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02.03.2006

12:20 Uhr

Auto

Hersteller entdecken den Umweltfaktor

Die Schönen und Schnellen stehen im Rampenlicht - doch daneben zeigt der Automobilsalon in Genf (2. bis 12. März), dass die Entwicklung nicht nur bei Motorleistungen und Karosseriedesign weiter geht.

VW dpa

VW zeigt in Genf einen „Drei-Liter-Polo“. (Bild: Rehwald/dpa/gms)

dpa/gms GENF. Die Schönen und Schnellen stehen im Rampenlicht - doch daneben zeigt der Automobilsalon in Genf (2. bis 12. März), dass die Entwicklung nicht nur bei Motorleistungen und Karosseriedesign weiter geht.

Immer mehr Hersteller entdecken, wie sinnvoll umweltfreundliche Autos sind. Fast alle großen Marken zeigen in den Messehallen daher auch sparsamere und saubere Motoren, Biosprit- Konzepte oder Hybrid-Ideen.

Mercedes stellt die Bluetec-Technologie vor. Sie soll den Diesel mit neuer Filtertechnologie für künftige Schadstoffnormen fit machen. Noch in diesem Jahr startet die Technologie in den USA. „Doch spätestens 2008 bringen wir Bluetec auch nach Europa“, sagte Mercedes-Chef Dieter Zetsche. Für Benziner zeigt Mercedes in Genf eine weiterentwickelte Benzindirekteinspritzung. Mit ihr soll der Verbrauch um bis zu zehn Prozent sinken, die Leistung steigen. Auf den Markt kommt die Technik laut Mercedes im Herbst im CLS 350 CGI.

Peugeot setzt beim Diesel an, um weniger Spritverbrauch und Emissionen zu erreichen. Die Franzosen entwickelten ein Hybridsystem, bei dem ein sparsames HDi-Aggregat mit einem Elektromotor kombiniert wurde. Dadurch ergibt sich laut Peugeot-Sprecher Gordian Heindrichs ein „Quantensprung“ bei Verbräuchen und Emissionen: Gegenüber einem Benziner seien mit der Technologie Verbrauchseinsparungen von 50 bis 55 Prozent möglich, gegenüber einem Benzin-Hybrid noch 30 Prozent.

In Genf demonstrierte Peugeot die serienreife Technologie in einem 307 CC Cabrio-Coupé. Der 1,6-Liter-HDi mit Partikelfilter leistet 80 kW/109 PS, hinzu kommen 31 kW des Elektromotors. Der Verbrauch beträgt laut Heindrichs 4,1 Liter. In der Stadt sei er noch „deutlich geringer“, da dort der E-Motor stärker zum Einsatz kommt.

Ein Vorteil des Konzeptes sei die „realistische Ausgangsbasis“, so Heindrichs: „Wir haben nichts anderes gemacht, als ein bestehendes Fahrzeug mit bestehendem Antrieb mit der Hybrid-Technik zu versehen. Es musste kein Fahrzeug drum herum entwickelt werden.“ Eine Markteinführung sei dennoch nicht vor 2010 wahrscheinlich. Derzeit sei die Technik mit 6 000 Euro Aufpreis gegenüber einem Standarddiesel noch zu teuer. Peugeot will das Aufpreisniveau auf 2 000 Euro drücken.

Ebenfalls auf einen Diesel-Hybrid setzt Ford-Tochter Land Rover. „Damit begegnen wir Vorwürfen, nach denen Geländewagen Teufelszeug für die Klimaentwicklung seien“, sagte Ford-Entwicklungschef Richard Parry Jones. Das „Land-e“-Konzept soll mit Hybrid-Antrieb, Startergenerator und situationsabhängiger Abschaltung des Allradantriebs ein Einsparpotenzial von bis zu 30 Prozent ermöglichen. Viele dieser Lösungen werde man bald in Serienmodellen sehen, kündigte Jones an. So könnten schon der nächste Freelander und der überarbeitete Defender einen Startergenerator bekommen.

VW-Chef Bernd Pischetsrieder kündigte an, dass künftig bei der Entwicklung neuer Modelle stärker auf Nachhaltigkeit gesetzt werden soll. „Wir haben seit vielen Jahren ein Kraftstoffproblem“, sagte Pischetsrieder in Genf. Neben der allgemeinen Verringerung des Kraftstoffverbrauchs will der Hersteller das Drei-Liter-Auto für breite Käuferschichten attraktiv machen und die Entwicklung alternativer Bio- und synthetischer Kraftstoffe vorantreiben.

Allerdings darf dem VW-Chef zufolge die Spritersparnis nicht zu Lasten des Fahrvergnügens gehen. Dann würden die Autos nicht gekauft, was VW beim mittlerweile eingestellten Drei-Liter-Auto Lupo 3L erlebt habe. Ansätze, beide Anforderungen zu verbinden, sieht VW in sparsamen TDI-Turbodieseln sowie TSI-Benzinern, die geringen Hubraum mit doppelter Aufladung kombinieren. Ein solches Aggregat mit 1,4 Litern Hubraum leistet im Golf GT 170 PS und verbraucht 7,2 Liter.

In Zukunft sollen TSI-Motoren laut Pischetsrieder in weiteren Baureihen angeboten werden. Zur Untermauerung der neuen „Nachhaltigkeits-Strategie“ stellt VW in Genf einen „Drei-Liter-Polo“ vor, der 3,9 Liter verbrauchen soll - womit er zwar eigentlich ein „Vier-Liter-Polo“ ist, aber immer noch sparsamer als der Serien-Polo.

Ähnlich ging Fiat bei der Studie Panda Multieco vor. Wie der Polo verfügt er über eine verkleidete Front. Zudem wurde Gewicht gespart, Reifen mit geringem Rollwiderstand aufgezogen und eine Start-Stop-Automatik eingebaut. Als Antrieb dient ein Hybridsystem aus Benzin- und Erdgasmotor. In Serie wird das Konzept wohl vorerst nicht gehen. Zum Jahresende soll es aber einen umweltfreundlichen Panda geben, der für kleines Geld einen kleinen Verbrauch ermögliche, sagte Fiat-Sprecher Claus Witzeck.

Dass umweltfreundlichere Autos auch sportlich sein können, zeigt das Saab-Coupé Aero X, das seine 400 PS vor allem dem alternativen Kraftstoff Bio-Ethanol aus nachwachsenden Rohstoffen oder Abfall verdankt. In der Serie und mit Benzin betrieben leistet der 2,8 Liter große Motor etwa im Signum der Schwestermarke Opel lediglich 230 PS.

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