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08.12.2014

12:05 Uhr

Bischofs-Dienstwagen

Kirchenfürsten wenig klimafreundlich

VonKlaus Lockschen
Quelle:Spotpress

Protestantische Kirchenoberhäupter entscheiden bei der Wahl ihrer Dienstwagen umweltfreundlicher als ihre katholischen Kollegen. Viele Bistümer verweigern dem Papst die Gefolgschaft in Sachen automobiler Bescheidenheit.

Bischofs-Dienstwagen - Konfessionsgefälle beim Kohlendioxid-Ausstoß Daimler

Bischofs-Dienstwagen: Konfessionsgefälle beim Kohlendioxid-Ausstoß

Deutschlands Kirchenführung fährt etwas klimafreundlicher als früher. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Zum vierten Mal hatte die DUH die katholischen und evangelischen Oberhirten zu ihren Dienstwagen befragt.

Das Ergebnis: In den 52 Bistümern und Landeskirchen hierzulande halten 24 Dienst-Limousinen der jeweiligen Kirchenobersten den seit 2012 geltenden CO2-Grenzwert von 130 Gramm CO2 pro Kilometer ein.

Dafür gibt es von der DUH die "Grüne Karte". Im vergangenen Jahr hatte die Umwelthilfe nur 14 Mal Grün verteilt. Gleichzeitig sank die Zahl der gelben Karten (131 – 156 g CO2/km) geringfügig von 20 auf 19. Die rote Karte (ab 157 g CO2/km) wurde in diesem Jahr acht Mal gezückt, fünf Mal weniger als im Vorjahr.

Der päpstliche Ruf zur Bescheidenheit auch bei der Wahl des Automobils hat die Bistümer wohl nicht erreicht, konstatiert die DUH. Statt, wie im Vatikan vorgelebt, stärker auf sparsamere, umweltfreundlichere und weniger prunkvolle Fahrzeuge umzusteigen, verweigere die Mehrheit der katholischen Statthalter in Deutschland die Gefolgschaft.

Sämtliche roten Karten gingen in diesem Jahr an die katholische Kirche. Allerdings auch acht grüne Bewertungen nach lediglich drei im vergangenen Jahr.

Dennoch ist der Durchschnittswert der im katholischen Auftrag rollenden Limousinen mit 143 g CO2/km immer noch deutlich über dem Mittelwert von 135 Gramm. Die evangelischen Würdenträger liegen gemittelt bei 125 Gramm.

Da sieht die DUH in puncto umweltfreundlichem Fahren in den katholischen Reihen noch viel Nachholbedarf. Recht zufrieden äußert sich die Organisation über das evangelische Spitzenpersonal.

Dass bei der Dienstwagenbeschaffung dem Aspekt Umweltfreundlichkeit besondere Bedeutung beigemessen werden kann, beweist Landesbischof Jochen Bohl von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.

Dessen Mercedes E300 Blue TEC Hybrid stößt auf jedem seelsorgerisch oder sonstigem Dienstkilometer lediglich 99 g CO2 aus und bleibt damit das einzige Fahrzeug unter der Marke von 100.

Am Ende der Liste mit einem Dunkelrot „wie im Fegefeuer“, wie DUH-Chef Jürgen Resch erklärte, steht weiterhin Bischof Franz-Josef Overbeck vom Bistum Essen mit einem VW Phaeton V6TDI 4Motion und einem CO2-Ausstoß von 224 g CO2/km.

Dass es im Übrigen nicht immer eine bayerische oder schwäbische Limousine sein muss, zeigt Landessuperintendent Dietmar Arends von der Lippischen Landeskirche. Er fährt einen Golf Plus 1.6 TDI (114 g CO2/km).

Zu viel Bescheidenheit kann allerdings auch in ihr Gegenteil umschlagen, beweist der Stellvertreter Gottes auf Erden. Papst Franziskus erhielt im vergangenen Jahr als Geschenk eines Priesters einen 30 Jahre alten Renault R4, 30 PS unter der Haube und 300.000 Kilometer auf dem Buckel, und nutzte ihn.

Allerdings ist das gute Stück wenig klimafreundlich, bläst es doch 177 g CO2/km in den Himmel des Vatikans. Die DUH müsste da wohl die rote Karte zeigen.

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