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25.04.2012

15:47 Uhr

Autodesign für China

Kühler wie klassisches Schnitzwerk

VonFinn Mayer-Kuckuk

Die Autokonzerne passen die Gestaltung ihrer Fahrzeuge für den chinesischen Markt deutlich an den örtlichen Geschmack an. Die Chinesen bilden sich trotzdem ein, sie kauften ursprünglich europäisches Design.

Am Flughafen in Peking ausgestellter VW Passat: Mehr Chrom als bei den europäischen Modellen.

Am Flughafen in Peking ausgestellter VW Passat: Mehr Chrom als bei den europäischen Modellen.

PekingChina ist der für die Autobranche der größte, profitabelste und am schnellsten wachsende Markt. Auf der Pekinger Automesse, die am Montag eröffnet hat, reden die Manager deshalb von immer neuen Rekorden: Bis zu einem Fünftel mehr Autos als im Vorjahr wollen europäische Premiumanbieter 2012 absetzen. Doch wie in allen Weltgegenden haben die Kunden hier einen ganz eigenen Geschmack. Es reichnt nicht, ihnen einfach genau die gleichen Produkte vorzusetzen wie den Verbrauchern in anderen Märkten. „Die besonderen Vorlieben habe etwas mit kulturellen Einflüssen zu tun“, sagt Simon Loasby, Chefdesigner der Marke Volkswagen in China. Der gesellschaftliche Hintergrund und die Sehgewohnheiten spielen in fast alle Gestaltungselemente eines Autos für den China-Markt hinein, sagt der Fachmann.

Es fängt beim Kühler an. Vorne an dem neuen Passat, den Volkswagen hier auf der Automesse ausstellt, blitzen gleich mehrere Zierleisten aus Chrom – und zwar jeweils doppelt. „In Europa haben wir da jeweils nur eine Leiste. Die zwei schmaleren Leisten wirken jedoch feiner“, sagt Loasby. Feiner, kleinteiliger, zieselierter – so wird aus einem  nüchternen deutschen Auto ein Statussymbol nach chinesischem Geschmack.

Hinter den doppelten Chromleisten ist der Kühler zusätzlich durch rechteckige Einsätze strukturiert. Das gibt ihm die Anmutung einer der durchsichtigen Schnitzarbeiten, mit denen die Chinesen seit alters her Zwischenwände oder Stuhllehnen verzieren. „Es fällt nicht auf, aber es wirkt trotzdem auf den Betrachter“, sagt Loasby.

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So geht es im Innenraum weiter. Die Luftschlitze des Klimasystems: Mit einer zusätzlich Metallumrandung verziert, denn viele chinesische Kunden mögen es glänzend. „Europäer könnten das als zu viel empfinden, für China ist es gerade richtig“, sagt Loasby.  Die Lautsprecher: Mehreren Ebenen filigraner Löcher liegen übereinander, wieder so wie an einem geschnitzten chinesischen Wandschirm.

An den Felgen finden sich ebenfalls typisch chinesische Muster. Ein heller Punkt ruht in der Mitte – wie beim traditionellen Symbol für Yin und Yang. „Trotzdem empfinden die chinesischen Kunden diese Autos als typisch europäisch. Die Anmutung wirkt auf sie bloß insgesamt vertrauter“, verrät Loasby.

Der größte Unterschied findet sich dann am Hecke: Statt der Kombi-Klappe, die ein deutscher Passat hier hätte, findet sich ein abgetrennter Kofferraum. „Eine ausgeprägte Heckpartie gehört nach chinesischem Verständnis zu einem richtigen Auto dazu“, sagt Loasby. „Der Drache braucht hinten einen Schwanz!“

Der Grund für das Bedürfnis nach konservativeren Formen sieht Loasby im größeren gesellschaftlichen Zusammenhalt.  „Vergessen sie nicht, in China entscheidet die ganze Großfamilie beim Kauf eines solchen Autos mit.“ Es müsse auch die Oma ansprechen, schließlich gebe sie aus ihren Ersparnissen etwas zu der Anschaffung dazu.

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