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08.01.2012

10:04 Uhr

BMW Isetta

Russisch Roulette mit der „Knutschkugel“

VonThomas Lang
Quelle:mid

Vor 50 Jahren stellte BMW die Produktion der Isetta ein. Der aktuelle Kultstatus des Kleinstwagen überdeckt den kommerziellen Misserfolg, der den Hersteller seinerzeit beinahe in die Pleite geführt hatte.

1962 stellte BMW die Produktion des Kleinstwagen Isetta ein. In acht Jahren Bauzeit entstanden lediglich 136 367 Exemplare des 2,3 Meter langen Winzlings mit Zwölf-PS-Motor. BMW

1962 stellte BMW die Produktion des Kleinstwagen Isetta ein. In acht Jahren Bauzeit entstanden lediglich 136 367 Exemplare des 2,3 Meter langen Winzlings mit Zwölf-PS-Motor.

MünchenDer massive Bedarf an Automobilen im erblühenden Wirtschaftswunder der 1950er-Jahre bescherte der bundesdeutschen Autolandschaft eine kaum zu überblickende Flut an Kleinstwagen. Sozusagen als evolutionäre Bindeglieder der Auto-Geschichte zwischen Zwei- und Vierrad. Diese teilweise tollkühnen Kisten endeten ohne Ausnahme wegen fehlender Alltagstauglichkeit und Produktqualität als Flopp. Bei Preisen, die zwischen 2.500 und 3.000 Mark lagen und damit rund zwei Drittel der Kosten eines Standard-Käfers erreichten, waren die durchgehend minimalistischen Auto-Winzlinge mangels Konkurrenzfähigkeit chancenlos.

Von allen deutschen Großserienherstellern ließ sich nur BMW auf einen Flirt mit einem Kleinstwagen ein. Um keine Ressourcen für die Entwicklung des Autos binden zu müssen, kauften die Verantwortlichen das fertige Fahrzeug samt Werkzeuge einfach auf. Die bayerischen Vorstände wurden beim italienischen Konzern Iso fündig. Iso-Eigner Renzo Rivolta hatte sein Unternehmen nach dem Krieg mit der Herstellung von Zweirädern und Kühlschränken wieder aufgebaut.

Als Iso 1952 mit der Entwicklung seines ersten Autos begann, ließen sich die Konstrukteure von der charakteristisch seitlich angeschlagene Türe der Kühlgeräte inspirieren. Sie schufen für die 2.285 Millimeter lange "Isetta" einen links angeschlagenen Zugang über die Front des beinahe kugelförmigen Autos. Durch den Isetta-Verkauf saniert, wandte sich Rivolta den Luxus- und Supersportwagen zu, die als "Iso Griffo" oder "Iso Rivolta" bis in die späten 60er-Jahre eher zurückhaltend reüssierten.

BMW brachte den rollenden Rundling 1955 zu Preisen ab 2.580 Mark unter´s fahrende Volk. Das in der Eigenwerbung als "Motocoupé" bezeichnete Auto sollte die Lücke zwischen Motorrad und Auto im eigenen Angebot schließen. Beim Öffnen der Front klappte das dünne Kunststofflenkrad zur Seite und gab Platz für Zwei auf einer minimal gepolsterten Bank frei. Dass sich auf Kurz- bis Mittelstrecken bis zu fünf Erwachsene in eine Isetta stopften gilt als verbürgt. Den Blick nach vorne trübte während der maximal 85 km/h schnellen Fahrt weder eine Motorhaube oder gar eine Knautschzone. Fiel das Auge des Isetta-Reisenden auf die Innenverkleidungen, konnte es sich bei Bedarf an bedrucktem Pappkarton erfreuen.

Kommentare (3)

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KreativeEntfaltung

08.01.2012, 12:32 Uhr

Die ISETTA war wichtig, um Erfahrungen zu sammeln und einen Kundenkreis zu versorgen.

1997 gab es auch Überlegungen eine ISETTA NEU wieder irgendwann aufleben zu lassen:
http://download.autobild.de/dl/340770/2007_47003_Inhalt.pdf

BMW hat aber auch Automobile, die bereits heute so viel Platz (wahrscheinlich noch weniger bieten), aber einfach eine größere Gewinmarge bringen:
http://www.bmw.de/de/de/newvehicles/z4/z4/2010/showroom/exterior_design/index.html
Den Z4 ist für ca. ab 40.000 Euro zu erwerben.
Eine ISETTA NEU müßte für viel weniger Euros an den Start gehen mit einer Massenproduktion und größerem Risiko. BMW ist kein Massenhersteller wie VW. Außerdem gibt es die Sparte MINI. Aber auch hier steht auf der Entscheidungsebene lieber hochleistungsstarke PS-Mini-Coupé Einheiten, die ebenfalls nicht billig sind.

Man kann BMW kritisieren, aber es steht schließlich das Geldverdienen im Premiumsegment im Vordergrund. Man muss nicht auf allen Hochzeiten tanzen.

Was allerdings hochschade ist, dass man aus der Fähigkeit Motorradhersteller & Autohersteller nicht mehr zustande bringt. Hier wird ein kreatives Loch hinterlassen.

Ein Verbindung aus Motorrad- und Autotechnologien könnte eine preiswerte ISETTA NEU hervorbringen. Aber leider mag man sich hier wohl nicht kreativ entfalten.

joestrudel

08.01.2012, 12:56 Uhr

Der Artikel hat mich schon geärgert als ich ihn vor ein paar Tagen wortgleich in einer anderen Zeitschrift las.

Offenbar hat sich der Autor mit BMW wenig auseinandergesetzt, sonst wüßte er, dass BMW damals bei weitem kein Massenhersteller war und die Isetta bei weitem kein Flop war.

Schon der Kauf der Isetta-Rechte erfolgte vor dem Hintergrund, dass die finanziellen Mittel für eine Eigenentwicklung nicht mehr vorhanden waren (BMW erzielte bis 45 den Umsatz überwiegend mit Flugmotoren).
Mit der Isetta gelang es BMW erstmals eine Art Serienfertigung für PKWs auf die Beine zu stellen.




Um keine Ressourcen für die Entwicklung des Autos binden zu müssen, kauften die Verantwortlichen das fertige Fahrzeug samt Werkzeuge einfach auf. Die bayerischen Vorstände wurden beim italienischen Konzern Iso fündig. Iso-Eigner Renzo Rivolta hatte sein Unternehmen nach dem Krieg mit der Herstellung von Zweirädern und Kühlschränken wieder aufgebaut.

matteo

08.01.2012, 14:13 Uhr

müsste es nicht "Russisches Roulette" heissen?

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