Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.10.2016

08:44 Uhr

Auto-Hersteller

„Die Oberklasse muss sich neu erfinden“

Seit Jahren liefern sich die Oberklasse-Hersteller Daimler, BMW und Audi ein Rennen um Ziele wie Absatz und Profitabilität. Doch die Regeln im Markt ändern sich gerade gewaltig.

Experten sagen, das Auto kann längst nicht mehr nur isoliert gesehen werden. Mobilitätsdienstleistungen, Vernetzung, alternative Antriebe und Technologie für Autonome Fahrzeuge werden immer wichtiger. AP

Wer hat den besten Entwurf für das Auto, das künftige Generationen begeistert?

Experten sagen, das Auto kann längst nicht mehr nur isoliert gesehen werden. Mobilitätsdienstleistungen, Vernetzung, alternative Antriebe und Technologie für Autonome Fahrzeuge werden immer wichtiger.

FrankfurtNoch greifen die alten Reflexe. „Wir glauben, dass wir BMW und Audi schon vor 2020 überholen können“, wiederholte Dieter Zetsche in diesem Jahr noch das alte Mantra. Dabei ist man sich auch in der Chefetage des Daimler-Konzerns durchaus bewusst, dass längst andere Wettbewerber hochkommen. „Spätestens 2025 wollen wir unseren Wettbewerbern in Sachen E-Mobilität die Rücklichter zeigen - egal ob sie aus Bayern kommen oder aus Kalifornien“, kündigte der Chef der Stuttgarter jüngst vor Journalisten in Hamburg an.

Die Rivalen BMW und Audi waren für Daimler jahrelang die Messlatte. Bei Absatz, Umsatz und Profitabilität wollten die Schwaben die bayerischen Wettbewerber überrunden. Letzteres schaffte Daimler im vergangenen Jahr. Mit zehn Prozent Ergebnisanteil am Umsatz im laufenden Geschäft lagen die Stuttgarter 2015 vor der Konkurrenz, auch wenn sie im ersten Halbjahr 2016 etwas nachließen.


Bei Umsatz und dem Absatz mit den großen Oberklasse-Modellen hatte Daimler im der ersten Jahreshälfte allerdings bereits die Nase vorn. Auf dem angestammten Terrain, wo es um PS und Status geht, gelten die alten Spielregeln des „größer, schneller, weiter“ noch.

Erste Ausfahrt im Cadillac CT6: Vorwärts, mit 300 Prozent mehr Rücksicht

Erste Ausfahrt im Cadillac CT6

Vorwärts, mit 300 Prozent mehr Rücksicht

Wer partout keine deutsche Luxuslimousine in der Einfahrt parken möchte, für den bietet Cadillac nun eine überraschend moderne Alternative. Das neue Flaggschiff CT6 hat einige Extras an Bord, die begeistern können.


Doch nicht zuletzt beim Pariser Autosalon Anfang Oktober zeigte sich, dass Teile des Geschäfts nicht mehr wie früher funktionieren. Nachdem der Elektropionier Tesla die Oberklasse-Hersteller schon seit einiger Zeit mit seinem Modell S vor sich her trieb, legten nun Hersteller nach, die Daimler und Co. bislang nicht zu ihren Rivalen zählten. Renault stellte den Kompaktwagen Zoé mit einer Reichweite von 400 Kilometern vor. Und auch die GM-Tochter Opel präsentierte mit dem Ampera-e ein ähnlich reichweitenstarkes Modell.

Daimler konnte neben E-Motoren für Smart und B-Klasse bislang nur das Konzept eines rein elektrischen Geländewagens vorweisen, der 2019 auf den Markt kommen soll. Auch Audi-Käufer müssen sich noch bis 2018 gedulden, bis ein reines Elektroauto - ebenfalls ein Geländewagen - startet. Einzig BMW hat mit seinem i3 bislang ein echtes Elektroauto am Markt, das allerdings auch nach seiner Neuauflage nur auf 300 Kilometer ohne Nachladen kommt.

S-Klasse Cabrio im Test: Mit dem Nackenföhn auf dem Sonnendeck

S-Klasse Cabrio im Test

Mit dem Nackenföhn auf dem Sonnendeck

Wer etwas geschafft hat, und sei es nur, ein ordentliches Erbe anzutreten, der darf nun wieder S-Klasse offen fahren. Luftgefedert, in Leder versunken, von Assistenten umsorgt. Mit dem S-Klasse Cabrio in Cannes.


„Durch den Paradigmenwechsel bei der Antriebstechnologie haben neue Spieler neue Chancen“, stellt Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft FHDW in Bergisch Gladbach fest. Bislang gilt, dass technologische Neuerungen zwingend in Oberklassefahrzeugen Einzug halten, weil nur diese Kundenschicht bereit ist, dafür viel zu zahlen. „Das hat sich nivelliert, weil sich auch der Markt nivelliert hat“, sagt Bratzels Kollege Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft in Nürtingen-Geislingen. „Früher war die technologische Spreizung größer.“ Kunden erwarteten heute auch in Kompaktmodellen schon mehr Technologie.

Die Elektromobilität funktioniere zudem nach einer anderen Logik. „Käufer von Elektroautos sind technikaffine Menschen“, sagt Diez. „Sie legen zum Beispiel Wert auf Fahrerassistenzsysteme.“ Es gehe dabei auch nicht um mehr Technik, sondern um andere Technik, „die Spaß macht - eine Art Smartphone auf vier Rädern“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×