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06.02.2014

21:08 Uhr

Autopreis „Gelber Engel“

ADAC soll BMW begünstigt haben

Der ADAC hat einem Medienbericht zufolge BMW bei der Verleihung des Autopreises „Gelber Engel“ bevorzugt. Damit hätte der Autoklub nicht nur die Zahlen, sondern auch die Platzierungen einiger Modelle gefälscht.

Manipulierung beim „Gelben Engel“: Ein Modell der 5er-Baureihe von BMW soll von Platz sieben auf Platz fünf hochgestuft worden sein. dpa

Manipulierung beim „Gelben Engel“: Ein Modell der 5er-Baureihe von BMW soll von Platz sieben auf Platz fünf hochgestuft worden sein.

MünchenBei der umstrittenen Autowahl zum „Gelben Engel“ sind die Platzierungen laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung manipuliert worden. Mitte Januar war bekannt geworden, dass die Zahl der Stimmen etwa um den Faktor zehn nach oben geschraubt wurde.

Doch verschobene Platzierungen bei der Wahl zum „Lieblingsautos der Deutschen“ waren bis jetzt nur eine Vermutung, die allerdings auch ADAC-Präsident Peter Meyer zuletzt für möglich gehalten hatte.

Laut dem Bericht soll ein Modell der 5er-Baureihe von BMW von Platz sieben auf Platz fünf hochgestuft worden sein. Dadurch landeten dann die drei Hersteller BMW, Mercedes und Volkswagen in den Top 5. Ohne die Änderung hätten es nur Mercedes- und VW-Fahrzeuge in diese Spitzengruppe geschafft.

Eigentlich auf Rang fünf gelandet wäre der VW Tiguan. Genau das hatte der geschasste ADAC-Kommunikations-Chef Michael Ramstetter aber bis zum Ende beteuert. Er habe nur die Zahl der Stimmen geändert, nicht aber die Reihenfolge der Modelle.

So müssen jetzt die Wirtschaftsprüfer von Deloitte, die der Klub zu Aufarbeitung der Affäre engagiert hat, auch noch die Vorwürfe klären, ob die Platzierung der Modelle politisch motiviert war. Die Prüfer hatten Ergebnisse für nächste Woche angekündigt.

Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen weist in diesem Zusammenhang auf drei Modelle hin, die seiner Ansicht nach aus dem Rahmen fallen. Die Mercedes A-Klasse sei bei ihrer Wahl zum Auto des Jahres 2013 „erst kurz im Markt und daher sicher nicht flächendeckend bekannt“.

Zudem hätte der Wagen zu dieser Zeit nur auf Rang 25 der Zulassungsstatistik gelegen. Noch deutlicher fallen die Zahlen beim Audi Q3 auf, der 2012 mit dem „Gelben Engel“ ausgezeichnet wurde. Er lag nur auf Rang 169 der Liste. Bei der Leserwahl der „Auto, Motor und Sport“ hätte es der Q3 nicht einmal unter die Top Ten in der SUV-Klasse geschafft.

Ähnliches gilt laut Dudenhöffer für den Audi TT, der 2007 ausgezeichnet wurde und auf Rang 111 in der Statistik lag.

Wie der ADAC sein Geld verdient

Das ADAC-Imperium

Neben der Gelben Engeln bietet der ADAC etliche Dienstleistungen rund ums Auto an. So kommt Deutschlands größter Autoclub auf einen Umsatz von 895 Millionen Euro. Welche Sparten das Wachstum vorantreiben.

Schutzbriefversicherungen

Das Geschäft mit den Versicherungen macht den größten Anteil (49,8 Prozent) am Umsatz aus. Insbesondere der Auslandskrankenschutz von Deutschlands größten Automobilclub wird stark nachgefragt.

Autoversicherung

Über die ADAC Autoversicherung AG wickelt der Autoclub seine Geschäfte mit Autoversicherungen ab. Auch in diesem Geschäft profitieren die Gelben Engel von ihrem guten Ruf. Die Sparte macht 16,5 Prozent am ADAC-Umsatz aus.

Rechtsschutz

Ab rund 70 Euro im Jahr übernimmt der ADAC auch Anwalts-, Gutachter- oder Gerichtskosten. Das Geschäft mit dem Rechtsschutz macht 15,1 Prozent des Umsatzes aus.

Verlag

Reiseführer, Ratgeber, Karten - der hauseigene Verlag des ADAC gehört ebenfalls zu den Umsatztreibern und steuert rund 6,9 Prozent bei.

Finanzdienste

Eine goldene Kreditkarte, einen Autokredit oder ein Sparkonto für den Führerschein - all das bekommt man ebenfalls über den ADAC. Am Gesamtumsatz hat die Sparte aber nur einen Anteil von 5,5 Prozent.

Autovermietung

Auch die großen Autovermieter Sixt, Avis und Europcar arbeiten mit Europas größtem Autoclub zusammen. Der kassiert seinen Anteil. Die Sparte macht 4,3 Prozent des Umsatzes aus.

sonstige

Alle übrigen Sparten des ADAC kommen gemeinsam auf einen Umsatzanteil von 1,9 Prozent. Dazu gehören zum Beispiel Fahrsicherheitstraining und Handyverträge.

„Über mehrere Jahre treten beim ADAC deutliche Unregelmäßigkeiten und schwer erklärbare Ergebnisse auf. Präsident und Geschäftsführer hätten diese starken Unregelmäßigkeiten schon seit einigen Jahren auffallen müssen“, bilanziert Dudenhöffer.

Daraus ergeben sich für den Professor zwei Folgerungen. „Entweder Präsident und Geschäftsführer sind in wichtigen Dingen „ahnungslos“ oder wollen „ahnungslos sein“. In beiden Fällen sind Präsident und Geschäftsführer damit nicht in der Lage, Managementaufgaben verantwortungsvoll auszuüben.“

Die Stimmzahlen sind nach Angaben der Zeitung auch in den Vorjahren manipuliert worden und womöglich auch dabei Ränge verschoben worden. Die Vorjahre „sahen ähnlich übel wie die Wahl 2014 aus“, sagt ein Informant.

ADAC-Sprecher Christian Garrels sagte, er könne den Bericht nicht bestätigen: „Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Dem ADAC sind bisher keinerlei Ergebnisse bekannt“, sagte Garrels. „Den Zeitpunkt für die Veröffentlichung der Ergebnisse gibt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vor.“

Kommentare (7)

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audi

06.02.2014, 18:36 Uhr

Oky, war ja klar.

Ohne Bestechung würde nie einer auf die Idee kommen, dass BMW besser sein könnte, als ein echtes Qualitätsprodukt aus dem Hause Volkswagen.

eksom

06.02.2014, 18:41 Uhr

Moralischer Ver- und Zerfall im ganzen Land und auf allen Ebenen.
Die Zukunft sieht leider sehr sehr düster aus. Danke Merkel, Danke GroKo macht nur so weiter!

Account gelöscht!

06.02.2014, 19:15 Uhr

Es wird wohl die eine oder andere "Überraschung" noch zu Tage treten.
Auch bei der Wahl des Besten Autos 2014 kommen Zweifel in einzelnen Kategorien auf.
Nicht desto trotz wäre es bei der gegenwärtigen Aufarbeitung sehr sinnvoll, wenn man denn die einzelnen Wahlen mit Zahlen hinterlegen und diese dann auch veröffentlichen würde.

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