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10.10.2013

10:07 Uhr

Blitz-Marathon

Dauerkontrolle auf Deutschlands Straßen

Runter vom Gas! In einer bislang beispiellosen Aktion führen 15.000 Polizisten heute 24 Stunden lang bundesweit an 8.700 Stellen Geschwindigkeitskontrollen durch. Das Pilotprojekt in NRW gilt als voller Erfolg.

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Blitz-Marathon ist keine Abzocke

Handelsblatt in 99 Sekunden: Blitz-Marathon ist keine Abzocke

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Düsseldorf, BerlinAutofahrer aufgepasst! An diesem Donnerstag sind beim bundesweiten Blitz-Marathon an mehr als 8.700 Stellen fast 15.000 Polizisten in Stellung gegangen. Mit Radar- und Lasergeräten machen sie 24 Stunden lang Jagd auf Temposünder. Die Innenministerkonferenz hatte die bundesweite Aktion im Mai beschlossen. Alle 16 Länder und Stadtstaaten beteiligen sich, wie das NRW-Innenministerium am Mittwoch in Düsseldorf sagte. Die Idee stammt aus NRW, wo bereits viermal landesweit kontrolliert wurde.

Wo die Radarfallen beim Blitz-Marathon zuschnappen

Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg sind alle verfügbaren Blitzgeräte im Einsatz. Wie viele das sind und wo sie genau stehen, listet die Polizei nicht auf. Wer es genau wissen will, müsse bei den einzelnen Polizeidiensstellen nach Blitzer-Standorten fragen.

Bayern

In Bayern wird an etwa 1.400 Stellen geblitzt. Die Polizei weist allerdings darauf hin, dass auch an Orten kontrolliert werden kann, wo es nicht angekündigt wurde. Hier geht's zur Übersicht.

Berlin

Neben den 199 stationären Blitzern sind in Berlin mehrere mobile Kontrollstreifen im Einsatz. Hier geht's zur Übersicht.

Brandenburg

Rund 575 Polizisten des Landes Brandenburg werden heute an etwa 400 Messstellen die Einhaltung der Geschwindigkeiten kontrollieren. Hier geht's zur Blitzer-Übersicht.

Bremen

In Bremen blitzt die Polizei an 18 Stellen. Hier geht's zur Übersicht.

Hamburg

Etwa 300 Kontrollstellen wurden in Hamburg auf Vorschlag der Bürger ausgewählt. Hier geht's zur Übersicht.

Hessen

Die Polizei Hessen gab 387 Messstellen bekannt. Hier geht's zur Übersicht.

Mecklenburg-Vorpommern

Auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es neben den stationären Blitzern einige Videowägen, die den Marathon mobil begleiten. Hier geht's zur Übersicht.

Niedersachsen

In Niedersachsen wird an 459 Messorten geblitzt. Der Schwerpunkt liegt wie bei den letzten beiden Blitzmarathons in Niedersachsen hauptsächlich auf den Landstraßen außerhalb von Städten und Ortschaften. Hier geht's zur Übersicht.

Nordrhein-Westfalen

In NRW hat der Blitz-Marathon Tradition: Bereits zum fünften Mal wird dort in großem Stil kontrolliert. Polizei und Kommunen richten mehr als 3.100 Kontrollstellen ein, fast 4000 Mitarbeiter sind im Einsatz. Hier geht's zur Übersicht.

Rheinland-Pfalz

Die Polizei Rheinland-Pfalz teilt auf ihrer Webseite mit: „An über 450 Kontrollstellen sind wir präsent. Hier geht's zur Übersicht.

Saarland

Die saarländische Polizei ist beim Blitz-Marathon mit mobiler und stationärer Messtechnik dabei. An vier der Kontrollstellen gibt es sogar ein verkehrsberatendes Gespräch. Hier geht's zur Übersicht.

Sachsen

Auch Sachsen listet die einzelnen Blitzer-Standorte laut Staatsministerium nicht auf.

Sachsen-Anhalt

An 216 Stellen im Land wird geblitzt. Wo genau wurde erst am Donnerstag veröffentlicht. Hier geht's zur Übersicht.

Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein beteiligen sich alle Polizeidirektionen der Landespolizei und zahlreiche Kommunen am Blitz-Marathon und kontrollieren vor allem dort, wo häufig Unfälle passieren. Hier geht's zur Übersicht.

Thüringen

In Thüringen wird an rund 150 Stellen die Geschwindigkeit kontrolliert. Hier geht's zur Übersicht.

Am Donnerstagmorgen um 6.00 Uhr gingen die Beamten in Position. Am Freitagmorgen um 06.00 Uhr sollen die letzten Posten geräumt werden. Zum Konzept gehört, die Kontrollstellen vorab zu veröffentlichen. Es gehe nicht darum, möglichst viele Autofahrer zur Kasse zu bitten, sondern ihr Verhalten nachhaltig zu ändern, erklärte das Ministerium. Entsprechend wurden in NRW bei den bisherigen Blitz-Marathons nur etwa halb so viele Autofahrer erwischt wie bei normalen Tempokontrollen ohne Vorankündigung.

Fragen Blitzmarathon

Warum werden die Stellen veröffentlicht?

Weil es den Behörden nach eigenen Aussagen nicht darum geht, möglichst viele Bußgelder einzunehmen, sondern das Bewusstsein für Tempolimits zu schärfen. Damit könnten noch mehr Leben im Straßenverkehr gerettet werden, hieß es.

Was passiert beim Blitzer-Marathon?

Kurz gesagt: 24 Stunden geballte Radar- und Laserkontrollen in ganz Deutschland. An mehr als 8700 Stellen sind von Donnerstag um sechs Uhr morgens 24 Stunden lang fast 15.000 Polizisten im Einsatz, um so viele Temposünder wie möglich zu erwischen. Die Orte der Kontrollen stehen aber für jedes Bundesland schon fest und können zum Teil schon im Internet eingesehen werden.

Wer organisiert die Aktion?

Die Innenministerkonferenz hatte im Mai beschlossen, die Initiative einheitlich in ganz Deutschland zu starten. Durchgeführt wird sie aber von der Polizei in den einzelnen Bundesländern. Die Idee stammt aus NRW, wo es schon vier solcher Marathon-Tage gab.

Macht das überhaupt Sinn?

Der ADAC hält die Maßnahme für sinnvoll, um die Zahl der Verkehrstoten von 3600 (2012) weiter zu senken - zumindest, wenn die Polizisten die Temposünder direkt auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen. In NRW, wo es ja schon mehrere Blitzertage gab, ist die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten seit 2012 außerdem überdurchschnittlich stark gesunken.

Und was sagen Kritiker dazu?

Der Verein „Mobil in Deutschland“ ist beispielsweise der Meinung, dass es beim Blitz-Marathon nur darum geht, die Staatskasse zu füllen. Auch der hessische FDP-Justizminister Jörg-Uwe Hahn schimpfte: „Dies ist Volkserziehergehabe, wie es in autoritären Staaten üblich sein mag.“

"Wir wollen nicht still und heimlich hinterm Busch blitzen, sondern jeder soll sich an dem Tag mit dem Thema beschäftigen", sagt NRW-Innenminister Jäger. Ziel sei, das Verhalten der Autofahrer zu ändern. In Nordrhein-Westfalen gab es bereits viermal 24-stündige Tempokontrollen. Die Kontrollstellen werden dabei vorab bekanntgegeben. Beim bislang letzten, vierten "Blitz-Marathon" waren etwa 28.000 Autofahrer mit zu hoher Geschwindigkeit erwischt worden. 700.000 wurden kontrolliert.

Die Quote der ertappten Autofahrer ist dabei etwa halb so hoch wie sonst bei Tempokontrollen. Daten aus Städten wie Köln und Dortmund legten nahe, dass die Autofahrer ihr Tempo seit Beginn der Aktionen in NRW gedrosselt hätten, so der NRW-Innenminister. Auch sei die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten seit 2012 überdurchschnittlich stark gesunken. Dies seien Anzeichen für einen nachhaltigen Erfolg.

So teuer wird's für Raser innerhalb geschlossener Ortschaften

bis 10 kmh

15 Euro

11-15 kmh

25 Euro

16-20 kmh

35 Euro

21-25 kmh

80 Euro, 1 Punkt

26-30 kmh

100 Euro 3 Punkte

31-40 kmh

160 Euro, 3 Punkte, 1 Monat Fahrverbot

41-50 kmh

200 Euro, 4 Punkte, 1 Monat Fahrverbot

51-60 kmh

280 Euro, 4 Punkte, 2 Monate Fahrverbot

61-70 kmh

480 Euro, 4 Punkte, 3 Monate Fahrverbot

über 70 kmh

680 Euro, 4 Punkte, 3 Monate Fahrverbot

Inzwischen habe sich der 24-Stunden-Blitz-Marathon zum internationalen Exportschlager entwickelt, heißt es. Im Kampf gegen zu schnelles Fahren gehe die Polizei jetzt auch in Finnland, Portugal, Polen, Irland, Niederlande, Luxemburg und Australien mit Großeinsätzen nach nordrhein-westfälischem Muster gegen Raser vor. Die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten in NRW sei seit 2012 überdurchschnittlich stark gesunken.

Auch der Automobilclub ADAC hält die Aktion für sinnvoll. Sie sei ein Mosaiksteinchen, um die Zahl von Unfällen und Verkehrstoten - 2012 waren es 3600 - weiter zu verringern. Wichtig sei aber ebenso das direkte Gespräch mit den Geblitzten: „Der Verkehrsteilnehmer sollte direkt nach dem Verstoß angehalten und informiert werden. Dadurch wird der erzieherische Effekt größer“, sagte Sprecher Andreas Hölzel.

So teuer wird's für Raser außerhalb geschlossener Ortschaften

bis 10 kmh

10 Euro

11-15 kmh

20 Euro

16-20 kmh

30 Euro

21-25 kmh

70 Euro, 1 Punkt

26-30 kmh

80 Euro, 3 Punkte

31-40 kmh

120 Euro, 3 Punkte

41-50 kmh

160 Euro, 3 Punkte, 1 Monat Fahrverbot

51-60 kmh

240 Euro, 4 Punkte, 1 Monat Fahrverbot

61-70 kmh

440 Euro, 4 Punkte, 2 Monate Fahrverbot

über 70 kmh

600 Euro, 4 Punkte, 3 Monate Fahrverbot

Scharfe Kritik kam dagegen aus der hessischen Landespolitik: „Dies ist Volkserziehergehabe, wie es in autoritären Staaten üblich sein mag“, schimpfte Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) am Mittwoch in Wiesbaden. Er sprach von einem „martialischen Auftritt der Innenminister“, der wegen der stark gesunkenen Zahl der Verkehrstoten völlig unverhältnismäßig sei.

Von

dpa

Kommentare (47)

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Be_Frank

09.10.2013, 22:54 Uhr

Die staatliche Überwachung des NS Staates war auch ein voller Erfolg. Es ist beschämend zu sehen, wie Deutschland sich wieder zu einem Polizei Staat erster Güte entwickelt.
Es ist an der Zeit die Verbrecher in den Staatskanzeleien vor Gericht zu bringen.

Account gelöscht!

09.10.2013, 23:29 Uhr

@ Be Frank
kann ich nur zustmmen.

Erzieherischer Effekt ???
Entschuldigung, meine Erziehung ist längst abgeschlossen. Wer gibt diesem Hötzel eigentlich das Recht, mit einem derart demagogischen Geschwätz an die Öffentlichkeit zu treten? Wo bleibt der erzieherische Effekt, wenn es um Verbrechensbekämpfung geht? 15.000 Staatsdiener sollen auf Befehl von Oben die Untertanen erziehen - ein typisch Grüner Gutmensch.
Wie viel Euro`s werden denn an diesem Tag zum stopfen chronisch leerer Gemeindekassen eingespielt oder wird es gar für die Schuldenvergemeinschaftung der Südstaaten erwirtschaftet ?
Habe meine SUV Anschaffung gestern gecancelt - für mich gibt keinen Anlass mehr, diesem Staat weiter zu füttern – das Geld wird ohnehin nicht mehr hier investiert .
Dafür gibt es marode Straßen, marode Schienennetze , marodes Bildungswesen.
Raser § Reiche, in diesem Lande bleibt Morgen zu Hause – ein schöner Anfang für künftig zunehmenden zivilen Ungehorsam gegenüber diesem Polizeistaat.

Account gelöscht!

10.10.2013, 04:39 Uhr

Ich bin sehr froh darüber, dass man den besonnen Auto fahrenden Bürger vor Typen wie Ihnen schützt. Unverantwortlichen Rasern und egoistischen Dränglern gehört der Führerschein abgenommen :)

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