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08.01.2011

07:19 Uhr

Biosprit

Illusion im Tank

VonFritz Vorholz
Quelle:Zeit Online

Das Jahr 2011 beginnt mit einer Lüge: mit der Biospritlüge. Zehn Prozent Bio dürfen ab sofort im Kraftstoff sein und aus einer speziell gekennzeichneten Zapfpistole schießen. Doch der neue E10-Kraftstoff schadet der Umwelt mehr, als er ihr nützt.

Der neue Kraftstoff schadet der Umwelt mehr, als er ihr nützt. dpa

Der neue Kraftstoff schadet der Umwelt mehr, als er ihr nützt.

Das Jahr 2011 beginnt mit einer Lüge: Zwecks Erfüllung europäischer Vorgaben und im Namen des Klimaschutzes zwingen Umweltpolitiker in die Tanks von Benzinautos eine Substanz, die zwar das Etikett Bio trägt, aber alles andere als Öko ist: Ethanol, hergestellt beispielsweise aus Weizen oder Zuckerrüben, jedenfalls aus nachwachsenden Rohstoffen und allein deshalb politisch korrekt. Scheinbar.

Zehn Prozent Bio dürfen ab sofort im Kraftstoff sein und aus einer speziell gekennzeichneten Zapfpistole schießen. Getroffen werden die Umwelt und der Autofahrer. Vielleicht merkt Letzterer, dass er mit einer Tankfüllung der neuen Sorte namens E10 weniger weit kommt als mit herkömmlichem Sprit. Was er nicht merkt, ist der Umstand, dass die Umwelt dabei womöglich mehr geschädigt wird als mit fossilem Treibstoff im Tank.

Es ist tatsächlich nicht einmal ausgemacht, dass E10 der Erdatmosphäre auch nur ein einziges Gramm Treibhausgas erspart. Für eine Menge davon sorgen nicht nur Kunstdünger und energieintensive Verfahren bei der E10-Herstellung; hinzu kommen indirekte Effekte durch die Umwandlung von Wald, Weide oder Brache in Ackerland. Unterm Strich kann Autofahren mit dem Biosprit deshalb klimaschädlicher werden, als es ohnehin ist. Obendrein, als wäre das Maß nicht schon voll, kann der Ethanolzusatz dafür sorgen, dass mehr Kohlenwasserstoffe aus dem Kraftstoffsystem der Fahrzeuge entweichen.

Und das soll Öko sein?

Es ist ein ohne Not erzeugtes Desaster, das da droht. Eines, das außerdem sündhaft teuer ist. Selbst wenn die E10-Klimabilanz besser wäre – billiger ließe sich CO2 allemal mithilfe sparsamerer Autos vermeiden. Niemand hat nach dem neuen Sprit gerufen, jedenfalls nicht die Autofahrer, nicht die Umweltverbände und nicht die Mineralölkonzerne. Dennoch werden die Multis das in der Herstellung teurere E10 so zu vermarkten suchen, dass der Absatz gesichert ist. Andernfalls müssten sie nämlich Strafe zahlen, wegen Missachtung der staatlich verordneten Bioquote.

Kommentare (9)

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Domenq

08.01.2011, 10:01 Uhr

Ab 25 Liter gibt es eine Quecksilber-Spar-birne gratis dazu.

WPITZ

08.01.2011, 12:50 Uhr

E10 - biosprit? - Reiner Lobbysprit !!

Margrit Steer

08.01.2011, 17:36 Uhr

Eine solche Studie habe ich vor kurzem auch gelsesen.
Seröse Wissenchaftler haben offenbar von der Politik Redeverbot bekommen. Denn diese Wissenschaftler haben das schon lange gesagt.

Dieses ganz Öko ist mittlerweile nichts anderes als eine einzige große Lüge und Leuteverdummung und nichts anderes als Geschäft, was wir bürger auch noch finanzieren.
Hinzu kommt, dass für diese Spinnerei die in Deutschland ja mal wieder enorm hoch ist, der Regenwald nach wie vor abgeholzt wird. Man will dort Raps und Palmpflanzen anpflanzen, also der Umwelt noch mehr Schaden zufügen.
Wann stoppen wir diesen Öko-irrsinn und diese ganzen Öko-Lügen?
Wir sind das Volk. Wann gehen wir geschlossen auf die Straße?

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