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25.03.2014

10:41 Uhr

Auswanderer gründet US-Autohandel

„Was Besseres hätte mir nicht passieren können“

VonRalf Schütze
Quelle:Spotpress

Nach sieben Jahren USA ist Auswanderer Klaus Borrmann endlich in der neuen Heimat Los Angeles angekommen. Der Autohandel- und Motorradhandel des „Goodbye Deutschland“-Stars floriert.

Vor sieben Jahren ist Klaus Borrmann von Deutschland in die USA ausgewandert. SP-X/Ralf Schütze

Vor sieben Jahren ist Klaus Borrmann von Deutschland in die USA ausgewandert. Jetzt handelt er in Los Angeles mit Oldtimern.

„Ich habe Tag für Tag meine Lieblingsspielzeuge um mich herum – herrliche Amischlitten und traumhafte Motorräder. Was Besseres hätte mir nicht passieren können.“ Klaus Borrmann geht mit spürbarer Euphorie tagtäglich seinem Job als Auto- und Motorradhändler nach. Oder seiner Berufung, denn davon hat er schon als kleines Kind geträumt. „Damals habe ich mit dem Nagellack meiner Mutter Matchbox-Autos getunt, heute schraube ich an den Originalen herum“, grinst der gebürtige Hamburger mit ansteckender Zufriedenheit.

Vor sieben Jahren kam in Austin, Texas die Auswanderung zunächst holprig in Gang. Privat und beruflich lief es nicht rund, wie deutsche TV-Zuschauer in der Vox-Serie „Goodbye Deutschland“ miterleben konnten. Doch seit fünf Jahren funktioniert es immer besser, das Geschäft mit meist rostfreien kalifornischen Fundstücken, die Borrmann nach Rotterdam oder Bremerhaven exportiert.

Der Oldtimermarkt in Daten und Fakten

Preise klettern

Die Preise für historische Fahrzeuge sind 2013 gestiegen, das geht aus einer Berechnung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) hervor. Dessen Deutscher Oldtimer Index legte um 8,1 Prozent zu, 2012 betrug das Plus 4,2 Prozent. Vor allem im zweiten Halbjahr 2013 beobachtete der Verband eine deutliche Aufwärtsentwicklung im Markt.

BMW gefragt

Der BMW 520i (E12) hat laut VDA 2013 prozentual am meisten an Wert gewonnen. Damit steht in der Rangliste der Fahrzeuge mit dem höchsten Zuwachs gegenüber den Vorjahr erstmals ein Modell von BMW ganz oben. Den ersten BMW der 5er-Reihe produzierten die Münchner von 1972 bis 1981.

Suche nach Chrom-Juwelen

Zwei Trends beobachteten Analysten 2013 auf dem Oldtimer-Markt: Einerseits gibt es den Investment-Trend in Sachwerte auszuweichen. Darunter fallen zum Beispiel die Auktionen, in denen seltene Fahrzeuge, wie der Flügeltürer Mercedes 300 SL, extrem hohe Preise erzielen ...

... oder Fahrfreude im Schnauferl

Auf der anderen Seite des Oldtimer-Booms stehen die echten Enthusiasten. Sie geben im Schnitt für ein Fahrzeug weniger als 20.000 Euro aus. Ein reines Liebhaberhobby, ist doch kein exorbitanter Wertzuwachs erkennbar: In der Regel kompensiert er nicht einmal die stetig anfallenden Wartungs- und Erhaltungskosten.

Teure Massenware

Innerhalb der vergangenen 15 Jahre haben zwei Volumenfahrzeuge besonders stark an Wert gewonnen: Bei der „Ente“ Citroen 2CV 6 und dem „Bulli“ VW T2 verzeichnet der VDA den höchsten Zuwachs. 

Rost statt Chrom

Der Flügeltürer Mercedes 300 SL erzielte in den vergangenen Monaten Rekordpreise. So zahlte ein Käufer auf einer US-Auktion 1,4 Millionen Dollar für ein restauriertes Exemplar, auf der gleichen Veranstaltung kam ein ramponierter Flügeltürer im Originalzustand gar für 1,9 Millionen Dollar unter den Hammer.

Mehr Youngtimer

Auf Deutschlands Straßen sind mehr Youngtimer unterwegs. Die Zahl der Fahrzeuge im Alter von 20 bis 29 Jahren stieg 2013 auf rund vier Millionen.

Im Schnitt fällt jeder dritte Youngtimer bei der Hauptuntersuchung durch und erhält im ersten Anlauf keine neue Plakette.

... und mehr Oldtimer

Nie zuvor fuhren mehr historische Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen als heute. Derzeit sind es mehr als 314.000 Klassiker mit H-Kennzeichen. Jedes Jahr wächst der Bestand um rund zehn Prozent. Dabei ziert das H-Kennzeichen nur solche Fahrzeuge, die mindestens 30 Jahre alt sind und nach einer amtlichen Prüfung als „kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut“ anerkannt sind. Insgesamt sind rund 452.000 Autos mit mehr als 30 Jahren auf dem Buckel unterwegs.

Teurer Stern

Auch das aktuell teuerste Auto der Welt wurde 2013 versteigert: Für 29,7 Millionen Dollar (rund 21,8 Millionen Euro) kam ein Mercedes W 196 Silberpfeil Rennwagen aus dem Jahr 1954 unter den Hammer.

Im Schnitt fünfstellig

Laut dem Marktbeobachter „Classic-Tax" liegt der Durchschnittswert eines Oldtimers in Deutschland bei rund 15.000 Euro.

15530 Texaco Avenue in Paramount, Los Angeles: „Cargate48“ heißt hier auf gut 500 m² die Firma von Klaus Borrmann. Der ist rund um die Uhr auf den Beinen. Feierabend und Wochenende gehören nicht zum bevorzugten Wortschatz des Hamburgers. Etwa die Hälfte seiner Kunden meldet sich mit konkreten Wünschen bei ihm. Dann zapft er seine Quellen an, checkt die Ware und handelt einen guten Preis aus.

Die Angebote auf seiner Homepage CarGate48.com gelten inklusive der bis zu zehnwöchigen Verschiffung nach Bremerhaven. Dort kommen noch 6 Prozent Importsteuer bei mindestens 30 Jahre alten Fahrzeugen dazu, fertig.

So komme man von Deutschland aus für 10.000 bis 15.000 Euro an gut erhaltene Mustangs oder Camaros aus den 60er und 70er Jahren: „Keine makellosen Trailer-Queens“, betont Borrmann. Aber Autos schlimmstenfalls mit kleinen optischen Macken, die technisch in Ordnung und rostfrei seien.

Dieser 69er E-Type steht auf cargate48.com zum Verkauf. SP-X/Ralf Schütze

Dieser 69er E-Type steht auf cargate48.com zum Verkauf.

„Ich fahre jetzt hoch nach Asusa, um einen goldenen Ford Fairlane für einen Freund zu begutachten. Und wenn der gut ist: Gleich anzahlen, aufladen, Papiere fertig machen, und gut isses.“ Klaus Borrmann ist allzeit bereit, Schmuckstücke auf vier oder zwei Rädern aufzuspüren und auf den Weg über den Atlantik zu bringen. Rund 200 Fahrzeuge pro Jahr, zu Hochphasen schon mal mehr als eines pro Tag. Von der Sonne Kaliforniens nach Europa, so lautet sein Erfolgsrezept.

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Allerdings: Dem Märchen vom „rostfreien Kalifornien-Auto“ könne er nicht so recht folgen. Auch hier müsse man sehr genau hinsehen, um sich keine Mogelpackung mit Coladosen-Blech im Boden unterjubeln zu lassen. Denn direkt an der Küste sei die Luft so salzhaltig wie auf Sylt. Aber überwiegend sind die Young- und Oldtimer laut Borrmann durchaus sehr gut in Schuss, besonders aus dem trockenen Hinterland oder aus Arizona und Nevada.

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