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22.09.2012

10:01 Uhr

Autobauer

Alarmstimmung vor Pariser Autosalon

In Europa sehen die Autobauer kein Licht am Ende des Tunnels. Das trifft Opel, Peugeot oder Fiat, aber auch Daimler hat Probleme. Experten sind überzeugt: Beim Pariser Autosalon droht dicke Luft.

Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, bei der Eröffnung des Pariser Autosalons. dpa

Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, bei der Eröffnung des Pariser Autosalons.

ParisEuropas Automarkt ist im Sinkflug, eine Trendwende nicht in Sicht. Im Gegenteil: Experten sehen schwarz und sagen beim Absatz ein 20-Jahres-Tief voraus. Vor dem Pariser Autosalon (29.9. bis 14.10.) ist die Stimmung schlecht - obwohl einige Konzerne wie Volkswagen oder BMW weiter Rekorde feiern.

„Im Moment gibt es eine Zweiteilung“, sagt Autoexperte Stefan Bratzel. Die einen setzten wie auch Hyundai oder Toyota ihren Höhenflug fort - sie können die Absatzkrise in Europa andernorts kompensieren. „Und dann gibt es die, die ihr Hauptabsatzgebiet in Europa haben: Denen geht es dramatisch schlecht.“ Selbst Daimler musste seine Gewinnziele kappen, was Konzern-Chef Dieter Zetsche mit zunehmend schwierigen Marktbedingungen in Europa begründet, aber auch mit Schwierigkeiten in China.

Allzu große Erwartungen werden dementsprechend nicht einmal in neue Modelle gesetzt. Zwar präsentieren die Hersteller auf dem Autosalon in Paris viele davon. Etwa den VW Golf, den Renault Clio oder den Opel Adam. Ford stellt den neuen Mondeo vor, Citroën ein DS3 Cabrio und Toyota einen Auris Kombi. Die Experten warnen allerdings vor allzu großen Erwartungen. „Jede Menge neue Modelle, die eigentlich den Markt bewegen könnten - wenn da nicht die Schuldenkrise wäre“, kommentiert Autofachmann Ferdinand Dudenhöffer. „Die Automärkte in Südeuropa befinden sich im ungebremsten Fall.“

Dudenhöffer erwartet, dass 2013 das schlechteste Verkaufsjahr in Westeuropa seit 1993 wird - mit 11,6 Millionen Auto-Verkäufen nach 11,9 Millionen in diesem Jahr. Er befürchtet Ratlosigkeit bei der Messe in Paris. Bratzel prognostiziert Krisenmanagement statt Aufbruchstimmung. „Die Hersteller werden sich eher überlegen, wie sie es halbwegs schaffen, bei dem enormen Wettbewerbsdruck ihren Kopf über Wasser zu halten“, lautet der Expertenkommentar. „Wir sehen mindestens in den kommenden vier bis fünf Jahren keine Rückkehr zum Absatz auf Vorkrisenniveau“, sagt Ian Fletcher, Analyst bei IHS Automotive.

Besonders groß sind die Sorgen beim französischen PSA-Konzern. Der Autobauer mit den Marken Peugeot und Citroën leidet extrem unter seiner Abhängigkeit vom schrumpfenden europäischen Markt. Um aus der Verlustzone zu kommen, will die Unternehmensspitze nun ein Werk bei Paris schließen. Landesweit sollen 8.000 Jobs gestrichen werden.

Ein Bild vom Pariser Autosalon aus den vergangenen Jahren. dpa

Ein Bild vom Pariser Autosalon aus den vergangenen Jahren.

Die Regierung und die Gewerkschaften laufen allerdings Sturm gegen die Pläne. Sie werfen dem Management schwerwiegende strategische Fehlentscheidungen vor. Statt in Wachstums- und Schwellenländer zu investieren, habe es lieber höhere Dividenden gezahlt und eigene Aktien aufgekauft, lautet einer der Kritikpunkte.

Auch bei Opel wird mal wieder intensiv über einen Zukunftsplan verhandelt - dabei geht es auch um das Aus des Standorts Bochum mit rund 3.200 Beschäftigten. Rückenwind von den Märkten erwartet Opel-Interimschef Thomas Sedran jedenfalls nicht: „Wir gehen nicht davon aus, dass das zweite Halbjahr besser wird als das Erste.“ 2013 werde der Gesamtmarkt sogar noch etwas schwächer werden.

Die Opel-Mutter General Motors und PSA waren im Frühjahr eine Allianz eingegangen, um über Kooperationen etwa in den Bereichen Einkauf und Produktentwicklung Kosten in Europa zu senken. Dass es wie allgemein erwartet auch Pläne für eine gemeinsame Fertigung gibt, verweist die Adam Opel AG ins Reich der Fabeln - noch. Ein möglicher Grund für die Zurückhaltung: „Angesichts des geplanten Abbaus von Tausenden Stellen bei PSA wollen die Franzosen nicht hören, dass Peugeots und Citroëns in Deutschland gebaut werden könnten“, ist Dudenhöffer überzeugt.

Von

dpa

Kommentare (5)

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HierUndDaIstKaterzeit

22.09.2012, 12:24 Uhr

Hätte - könnte - sollte

In guten Zeiten verkaufen Autos sich alleine. Es ist die Hochzeit der "Zuteiler" und "Einfachsthöchstverdiener". Es ist die Zeit der Lobhudelei, wie toll doch die eigenen Leistungen und Produkte doch sind. Es ist die Zeit der Besoffenheit und des Feierns.

Es ist eigentlich die gefährlichste Zeit. Denn wer hier Entwicklungen verpennt, Innovationen nicht ergreift, Absicherungen nicht einleitet, neue Märkte nicht angeht ... der wird in Krisenzeiten doppelt hart bestraft. Eine Strafe, die zurecht erfolgt ... aber auch die belohnt, die anders dachten und anders agieren. Das mag "ungerecht" sein, ist aber leider Evolution.

Der Rausch der Lobhudelei in guten Zeiten hat seinen Endpunkt. Kommen in der Katerstimmung noch Absatzeinbrüche hinzu, wird es echt hart. FIAT und PSA müssen ordentlich kämpfen, um Boden unter den Füßen zu bekommen. Ein Frohlocken anderer Hersteller kann aber getrost ausbleiben, das PSA & FIAT auch drastische Rabatte geben muss, um Absatzeinbrüche zu kompensieren. Natürlich müssen auch Produktionszahlen runter und Kostenstrukturen angepasst werden. Das schmerzt, ist aber notwendig, um auch in Krisenzeiten noch ein Überleben zu sichern. Bei längerer Krise wird ein Verlust an konstruktiver Eigenkpmetenz erfolgen. Bündnisse müssen her und eigene Werke geschlossen werden; die Fertigungstiefe wird spürbar fallen. Alternativen. Leider keine.

Account gelöscht!

22.09.2012, 13:15 Uhr

Es wird viel zu viel Mist in die modernen Autos reingebaut, was keine Mensch wirklich braucht und vermutlich auch nicht will, aber man kann es gar nicht rauskaufen, selbst wenn man wollte. Dies macht alle Autos durch die Bank sehr viel teurer als sie sein müßten und deshalb werden auch nur noch wenige Autos als Ersthandwagen an Privat verkauft. Das, was privat verkauft wird, sind Leasing-Rückäufer, der Preisniveau dann zumindest erträglich ist - von billig kann noch nicht die Rede sein. Durch die exorbitanten Preise ist auch der Wertverlust enorm - wer kann es sich bei einem mittelmäßig ausgestatteten Passat leisten, Jahr für Jahr rund 3500 Euro Wertverlust zu verbrennen, nur daß so ein Auto vor der Tür steht?
Die EU trägt ihr Schärflein dazu bei, indem sie Vorschriften erläßt, was die heutigen Autos alles an Bord haben MÜSSEN, vom Tagfahrlicht bis hin zu sinnfreien Abgasvorschriften. Was als Gewinnerhöhung für die Hersteller von der EU erdacht war, erweist sich als Bummerang, weil die potentiellen Käufer mit Konsumverweigerung reagieren und Gebrauchtwagen kaufen.

Joker1

22.09.2012, 13:54 Uhr

Nur Firlefanz wird in die neuen Modelle eingebaut.
Für wichtige, sinnvolle Details muss man immer noch
extra bezahlen.
Im übrigen entwickelt und konstruiert die Autoindustrie immer noch an den tatsächlichen Bedürfnissen vorbei.
Sprit koste über € 170/l, Diesel über 1,50/l.
Wer soll das bezahlen können?
40 Jahre nach der ersten Enrgiekrise ist man nicht
wesentlich weiter gekommen.
Im übrigen was kostet denn ein gutes Mittelklasse Auto?
Vergleichen wir doch mal mit den Preise vor der Euroeinführung.
Dieser war Betrug am VOLK. (1:1.95583)
Was verdient Zetsche ? Was verdient ein mittlerer Angestellter oder Arbeiter, im Vergleich zu den Verdiensten
vor der Euroeinführung? Verbrechen wohin man schaut.
Die Miniersparnisse der Bürger werden mit max. 2% verzinst,
davon muss er auch noch 25% Steuern abführen.
Wie soll man da denn Autos kaufen können und diese auch
noch fahren?

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