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05.01.2016

15:22 Uhr

Bilanz des Oldtimer-Jahres 2015

Autoversteigerer in Partylaune

VonHans-Robert Richarz

Die Klage, so sagt ein geflügeltes Wort, sei des Kaufmanns Gruß. Für Versteigerer klassischer Fahrzeuge kann diese Regel nicht angewendet werden. Sie dürften zurzeit aus dem Feiern überhaupt nicht mehr herauskommen.

Unter den zehn teuersten Klassikern, die 2015 für insgesamt 140 Millionen Euro bei Auktionen den Besitzer wechselten, waren allein sechs Ferrari. Sotheby’s

Hier kommt der 1956er Ferrari 290 MM Scaglietti unter den Hammer

Unter den zehn teuersten Klassikern, die 2015 für insgesamt 140 Millionen Euro bei Auktionen den Besitzer wechselten, waren allein sechs Ferrari.

Die Bezeichnung „RM Group of Companies“ dürfte bislang nur Fachleuten etwas sagen. Aber hinter dem Begriff steckt der likrative Zusammenschluss der beiden wichtigsten Auktionshäuser der Welt für automobile Raritäten: Auction America und Sotheby's. Unter dem Zuschlagshammer der Unternehmen landen häufig Traumkarossen amerikanischer, britischer, deutscher oder italienischer Herkunft, deren Wert sich regelmäßig im siebenstelligen Bereich bewegt. Der Jahresumsatz der RM Group mit automobilen Spezialitäten belief sich 2015 auf mehr als eine halbe Milliarde, nämlich genau auf 541 Millionen Euro.

Für Rob Myers, Präsident und Gründer der RM-Gruppe, der keine weiteren Ergebniszahlen nennen möchte, ist die Summe ein Beweis für „einen gesunden Markt für Produkte mit höchster Qualität.“ Sotheby's allein war 2015 für einen Umsatz mit Liebhaber-Karossen von 480 Millionen Euro verantwortlich.

Bei zehn Auktionen in vier Ländern kamen 784 Fahrzeuge erfolgreich unter den Hammer. Für 113 dieser Autos wurden jeweils mehr als 4,5 Millionen Euro gezahlt, sechs erzielten Auktionssummen von mehr als zehn Millionen.

Auf den ersten fünf Plätzen der Erfolgsskala lagen bei Sotheby's:
• ein Ferrari 290 MM von 1956 mit 25,6 Millionen Euro
• ein Ferrari 250 LM von 1964 mit 16 Millionen Euro
• ein Aston Martin DB4GT Zagato von 1962 mit 13 Millionen Euro
• ein McLaren F1 "LM-Specification" von 1998 mit 12,5 Millionen Euro, und mit gleichem Ergebnis jeweils
• ein Ferrari 250 GT Berlinetta Competizione "Tour de France" von 1956 und
• ein Jaguar C-Type Works Lightweight von 1953 mit zwölf Millionen Euro.

Die erfolgreichste Veranstaltung erlebte Sotheby's im kalifornischen Monterey anlässlich des berühmten Pebble Beach Concours d’Elegance im Sommer, einer Pflichtveranstaltung für wohlhabende Oldtimer-Fans aus aller Welt. Andere Highlights waren Auktionen in Arizona, Paris, Amelia Island, Hershey und New York. Ebenfalls herausragend die Versteigerung der Oldtimer-Sammlung von Paul and Chris Andrews im Mai in Texas, die 50 Millionen Euro einspielte.

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Welche Autos sind in 30 Jahren Klassiker? Diese Frage kann heute niemand abschließend beantworten. Fest steht aber: Es werden nur wenige Fahrzeuge überleben und das liegt nicht nur an der Elektronik.

Dass die Marke Ferrari gleich mit sechs Exemplaren unter den zehn ertragreichsten Fahrzeugen vertreten ist, wundert nicht. Schließlich besitzen die Fahrzeuge aus dem italienischen Maranello schon seit einigen Jahren den höchsten Wiederverkaufswert aller Automobile.

Für den Wirtschaftsdienst Bloomberg zählen historische Fahrzeuge nach wie vor neben Finanzprodukten wie Hedge Funds zu den ertragreichsten Investments. Die Klassikexperten von Historic Automobile Group International (HAGI) errechneten in den letzten Jahren im Markt der besonders edlen Vintage-Autos eine durchschnittliche Rendite von 25 Prozent.

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