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28.04.2011

06:44 Uhr

Automesse in Shanghai

Kuriose Kopien aus Fernost

Quelle:dpa

Eine Rolex für 20 Dollar, ein Lacoste-Hemd für den Preis eines Milchkaffees: Manche Chinesen nehmen es mit dem geistigen Eigentum nicht so genau. Dreiste PKW-Kopien stehen auch auf der Automesse in Shanghai.

Geely Englong SC7 dpa

Neuinterpretation made in China: Das Remake des klassischen Londoner Taxis ist der Familienwagen Geely Englong SC7.

ShanghaiWer in den vergangenen Tagen über die Autoshow in Shanghai lief, die am heutigen 28. April endet, begegnete vielen Fahrzeugen, die er doch irgendwoher schon zu kennen glaubte. Noch immer sind die teils kuriosen Werke der Kopierer gang und gäbe. Der Analyst Kevin Huang allerdings dreht den Spieß um: Plagiate seien "in der chinesischen Kultur eine besondere Form der Ehrerbietung", entschuldigt er seine Landsleute. Und im Gespräch mit den Fachleuten vor Ort lernt man: Kopiert wird nur, was man bewundert. "Das darf man unseren Designern nicht krummnehmen", sagt Huang.

Wenn das stimmt, dann ist die Bewunderung für große Geländewagen bei den Chinesen offenbar besonders groß. So haben die Designer von Hawtai ihren neuesten Allrader vor allem in der Seitenansicht dem erste Porsche Cayenne nachempfunden. Wie beim Original arbeitet unter der Haube ein Turbo, der allerdings im Hawtai nur 1,8 Liter Hubraum hat und 170 PS leistet. "Für das chinesische Tempolimit von 120 km/h wird das wohl reichen", unkt ein europäischer Messegast beim Blick aufs Datenblatt.

Hawtai dpa

Porsche Cayenne, oder was? Auf den ersten Blick erinnert das neueste Modell des chinesischen Herstellers Hawtai doch stark an den Wagen aus Zuffenhausen.

Nebenan bei Huanghai gibt es gleich zwei SUV-Blaupausen: Der Landscape F3 erinnert verdächtig an den japanischen Nobelgeländewagen Lexus RX, und der F1 geht auf den ersten Blick auch als Mercedes M-Klasse durch. Allerdings offerieren die Chinesen eine Karosserievariante, die sich die Schwaben bislang verkniffen haben: Es gibt den chinesischen Allradler auf Wunsch auch als Pick-Up.

Kaum 100 Meter weiter auf dem Stand von Great Wall Motors glänzt im Rampenlicht ein weiterer Pritschenwagen, der die Justiziare auf den Plan rufen dürfte: eine Art VW Amarok. Die Niedersachsen bieten ihren nagelneuen Wagen in China noch nicht an. Da haben Ingenieure im Reich der Mitte das Modell zwischenzeitlich einfach abgekupfert. Und auch verkauft wird er schon als Wingle 5.

BAIC BC 301 dpa

Eine Mercedes B-Klasse? Die Modellreihe aus Stuttgart diente offenbar dem BAIC BC 301 als Vorbild.

Ein ähnliches Schicksal hat in Shanghai die Jeep-Modelle Wrangler und Grand Cherokee, den Range Rover aus England oder den Dodge Ram ereilt.

Und im Brilliance A3 ist unschwer der BMW X1 wiederzuerkennen - allerdings steht dieser Wagen nicht auf der Messe. Womöglich übten sich die Chinesen höflich in Rücksicht, denn BMW ist Kooperationspartner von Brilliance.

Doch nicht nur Geländewagen haben es den Nachahmern angetan, sondern auch kleine Stadtautos und Sportwagen. So sind Kopien von Toyota Yaris und Smart sowie VW Scirocco und Nissan 370 Z zu entdecken. Und auch die futuristische Limousine Fisker Karma sieht man auf der Messe im Asien-Look mit chinesischen Markenzeichen.

Chinesische Hummer-Version dpa

Der amerikanische Hummer ist längst gestorben. Nach der Abwicklung der GM-Marke gibt es eine chinesische Variante - zu sehen auf der Autoshow in Shanghai.

Selbst Autos, die bei uns noch gar nicht auf dem Markt sind, gibt es im Fernen Osten bereits als Klon. So sonnt sich auf dem Brilliance-Stand ein Familienvan im Rampenlicht, der an die VW-Studie Space-Up erinnert - Elektroantrieb inklusive.

Doch es wird nicht immer nur einfach kopiert. "Viele chinesische Unternehmen haben Lizenzen und Konstruktionen westlicher Marken aufgekauft oder entsprechende Kooperationsvereinbarungen getroffen", erläutert Jato-Analyst Huang. Dass die Autos von Roewe noch immer stark den alten Rovern aus der BMW-Ära ähneln, war abgesprochen und ist deshalb völlig in Ordnung.

Wingle 5 dpa

Great Wall Motors schieben einen Pritschenwagen auf der Messe in Shanghai ins Rampenlicht: Den Wingle 5. Nein, es ist kein VW Amarok.

Die chinesischen Hummer lassen die GM-Juristen ebenso kalt. Und auch gegen die Neuinterpretation des klassischen Londoner Taxis als Familienkutsche Geely Englong SC7 ist aus gleichem Grunde nichts einzuwenden.

Bei allen anderen kopierten Fahrzeugen schütteln die Hersteller der Originale nur noch mit dem Kopf. Die Justiziare gehen bisweilen gegen die Kopien vor und beschreiten den Rechtsweg. Teils nehmen Ingenieure und Designer den Ideenklau aber auch mit einer amüsierten Gelassenheit. Immerhin zeige das, dass man den Geschmack der wichtigen chinesischen Kunden getroffen habe, hört man in den deutschen Delegationen.

Familien-Van Brilliance dpa

Ein Familien-Van der chinesischen Marke Brilliance. Das Messemodell in Shanghai hat starke Ähnlichkeit mit der VW-Studie Space-Up.

Da viele Plagiate wie zum Beispiel der BAIC BC 301 als Billigausgabe der Mercedes B-Klasse ausgerechnet von den eigenen Kooperationspartnern kommen, sind den Unternehmen meist ohnehin die Hände gebunden, sagt der Manager eines deutschen Unternehmens: "So etwas steht natürlich nicht in den Verträgen", räumt er mit einem Schulterzucken ein: "Aber was sollen wir dagegen schon machen?"

Kommentare (2)

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Nachdenker

28.04.2011, 12:01 Uhr

"Aber was sollen wir dagegen schon machen?"

Vielleicht chinesischen Löhne für deutsche Facharbeiter? ;)
Für so hoch bezahlte "Manager" ist diese Aussage ein Armutszeugnis. Viel Geld, große Klappe, aber nichts dahinter.
Und so was spielt sich hierzulande als "Macher" auf. Die Chinesen sind schlau, haben sie doch erkannt, daß hier nur noch geldgeile Windbeutel in den Konzernchefsesseln sitzen.

Chinas

15.05.2011, 08:28 Uhr

Noch 5 Jahre und die meisten Deutschen Autoherstellern vertreiben China Autos

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