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09.08.2012

12:06 Uhr

Autos für die Massen

Ford fährt große China-Offensive

Quelle:MID

Auf dem größten Automarkt hat Ford noch einiges an Hausaufgaben zu erledigen. Das Erfolgsrezept der Amerikaner für China klingt aber zunächst einfach: ein größeres Modellangebot und vornehmlich Volumenmodelle.

Der Fiesta spielt eine wichtige Rolle in der Wachstumsstratege von Ford für den chinesischen Markt. MID

Der Fiesta spielt eine wichtige Rolle in der Wachstumsstratege von Ford für den chinesischen Markt.

Shanghai/ChinaAuf dem größten Automarkt in China hat Ford noch einiges an Hausaufgaben zu erledigen. Der zweitgrößte amerikanische Autobauer geht jetzt in die Offensive. Das Erfolgsrezept ist einfach: ein größeres Modellangebot und vornehmlich Volumenmodelle. Das aktuelle Problem von Ford in China lässt sich ebenfalls mit wenigen Worten beschreiben: Das Angebot weist keine wirklich günstigen Modelle auf. Auf der anderen Seite fehlt es an Highlights, wie für das besonders schnell wachsende Segment der SUV.

Derzeit bietet Ford in China fünf Modellreihen an. Der günstigste Ford ist der Fiesta. Allerdings ist er mit rund 100 000 RMB (Renminbi, 12 700 Euro) rund 40 Prozent teurer als das Einstiegsmodell von Erzrivale GM. Die amerikanische Nummer 1 geht in China mit dem Chevrolet Sail an den Start. GM lässt die bis zu 4,2 Meter lange Limousine als Schrägheck und Stufenheck direkt in China fertigen. Das ermöglicht einen günstigen Einsteigspreis von etwa 60 000 RMB (7 620 Euro). Als Antrieb dienen zwei Vierzylinder Benziner mit 64 kW/87 und 76 kW/103 PS.

Auch gegen das zweite chinesische Import-Schwergewicht sieht Ford noch nicht so gut aus. Volkswagen als einer der ersten ausländischen Autobauer überhaupt in China aktiv, profitiert vor allem von seiner extrem breit gestreuten Modellpalette. Sie startet beim Polo für etwas 78 000 RMB (9 900 Euro) und umfasst praktisch das gesamte Modellangebot von VW, Audi und Skoda. Längst produziert VW in China und betreibt ein eigenständiges Designbüro, das Modelle nur für den chinesischen Markt direkt auf den Geschmack des einheimischen Publikums abgestimmt entwickelt. Am oberen Ende des Angebot thront der Audi R8, für den ein chinesischer Käufer 3,2 Millionen RMB (404 500 Euro) hinblättern muss. Fünf der zehn beliebtesten chinesischen Pkw tragen das Wappen der Wolfsburger.

Die größten Automärkte der Welt

Platz 1

USA - 7,25 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Die Amerikaner haben die Lust am Autokauf wiederentdeckt. Im ersten Halbjahr legten die Verkaufszahlen um 15 Prozent zu.

Platz 2

China - 6,42 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Das rasante Wachstum in China verliert langsam an Fahrt. Trotzdem legte auch der chinesische Markt im ersten Halbjahr um neun Prozent zu.

Platz 3

Japan - 2,53 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Die Japaner haben die Tsunami-Katastrophe hinter sich gelassen. Kein Automarkt legte im ersten Halbjahr stärker zu. Insgesamt stiegen die Zulassungszahlen im ersten Halbjahr um 57 Prozent.

Platz 4

Deutschland - 1,64 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Auch wenn der deutsche Automarkt nur um ein Prozent im ersten Halbjahr wuchs: Damit erobern die Deutschen den vierten Platz zurück.

Platz 5

Brasilien - 1,63 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Der Automarkt im größten Land Südamerikas schwächelt im ersten Halbjahr etwas stärker als erwartet. Die Zulassungszahlen schrumpften um 0,4 Prozent.

Platz 7

Russland - 1,41 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Der russische Markt gehört zu den am stärksten wachsenden Automärkten der Welt. Die Zahl der Neuzulassungen stieg im ersten Halbjahr um Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent.

Platz 6

Indien - 1,48 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Auf der indischen Halbinsel wachsen die Zulassungszahlen rasant, insbesondere bei Kleinwagen. Satte 13 Prozent betrug das Wachstum allein im ersten Halbjahr - ein Ende ist nicht absehbar.

Klotzen statt Kleckern, heißt darum die Devise bei Ford, wenn es darum geht, den Rückstand in China aufzuarbeiten. Der Hersteller ist doppelt motiviert, seit die Geschäfte in Europa aufgrund der Wirtschaftskrise vor allem in den südlichen Ländern einbrechen. Die Verluste aus dem Europa-Geschäft summieren sich für 2012 wohl auf 800 Millionen Euro. In China dagegen prognostizieren Experten ein Wachstum des Automarkts für 2012 von verhaltenen fünf bis zu euphorischen acht Prozent. Das wären dann rund 20 Millionen neue Autos, einschließlich der Nutzfahrzeuge nur in China.

An erster Stelle geht es Ford darum, bei den Produktionsstätten verlorenes Terrain in China gut zu machen. Vorstandsvorsitzender Alan Mullaly kündigt ein Investitionsprogramm von rund vier Milliarden Euro für die Region bis 2020 an. Zu diesem Zeitpunkt will Ford ein Drittel seiner Verkäufe in China erzielen. Mit den passenden Modellen dürften sich die Amerikaner weniger schwer tun. Seit 2010 produzieren sie beispielsweise in Indien eine abgespeckte Version des Fiesta namens Figo. Der Hersteller investierte rund 400 Millionen Euro Für die Fertigung auf dem Subkontinent, die jährlich etwa 200 000 Einheiten ausliefert.

Mit dem Explorer will Ford am rasant wachsenden chinesischen SUV-Markt partizipieren. MID

Mit dem Explorer will Ford am rasant wachsenden chinesischen SUV-Markt partizipieren.

Ein wichtiger Baustein in der Wachstumsstrategie von Ford für China ist der Ausbau des Werks in Hangzhou, eine Autostunde westlich von Shanghai. Mit rund 600 Millionen Euro Investitionen will Ford das Werk auf einen jährlichen Ausstoß von 1,2 Millionen Fahrzeuge bringen; doppelt so viel wie heute. Bei der Produktstrategie kommen einmal dem Fiesta eine tragende Rolle zu, dazu kommt der Focus, der neue Mondeo für die Mittelklasse und der S-Max als Minivan.

Die besonders hohe Nachfrage und das überproportionale Wachstum bei den SUV wird Ford mit seiner breiten Palette besonders einfach bedienen können. Den Kuga und das kleine Modell Eco Sport wird Ford direkt in China produzieren, und den größeren Explorer aus den US-Fertigung einführen.

Mit dieser Wachstumsstrategie bekennt sich Ford zu den Volumenmodellen. Eine Einführung der Premiummarke Lincoln, um im automobilen Oberhaus Chinas gegen die deutschen Platzhirsche von Audi, BMW und Mercedes anzutreten, ist vorerst nicht geplant.

Kommentare (1)

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09.08.2012, 21:15 Uhr

Welche Chinesen wollen schon US Autos fahren? Als Prestige Fahrzeuge taugen sie nichts und billige Autos kommen aus anderen asiatischen Ländern oder China selbst.

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