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13.03.2012

14:38 Uhr

Autosalon Genf

Die Helden des Alltags erobern die Automesse

Quelle:dpa

Faszinierende Studien und hochtrabende Visionen - auch die gibt es auf dem Genfer Autosalon. Doch mehr denn je achtet die Branche auf Bodenhaftung und präsentiert vor allem Autos für den Alltag.

Mercedes A-Klasse dpa

Mercedes A-Klasse

Genf"Willkommen im Auto-Frühling" - viel passender hätte VW seine Pressekonferenz auf dem Genfer Autosalon (Publikumstage: 8. bis 18. März) kaum beginnen können. Denn wie keine andere Messe steht der Branchengipfel in der Schweiz für Optimismus und Aufbruch. Haben die Autohersteller dabei zuletzt gern den Blick in die ferne Zukunft geprobt, bewahren sie dieses Mal Bodenhaftung. Nicht faszinierende Studien, hochtrabende Visionen und innovative Technologieträger stehen im Rampenlicht.

Kompakte Überraschungen in Genf

Video: Kompakte Überraschungen in Genf

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Die Stars der Show sind Autos wie der neue Audi A3, die Mercedes A-Klasse, der Peugeot 208 oder der Kia Cee'd, die fast unmittelbar nach der Messe schon beim Händler stehen sollen. Fahrzeuge für den Alltag also, mit zivilem Preisniveau im Vergleich zu den Dream-Cars.

Das gilt auch für viele Neuheiten, mit denen die Hersteller neue Nischen schaffen: "Nie war es so leicht, neue Varianten zu entwickeln wie heute", sagt Mercedes-Designer Steffen Köhl. Dank Plattformstrategien und Komponentenbaukästen lassen sich heutzutage neue Fahrzeuge schnell auf die Räder stellen.

So erklärt sich auch, weshalb Opel dank der Bauteile aus dem Corsa vergleichsweise schnell den kleinen Geländewagen Mokka parat hat, weshalb bei Ford jetzt unter S-Max und C-Max ein kleiner Van namens B-Max auf Familienfang geht und weshalb der Fiat 500 nun als Stretchversion zum Viertürer mit vernünftigem Platzangebot im Fond wird.

Selbst der Dacia Lodgy, mit dem die Renault-Schwester ihr Angebot um ihren ersten Van erweitert, stammt aus einem Baukasten. Als Basis dient nach Angaben des Unternehmens der Vorgänger des aktuellen Renault Scénic. Ebenfalls ein Kind des Baukastens ist der Seat Toledo, mit dem die spanische VW-Tochter wieder auf die Erfolgsspur finden will. "Die Legende ist zurück", wirbt Firmenchef James Muir und verspricht für das sportlich gezeichnete Stufenheck ein Preisniveau, das seines gleichen suchen werde. Mehr als 15.000 Euro, so hört man bei den Spaniern, soll der Wagen nicht kosten. Ab Herbst wird er verkauft.

Zurück zur alten Stärke - das gilt auch für Neuheiten wie den Mitsubishi Outlander oder den Honda CR-V. Andere Marken dagegen versuchen ihr Glück auf neuem Terrain: Chevrolet bringt den Cruze erstmals als Kombi. Nissan stellt mit dem Invitation nicht nur den Nachfolger des Note in Aussicht, sondern präsentiert mit dem Hi-Cross-Concept auch den Entwurf für einen großen Bruder des Qashqai. Und Mini macht aus dem Clubman einen Clubvan.

Waren die vergangenen Jahre in Genf geprägt von einer elektrischen Euphorie, regiert in diesem Jahr eine große Ernüchterung: «Der Verbrenner feiert sein Comeback», urteilen Experten wie der Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer. Bestätigung findet diese Einschätzung in den neuen Dreizylinder-Benzinern bei Ford oder Peugeot.

Oder den Vierzylindermotoren mit Zylinderabschaltung, die etwa VW im neuen Polo BlueGT einbaut. Der Wolfsburger benötigt im Schnitt nur 4,5 Liter Sprit. Abgesehen von der Premiere des Renault Zoe, ist von Elektroautos auf dieser Messe kaum die Rede.

Kia Cee'd dpa

Kia Cee'd

Mit einer weiteren Ausnahme: Die beiden elektrischen Zwillinge Chevrolet Volt und Opel Ampera sind in Genf gerade zum Auto des Jahres gekürt worden. Kurz darauf wurde bekannt, dass GM mangels Nachfrage die Produktion für fünf Wochen anhält. Der Hybridantrieb dagegen soll nun endlich den Massenmarkt erobern: Toyota zeigt den Yaris Hybrid, den die Japaner Mitte Juni zu einem Kampfpreis von 16.900 Euro anbieten.

Kompaktwagen bezeichnet Daimler-Entwicklungschef Thomas Weber im Gespräch mit Handelsblatt Online auch für den Stuttgarter Autobauer als „wichtigstes Segment, das besonders stark wächst“. Er wittert ein „riesiges Marktpotenzial“. Um davon zu profitieren, haben die Schwaben als ersten Schritt die neue A- und B-Klasse stärker voneinander differenziert und planen in diesem Bereich eine Familie von fünf Modellen, mit der sie der Konkurrenz massenhaft Käufer abjagen wollen. In Zukunft hoffen sie im Zusammenspiel mit Renault-Nissan auf noch mehr Schlagkraft.

Es ist kein Wunder, dass sich neben Daimler inzwischen auch BMW mit dem 1er im Kompaktwagensegment tummelt, das Audi vor rund 15 Jahren für die Premiumhersteller entdeckt hat. Pünktlich zum Genfer Auto-Salon ist der A3 nun wie die A-Klasse von Mercedes neu aufgelegt worden. Denn immer mehr Menschen leben in Metropolen oder gar Megacitys. Und dort sind kleine Autos gefragt.

Sehr wichtig sind Kleinwagen auch für PSA. Mit seinem verkaufsträchtigsten Modell ist der Mutterkonzern von Peugeot und Citroën allerdings nicht in der Golf-Klasse vertreten, sondern konkurriert beispielsweise mit dem VW Polo. In die Neuauflage, den Peugeot 208, setzt Markenchef Frédéric Saint-Geours große Hoffnungen. „Der Wagen ist sehr wichtig für das Image und das Volumen“, sagt er im Gespräch mit Handelsblatt Online auf dem Genfer Auto-Salon – kein Wunder, hat er doch einen Anteil von einem Siebtel an der Jahresproduktion von insgesamt 3,5 Millionen Fahrzeugen.

Das Ziel der Franzosen, die wegen der angespannten Situation des Konzerns eine Milliarde Euro einsparen müssen und 6000 Stellen streichen, ist ambitioniert: Mit dem 208 wollen sie wie mit den Vorgängern 205, 206 und 207 Nummer eins des Segments werden. Davon sind sie im Moment weit entfernt.

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