt Dudenhöffer.

Einige Beispiele von Verkäufen an Plug-In Hybriden illustrieren die deprimierende Verkaufssituation. So hat Volkswagen vom Modell Golf GTE, also der Plug-In-Version, seit der Einführung 2014 bis Ende Februar 2015 in Deutschland knapp 900 Fahrzeuge in die Zulassung gebracht. Mehr als 800 Fahrzeuge davon (also 91 Prozent) waren laut CAR Eigenzulassungen.

Beim E-Golf, der rein batteriegetriebenen Version, wurden etwas mehr als 1.200 Fahrzeuge neu zugelassen, 62 Prozent waren Eigenzulassungen. Nicht viel besser fällt die Bilanz des Audi A3 Plug-In Hybrid aus: Seit seiner Einführung wurden in Deutschland 675 Fahrzeuge zugelassen, davon waren 571 Eigenzulassungen, das sind 85 Prozent.

Vom Opel Ampera wurden in den vergangenen 14 Monaten nur 119 Fahrzeuge zugelassen, davon waren 64 Prozent Eigenzulassungen. Auch bei den Importeuren sieht die Bilanz nicht besser aus. So wurden etwa vom Mitsubishi Outlander in der Plug-In-Version 1.300 Fahrzeuge in die Zulassung gebracht, davon waren knapp 850 Fahrzeuge oder 65 Prozent Eigenzulassungen.

Und auch bei Porsche wachsen die Plug-In-Träume nicht in den Himmel. Von 2014 bis Ende Februar 2015 wurden 201 Panamera Plug-In Hybrid zugelassen, Eigenzulassungsanteil: 65 Prozent.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

09.04.2015, 13:30 Uhr

Es ist ja nicht nur die Eigenzulassung, die die E-Auto Statistik verfälscht, sondern auch die Tatsache, dass auch Kommunen und Städte in dieser E-Auto Statistik auftauchen.
Die E-Autos sind und bleiben ein Luxusartikel. Der Luxus besteht darin, sich ein Fahrzeug zu einen erhöhten Preis zu gönnen bei gleichzeitigen Komfortmangel
Also nur etwas für E-Mobil Fanatiker oder für Kommunen und Städte, die mit dem Geld ihrer Steuerzahler verantwortungslos umgehen.

Frau Annette Bollmohr

09.04.2015, 13:30 Uhr

"99 Prozent würden kein aktuelles Elektroauto kaufen"

Wundert das außerhalb der Automobilindustrie irgendwen?
Warum sollten sie auch?!

Herr Thomas Ebert

09.04.2015, 13:49 Uhr

Ich sehe recht häufig E-Autos. Erstens an der Ladesäule der Stadtwerke, was praktisch ist da die Fahrzeuge auch zu den Stadtwerken gehören. Zweitens auf dem Gelände von Großkraftwerken, wo sich Kohleverbrenner einen grünen Anschein geben. Privatleute kenne ich einen, der sich ein E-Mobil zugelegt hat. Allerdings so ein Sparmobil mit 2 Sitzen und Trennscheibendünnen Reifen.
Bis sich Müller, Meier, Schulze und Lehmann so ein Auto zulegen muss noch sehr viel passieren. Elektroautos müssen alltagsfähig werden. Nicht nur für den gut betuchten Grundstücksbesitzer, sondern auch für den Laternenparker aus dem 6. Stock.

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