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24.02.2012

14:18 Uhr

Auto-Absatztrends

SUV = Senioren und Versehrte

VonFrank G. Heide

Glaubt man Marketingabteilungen und der Werbung, so haben alle Autohersteller junge Kunden. Die Realität sieht anders aus. Und das bringt die gute alte Stufenheck-Limousine vielleicht in ein frühes Grab. Ein Kommentar.

Erfüllen sich die Hoffnungen von Limousinen- und Sportwagen-Fans, dann landen SUV möglichst bald im Museum. Leider ist im Moment das Gegenteil der Fall, sie verstopfen Straßen und Parkhäuser. dapd

Erfüllen sich die Hoffnungen von Limousinen- und Sportwagen-Fans, dann landen SUV möglichst bald im Museum. Leider ist im Moment das Gegenteil der Fall, sie verstopfen Straßen und Parkhäuser.

DüsseldorfDie Springer-Kollegen haben ja so was von recht. SUV stehe gar nicht für Sports Utility Vehicle, hieß es neulich in der Auto Bild, die drei Buchstaben bedeuteten Senioren und Veteranen. Sorry, liebe Tiguan-Fahrer, aber das stimmt und dafür gibt es neue Beweise.

Den ersten liefert Auto-Professor Dudenhöffer, der aktuell in einer Untersuchung belegt, dass die aufgeplusterten Möchtegern-Geländewagen 2011 allen anderen Fahrzeugformen bei den Zulassungen weit enteilten. Die klassische Stufenheck-Limousine droht bald sogar auszusterben, angeblich finden nur Chinesen und schrullige Youngtimer-Sammler die Sänftenform von Santana bis Phaeton noch so richtig geil.

15,7 Prozent Marktanteil für SUVs im Januar 2012 bei den Neuzulassungen, das ist ein eindeutiger Trend. Und wer kauft so was? Der Erfahrungsaustausch mit anderen Auto-Journalisten zeigt: Junge Menschen ganz gewiss nicht. Selbst bei flammneuen Wunschautos, die die Hersteller den Redaktionen für 14-tägige Testfahrten vorbeibringen, vollgetankt vor die Tür stellen und wieder abholen, winken (fast) alle ab, wenn es um Off-Roader für die Stadt geht.

Viele könnten sich privat die überdimensionierten Spritschlucker sowieso nicht leisten, sie leben in Großstädten mit Parkplatznot, sind an Fahrrad, Zug, Kleinwagen und Car-Sharing gewöhnt, da fällt es schon schwer positive Argumente aufzuschreiben.

Handelsblatt Online-Redakteur Frank G. Heide

Handelsblatt Online-Redakteur Frank G. Heide

Die fallen meinem Nachbarn dafür sofort ein, er kann gar nicht mehr damit aufhören, seitdem er seinen alten 7er BMW gegen einen X3 eingetauscht hat. Den Wagen braucht der rüstige selbstständige Unternehmer, der pro Jahr weniger als 10.000 Kilometer fährt, weil er jetzt offiziell das Rentenalter erreicht hat. Seit zwei Jahren und trotz drei Operationen schmerzt zudem das rechte Knie.

Offen gibt er zu, dass sein Auto Eindruck auf andere machen soll, aber er schätzt auch den bequemen Einstieg, die erhabene Sitzposition und das Gefühl, sicher aufgehoben zu sein in einem deutschen Premiumprodukt, das stets in Übereinstimmung mit geltenden Verkehrsvorschriften bewegt wird. Allradantrieb sei ja auch sicherer, verrät er mir, vor allem im Winter. Winter? In Krefeld? In Urlaub fährt er mit dem Auto ja nicht, ist einfach zu weit. Auch wegen des Knies.

Klar, der X5 wäre ihm schon noch lieber gewesen, der macht ja auch mehr her. Probe gefahren hat er ihn. Und mir verraten: Der Wagen passt nur knapp in die alte Garage, die Türen würden aber an der Wand anschlagen, schon beim rückwärts raussetzen wäre er unsicher. Zu unübersichtlich das Trumm.

Da war ich dann wieder ein bisschen beruhigt. Ist das der Anfang vom Ende der SUV-Dinosaurier? Nicht der Klimawandel, der Spritverbrauch, die Stoßstange auf Höhe eines Kleinkindkopfes oder der überflüssige Vierradantrieb. Nein, die schiere Größe, ist es, die nun auch die Senioren erschreckt. Dabei haben die als einzige noch das Geld.

Statistisch gesehen erreichen SUV-Absätze ja gerade ein neues Allzeithoch. Und Autoexperte Dudenhöffer spricht sogar von 18 Prozent SUV-Neuwagenanteil bis 2015.

Ich glaube, es geht bald abwärtsmein ganz persönlicher Rentner-Indikator spricht dafür. Haltet durch, liebe Limousinen und Sportwagen, noch gibt es Hoffnung.

Kommentare (37)

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Merdouce

24.02.2012, 14:49 Uhr

Die, die das Geld für solche Dickschiffe haben, können sich auch größere Garagen leisten. Wird halt die aktuelle verbreitert und verlängert.
Und da Deutschland ja auch immer mehr vergreist, könnte es u.U. bald noch mehr SUVs geben.

halfbrain

24.02.2012, 16:38 Uhr

Unsere Kinder, 30 und 33, bezeichnen die SUV's inzwischen als HAUSFRAUEN-PANZER. Und wenn man genauer hinschaut, sieht man wirklich viele (Haus-)Frauen mit diesen Monstern herumfahren (Kindertransporte, Einkaufen,...).

Account gelöscht!

24.02.2012, 16:55 Uhr

Ach was? Wer schon einmal mit einem SUV gefahren ist kann eigentlich jeden der Besitzer verstehen. Super Rundumsicht, alle Kinder , Hund , Spielsachen, 7 Personen und der halbe Umzug passen in das Ding. Gemessen an der Größe ist der Verbrauch ok. Natürlich braucht man um von A nach B zu kommen nur einen Lupo. Aber dann sind fast alle Autos unsinnig, vor allem Sportwagen. Da nicht alle im In-Viertel einer Großstadt wohnen ist die Größe eher ein Seegen als ein Problem. Ach noch was-wenn es mal knallt sehe ich meine Familie lieber in einem 2,7 Tonner, so rein physikalisch gesehen

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