Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.10.2011

09:36 Uhr

Alternative Dienstwagen

Steuernachteil durch Elektroautos

Kommt die indirekte staatliche Starthilfe für das Elektroauto doch noch? Der Verkauf der strombetriebenen Fahrzeugen lahmt. Zinsgünstige Darlehen der staatlichen Förderbank sollen den Absatz nun ankurbeln.

Neuer Elektro-Wettbewerber auf dem deutschen Automarkt: Der Opel Ampera kommt Anfang November 2011 in den Handel. Bislang sind alternative Antriebe allerdings bei den Kosten deutlich im Nachteil im Vergleich zu herkömmlichen PKW. PR

Neuer Elektro-Wettbewerber auf dem deutschen Automarkt: Der Opel Ampera kommt Anfang November 2011 in den Handel. Bislang sind alternative Antriebe allerdings bei den Kosten deutlich im Nachteil im Vergleich zu herkömmlichen PKW.

Werther/DüsseldorfDas Konzept der Elektromobilität kommt in Deutschland nicht ohne monetäre Anreize in Fahrt. Das ist das Ergebnis des Zweiten Berichts der Nationalen Plattform Elektromobilität. „Ohne zusätzliche Anreizmaßnahmen ist bis 2020 ein Bestand von nur etwa 450.000 Elektrofahrzeugen zu erwarten“, heißt es in dem Papier. Bis zum Jahr 2014 seien ohne Fördermaßnahmen nur 25.000 Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu erwarten. Mit Förderung sähe die Sache schon ganz anders aus. Dann könnten nach Berechnungen der Nationalen Plattform Elektromobilität 2014 schon 100.000 Elektrofahrzeuge zwischen Flensburg und Konstanz unterwegs sein.

Dienstwagenbesteuerung wirkt als Bremsklotz

Dass sich diese Prognose bewahrheiten könnte – davon gibt es bislang noch keine Spur. Im Gegenteil. Die Annahme, dass die gewerblichen Fuhrparks den Anschub in Sachen E-Mobilität bewerkstelligen werden, hat sich bisher nicht bewahrheitet. Grund dafür ist die Besteuerung der neuen Fahrzeuge, durch die die Kostenlücke des Elektroautos gegenüber konventionellen Fahrzeugen nicht geschlossen, sondern noch weiter aufgerissen wird.

Weil Elektrofahrzeuge in den kommenden Jahren gegenüber vergleichbaren konventionellen Fahrzeugen einen höheren Bruttolistenpreis aufweisen, führt die Anwendung der Ein-Prozent-Regel dazu, dass Nutzer elektrischer Dienstwagen einen deutlich höheren geldwerten Vorteil zu versteuern haben – obwohl der Nutzwert wegen der begrenzten Reichweite deutlich eingeschränkt ist. „Dies verhindert die vollständige Erschließung des Marktpotenzials bei gewerblichen Kunden, da sich eine Vielzahl von potenziellen Dienstwagennutzern bei bestehendem finanziellem Nachteil gegen elektrische Fahrzeuge entscheiden wird“, heißt es dazu in dem Zweiten Bericht der Nationalen Plattform Elektromobilität.

Dabei waren Dienstwagenflotten noch im Ersten Bericht als Innovationstreiber eingestuft worden: „Gewerbliche Halter weisen eine weit niedrigere durchschnittliche Haltedauer der Fahrzeuge auf und sind ein wesentlicher Treiber für die Marktdurchdringung neuer Technologien“, hieß es noch vor einem Jahr. Zumal gegenüber privaten Nutzern ein entscheidender Vorteil bestehe: „Flottenbetreiber können andere Finanzierungsmodelle nutzen als Privatkunden.“

Doch Leasing-Angebote für Elektrofahrzeuge sind bislang rar gesät und bringen der privaten Klientel keine steuerlichen Vorteile. Die Nationale Plattform Elektromobilität empfiehlt daher, ein Programm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für den Kauf von Elektrofahrzeugen aufzusetzen. Es solle das Angebot eines über vier Jahre zinsgebundenen Darlehens bis zu 30.000 Euro zu einem effektiven Zinssatz von maximal 2,5 Prozent pro Jahr für den privaten Kunden entwickelt werden, macht der Bericht konkrete Vorgaben.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

pendler

13.10.2011, 09:46 Uhr

Ich weiß, dass gewisse Kreise den bewusstsen und stets sehr kritischen Bürger als voll verblödet ansehen.

Aber bei E10 hat man dann gesehen, dass das volk doch nicht so blöd ist

und das E-auto wird genau so floppen

Mollemopp

13.10.2011, 10:01 Uhr

Bei der nicht weiter vorangekommenen E-Mobiltät geht es nicht, um die fehlenden Steuervorteile. Wie das all diese superschlauen Experten in wunderschöne Studien schreiben. Spätestens bei der Einführung von E10 sollten alle gesehen haben, dass der Autofahrer sich nicht für staatliche Experimente missbrauchen lässt. Die E-Mobile sind momentan nicht nur teuer, sondern dafür auch noch mit Einschränkungen und großen Unbekannten behaftet. D.h. ich soll ein schlechteres Produkt kaufen und dafür auch noch mehr bezahlen. Da hilft keine Förderung. Den Klotz bindet sich niemand ans Bein. Außerdem wartet jeder noch ab, ob die Entwicklung der Akkus einen entscheidenden Quantensprung macht. Autofahren ist doch ohnehin schon teuer genug geworden. Wer lässt sich denn jetzt auch noch Vorschriften machen, dass er ein unausgereiftes Produkt zu einem noch höheren Anschaffungspreis kaufen soll, dann nur noch 100 km weit fahren kann und dann erstmal eine ganz ganz ganz ganz lange Pause machen muss? Wie sollen das Firmenfuhrparks machen? Alle Fahrzeuge in doppelter Stückzahl vorhalten, damit die die gerade geladen werden erstmal ein paar Stunden stehen können? Oder der Anruf vom Chef: "Wenn du auf der Baustelle fertig bist, fährst du noch zum Kunden XYZ!"..."Chef, tut mir leid. Meine Akkuladung reicht nur noch, um zurück in unsere Firma zu kommen. Aber ich kann noch ein paar Stunden hier auf der Baustelle warten, bis der Akku wieder geladen ist. Werde dann allerdings erst Mitternacht beim Kunden XYZ sein!"

Account gelöscht!

13.10.2011, 12:27 Uhr

Bei der Einführung des E10 Kraftstoffes wurden Fehler bei der Kommunikation und Information der Verbraucher von allen Verantwortlichen gemacht. Die Politik hat sich auf die Mineralölfirmen verlassen und die haben nicht gerade offensiv die Kunden darüber informiert, welche Fahrzeuge den E10 Sprit vertragen (die Mehrzahl) und welche nicht.
Vertrauen ist die Basis für solche Änderungen bei denen die Verbraucher ihre Gewohnheiten ändern müssen.
Und das konnten alle Beteiligten den Verbrauchern nicht vermitteln. Ob die Verweigerung des Volkes so besonders schlau war, wage ich mal zu bezweifeln. Ich habe mit einem Anruf bei VW herausgefunden, dass mein Auto E10 verträgt - und dann auch getankt. Bis heute gibt es kein Problem.

Auch beim Thema EV hat die deutsche Automobilindustrie erst mal Verunsicherung bei den Verbrauchern gestreut "Akkus sind zu teuer, die Reichweite ist zu gering, Es fehlen Ladepunkte usw. usw." - heute entwickeln alle an EVs.
Wenn die Verbraucher erst mal die Vorteile von EV erkennen, dann wird es eine rasante Entwicklung geben, die Stückzahlen steigen und die Kosten für die Batterien werden um 50% fallen.
EVs werden eine Erfolgsgeschichte !

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×