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11.04.2013

16:11 Uhr

Autohersteller tricksen beim Spritbedarf

Die Verbrauchslüge

VonFrank G. Heide

Die Norm, mit der der Spritverbrauch unserer Autos gemessen wird, hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Dass die Hersteller mit den getricksten Angaben lautstark werben, hat für sie jetzt unangenehme Folgen.

Dass der Verbrauch eines Autos über dem Normwert liegt, ist keine Neuheit. Dass aber viel zu oft der von der Justiz eingeräumte Spielraum von zehn Prozent Mehrverbrauch überschritten wird, hat jetzt der ACE gezeigt. dapd

Dass der Verbrauch eines Autos über dem Normwert liegt, ist keine Neuheit. Dass aber viel zu oft der von der Justiz eingeräumte Spielraum von zehn Prozent Mehrverbrauch überschritten wird, hat jetzt der ACE gezeigt.

Stuttgart/Düsseldorf/MünchenRund die Hälfte der in Deutschland verkauften Neuwagen könnte von ihren Besitzern an die Hersteller zurückgegeben werden, weil sie zu viel Sprit verbrauchen. Das ist, vereinfacht dargestellt, eines der Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung des Auto Clubs Europa (ACE). Dass Autos in puncto Spritverbrauch teils stark von den offiziellen Norm-Verbrauchsangaben der Hersteller abweichen, ist zwar jedem erfahrenen Autofahrer klar. Das Ausmaß der bislang kaum sanktionierten Trickserei, wird aber unter Umständen wegen eines aktuellen OLG-Urteils zum Bumerang für die ohnehin von Absatzproblemen gebeutelte Branche.

Die Richter in Hamm hatten unlängst entschieden: Liegt der Kraftstoffverbrauch eines Neuwagens mehr als zehn Prozent über den Herstellangaben im Verbrauchsprospekt, kann der Autobesitzer vom Kaufvertrag zurücktreten (Az: 28 U 94/12, 4 O 250/10). In diesem Fall stellt der höhere Verbrauch einen "erheblichen Sachmangel" dar.

Geklagt hatte der Besitzer eines Renault Scénic, da das Fahrzeug statt der vom Hersteller angegebenen 7,7 Liter auf 100 Kilometern tatsächlich 8,5 Liter verbraucht hat. Ein Mehrverbrauch von 10,3 Prozent.

OLG-Urteil zu Neuwagen: Mehrverbrauch gilt als Rückgabegrund

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Mehrverbrauch gilt als Rückgabegrund

Autobesitzer können vom Kaufvertrag für einen Neuwagen zurücktreten, wenn dessen Verbrauch um mehr als zehn Prozent von den Herstellerangaben abweicht.

Dass die Mehrverbräuche auch viel deutlicher vom Normverbrauch abweichen, stellen Autoclubs und Autotester regelmäßig fest. Beim ACE waren es von 91 getesteten Modellen 55 Fahrzeuge, die "teils deutlich über der Marke von zehn Prozent" lagen.

Allerdings weist der ACE auch darauf hin, dass rechtliche Auseinandersetzungen wegen des Spritverbrauchs teuer, langwierig und risikoreich sind. So ist zur Anfechtung eines Kaufvertrages in aller Regel das Gutachten eines anerkannten Sachverständigen nötig, der den Mehrverbrauch bestätigen muss.

Dass die Hersteller bislang nicht häufiger mit Sanktionen oder Kaufvertrags-Rücktritten konfrontiert werden, hat seine Ursache im NEFZ. Hinter der bürokratischen Abkürzung verbirgt sich der seit 1996 geltende "Neue Europäische Fahrzyklus", der von allen maßgeblichen Experten als überaltert und unrealistisch angesehen wird, - mit dem die Hersteller aber immer noch werben dürfen.

Der NEFZ hat aber mit unserem täglichen Fahrverhalten nur sehr wenig zu tun. So wird es auf dem Rollprüfstand ermittelt, und die Hersteller dürfen mit verbrauchsmindernden Spritsparreifen und Leichtlaufölen tricksen, bei Maximaltempo 120, während so realistische – und den Spritverbrauch steigernde - Verbraucher wie Klimaanlage oder Fahrtlicht ausgeschaltet bleiben.

Laut ADAC schluckt aber beispielsweise ein Auto mit aktivierter Sitz- und Heckscheibenheizung, Beleuchtung und Lüftung auf 100 Kilometern etwa einen halben Liter Kraftstoff zusätzlich. „Auto Bild“ weist in den eigenen Fahrzeugtests ebenfalls regelmäßig Mehrverbräuche von bis zu 30 Prozent nach, im Vergleich zu den Herstellerangaben, dies deckt sich mit den Erfahrungen bei den Autotests des Handelsblatts. Diese mögen keine gutachterlichen Kriterien erfüllen, decken sich aber mit der persönlichen Wahrnehmung zahlreicher Vielfahrer.

Kommentare (12)

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6er

11.04.2013, 16:23 Uhr

Ja, neuer 6er 650i XDrive 15,4 Liter.

-ood4oil

11.04.2013, 16:25 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Numismatiker

11.04.2013, 16:43 Uhr

Die Tatsache, daß der NEFZ unbrauchbar ist und den Herstellern viel Spielraum zur Manipulation läßt, ist seit Jahren bekannt.

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