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16.07.2015

10:44 Uhr

Bentleys neuer Continental

Feinschliff für die Kronjuwelen

VonBenjamin Bessinger
Quelle:Spotpress

Facelift? Was für ein profanes Wort bei einem derart vornehmen Auto! Aber selbst ein Bentley muss ein bisschen mit der Zeit gehen. Deshalb haben die Briten ihre wichtigste Baureihe jetzt überarbeitet. Aber ganz dezent.

Fahrbericht: Bentley Continental - Feinschliff für die Kronjuwelen Bentley

Hätten Sie es erkannt?

Nach gerade mal vier Jahren hat die VW-Nobeltochter Bentley ihr "Einstiegsmodell" Continental überarbeitet. Dezent, natürlich.

Investitionen von vielen hundert Millionen, Heerscharen von neuen Mitarbeitern und das halbe Werk umgekrempelt – seit vier Jahren gibt es für Bentley nichts Wichtigeres als die bevorstehende Premiere des Bentayga. Doch bis der Geländewagen mal das meistverkaufte Modell der vornehmen VW-Tochter wird, gebührt diese Ehre noch dem Continental, dem die Entwickler deshalb auch noch einmal etwas Aufmerksamkeit widmen.

Zwar ist die zweite Generation des sportlichen Luxusliners gerade erst vier Jahre alt und so ein profanes Wort wie „Facelift“ kommt den Briten ohnehin nicht über die Lippen. Aber weil auch Kronjuwelen mal ein bisschen Feinschliff brauchen, wird der Besteller in diesem Sommer dezent aufgewertet.

Allerdings muss man schon sehr genau hinschauen, um die Änderungen zu erkennen. Bei so einem präsenten Design für Coupé und Cabrio kann man die neue Frontschürze mit dem etwas kleineren Grill, die weiter ausgestellten Kotflügel mit dem schnellen „B“ in den Kiemen, den retuschierten Heckdeckel und den geänderten Diffusor schon einmal übersehen.

So opulent, wie der Innenraum ausgeschlagen ist, stechen die neuen Steppnähte auf den Sitzen, die sorgsam modifizierten Instrumente und die größeren Schaltpaddel am Lenkrad nun auch nicht ins Auge. Und dass in der Mittelkonsole jetzt eine neue Uhr thront, werden Bentley-Fahrer geflissentlich ignorieren. Dem Glücklichen schlägt schließlich keine Stunde.

Kurzcharakteristik
Warum? Weil genug nicht genug ist
Warum nicht?Weil man ja nicht immer im Mittelpunkt stehen will
Was sonst?S-Klasse Coupé oder Rolls-Royce Wraith
Wann?Ausgeliefert wird ab sofort

Wie glücklich man an Bord eines Bentleys ist, merkt man spätestens beim Druck auf den Startknopf. Denn egal, ob unter der Haube der 4,0 Liter große V8-Motor mit 507 oder 528 PS steckt oder der W12 mit seinen 6,0 Litern Hubraum und jetzt 590 oder 635 PS – viel souveräner kann man sich mit einem Auto kaum fortbewegen.

Zwar ist die zweite Generation des sportlichen Luxusliners gerade erst vier Jahre alt und so ein profanes Wort wie „Facelift“ kommt den Briten ohnehin nicht über die Lippen.  Bentley

So ein profanes Wort wie „Facelift“ kommt den Briten ohnehin nicht über die Lippen.

Weil auch die längste Gerade einmal zu Ende geht haben die Briten auch besonders imposante Bremsen eingebaut: Karbon-Keramik-Scheiben groß wie Pizzateller.

Weil Bentley zwar nicht mit der Mode gehen muss, sich aber zumindest an die Gesetze halten sollte, hatten die Briten unter der Haube beim Feinschliff ein bisschen mehr zu tun und mussten alle vier Antriebsvarianten über die Hürden der Euro 6-Norm heben. Bei der Gelegenheit haben sie vor allem an der Grundversion des Zwölfzylinders ordentlich gearbeitet, die Leistung um 15 auf 590 PS gesteigert, das Drehmoment noch einmal um 20 Nm angehoben und zumindest fürs gute Gewissen den Verbrauch um fünf Prozent gesenkt.

Dafür schaltet der W12-Motor im Teillastbetrieb wechselweise die rechte oder die linke Zylinderbank ab und fährt nur noch auf sechs Flammen.

Aber warum mit mageren 590 PS zufrieden geben, wenn man auch 635 Pferde traben lassen kann? Eben! Weil genug auch oder gerade in diesen Kreisen nie genug ist und Geld in der Regel keine Rolle spielt, legt traditionell fast jeder zweite Continental-Kunde noch einmal rund 20.000 Euro drauf.

Egal, ob unter der Haube der 4,0 Liter große V8-Motor mit 507 oder 528 PS steckt oder der W12 mit seinen 6,0 Litern Hubraum und jetzt 590 oder 635 PS. Bentley

Souveräner kann man sich mit einem Auto kaum fortbewegen.

Egal, ob unter der Haube der 4,0 Liter große V8-Motor mit 507 oder 528 PS steckt oder der W12 mit seinen 6,0 Litern Hubraum und jetzt 590 oder 635 PS.

Dann kauft er für 216.104 Euro den Continental GT Speed  und bekommt dafür zwei Autos in einem: Hier den feudalen Luxusliner, der opulenter ausgeschlagen und komfortabler abgestimmt ist als jedes andere Coupé diesseits des Rolls-Royce Wraith. Und da den wütenden Wadenbeißer, der jeden Lamborghini locker vor sich her scheucht.

Und das Beste daran: Für den Wechsel vom einen ins andere Extrem braucht es kaum mehr als ein paar Millimeter Pedalweg und den Griff zum Schaltknauf, den man eine Raste weiter in die Sportstellung schiebt.

Dann fängt der eben noch so vornehme Zwölfzylinder plötzlich lustvoll an zu grölen. Sobald die famose Achtgang-Automatik herunterschaltet oder man den Fuß ein wenig lupft, grollt es in den beiden Endrohren, als würde gleich ein gewaltiges Gewitter aufziehen. Und als wäre die Schwerkraft auf Knopfdruck mal eben außer Dienst gestellt, schwänzelt der 2,3 Tonnen schwere Brite mit seinem Allradantrieb plötzlich so behände durch die Kurven wie ein Elefant im Eiskanal.

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