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07.09.2011

11:15 Uhr

BMWs Elektro-Submarke

i3 kostet weniger als ein 5er BMW

VonMartin Murphy

Das neue Elektroauto von BMW wird billiger als erwartet. Durch die Serienfertigung kann der Autobauer die Kosten für teure Karbonteile drastisch senken - und so auch den Opel Ampera unterbieten.

Der BMW i3: Die Verwendung von Karbon dient dazu, das Gewicht des Elektrofahrzeuges zu senken. Reuters

Der BMW i3: Die Verwendung von Karbon dient dazu, das Gewicht des Elektrofahrzeuges zu senken.

Moses LakeBMW-Chef Norbert Reithofer will das neue Elektroauto i3 zu einem bezahlbaren Preis auf den Markt bringen. „Der i3 wird günstiger als ein 5er-BMW sein“, sagte er am Rande einer Veranstaltung im US-amerikanischen Moses Lake. Die Anschaffungskosten für das Fahrzeug werden damit unter 40.000 Euro liegen, wenn der i3 im übernächsten Jahr in den Handel kommt. Mit dem Preis unterbietet BMW sogar das Elektroauto Ampera von Opel, der ab 43.000 Euro zu haben ist.

Bislang hatten sich die Münchener über den Verkaufspreis ausgeschwiegen, Reithofer legte sich also erstmals auf eine Preisobergrenze für das neue Fahrzeug fest. Im Vergleich zu Autos mit Verbrennungsmotoren ist der neue BMW zwar vergleichsweise teuer. Da aber der i3 das erste Serienauto ist, das zu weiten Teilen aus Kohlefasern gefertigt wurde, war in der Branche mit einem höheren Preis gerechnet worden. Die Fahrgastzelle ist aus dem leichten Material gefertigt, das Fahrwerk aus Aluminium.

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Mit dem Einsatz von Karbon will BMW das Gewicht des Elektrofahrzeugs senken und damit die Energieausbeute der Batterie erhöhen, die Reichweite steigt damit. Der Werkstoff wird bislang vor allem in der Luftfahrt und nur sporadisch im Autobau eingesetzt.

Wichtiger Partner von BMW beim Bau der i-Serie ist der Kohlenstoffspezialist SGL aus Wiesbaden. Ende vergangener Woche hat Reithofer zusammen mit SGL-Chef Robert Koehler ein Werk zur Fertigung von Kohlefasern in Moses Lake im US-Bundesstaat Washington eröffnet und damit den Grundstein für die Serienfertigung gelegt. Bislang wird Karbon weitgehend händisch verarbeitet, was die Kosten in die Höhe treibt.

Mit dem Werk in den USA und den Verarbeitungslinien in Deutschland konnte BMW nach eigenen Angaben die Kosten drastisch senken. Die Produktion von Karbonteilen sei nun genauso teuer wie die Fertigung von Aluminiumkomponenten, sagte ein Vertreter von BMW.

Auch wenn sich die Unternehmen über die Produktionskosten der Alu- und Karbonteile ausschweigen, so zeigt sich die bisherige Diskrepanz am reinen Anschaffungspreis der beiden Werkstoffe. Derzeit kostet ein Kilogramm Aluminium 1,70 Euro, bei Karbon sind es für die gleiche Menge zwischen 70 und 80 Euro. Möglich wird der Preissturz durch die industrielle Fertigung, wie ein Vertreter von BMW sagte.

Karbon, schwarze Magie im Autobau?

Was ist Karbon?

Mit Karbon bezeichnet man in der Automobilherstellung Bauteile, die aus industriell hergestellten Fasern kohlenstoffhaltiger Ausgangsmaterialien stammen. Dabei ist die einzelne Faser zehnmal dünner als ein menschliches Haar. Karbonfasern haben dennoch eine hohe Zugfestigkeit. Um sie für den Einsatz im Fahrzeugbau zu veredeln, müssen die Stränge erst oxidiert und dann bei 1.500 Grad Celsius karbonisiert werden. Für den automobilen Einsatz werden sie anschließend mit Siliciumcarbid kombiniert. Aus den Fasern werden maschinell Gewebe geflochten, rund 500.000 Fasern können dabei pro Quadratzoll ineinander verflochten sein. Diese Gewebematten werden in mehreren Lagen übereinander zu Bauteilen z.B. im Autoklav-Verfahren bei ca. 150 Grad gebacken. Zur Anwendung kommt im Autobau auch verstärkt CFK, das ist kohlefaserverstärkter Kunststoff.

Was sind die Vorteile?

Karbon ist hochfest und sehr leicht. Im BMW M3 spart ein Karbondach fünf Kilo Gewicht an einer für den Fahrzeug-Schwerpunkt relevanten Stelle ein. Beim getunten Mini Cooper S bringt eine Karbon-Motohauben-Diät schon 20 Kilo. Karbon absorbiert außerdem z.B. bei einem Auffahrunfall als Bauteil extrem viel Energie, deswegen wird es bevorzugt im Rennsport eingesetzt. Das Material kann in fast jede beliebige Form gepresst bzw. gebacken werden und es rostet nicht. Bei künftigen Elektroautos ist es wichtig, die Karosserien leichter zu machen, da die Batterien sehr schwer sind.

Warum ist die Herstellung so teuer?

Ein Beispiel: McLaren und Mercedes haben extra für die Produktion des Kofferraumdeckels des SLR Roadsters ein Pressverfahren entwickelt, bei dem die Herstellung von Karbonteilen kaum noch länger dauert als die von Stahlelementen. Doch müssen andere Komponenten mit dem Skalpell ausgeschnitten und aus bis zu 20 Schichten modelliert werden, bevor sie im so genannten Autoklaven bei bis zu 150 Grad unter hohem Druck wie im Schnellkochtopf gebacken werden. Bis zu 20 Stunden für ein Bauteil sind dabei keine Seltenheit. Daher würde eine A-Klasse aus Karbon mindestens doppelt so viel kosten wie eine herkömmliche - und hätte trotzdem keine Chance auf eine Serienfertigung: Die erforderlichen Stückzahlen sind bislang in der Karbon-Fertigung einfach nicht möglich.

Nachteile im Fahrzeugbau

Karbon ist durch die aufwendige Herstellung sehr teuer. Ein Nachteil für den Einsatz im Straßenverkehr ist die Eigenschaft des Materials, bei einem Unfall unkontrolliert zu zersplittern. Die teils sehr scharfen Kanten können zu schweren Verletzungen bzw. Beschädigungen führen. Außerdem kann Karbon nicht einfach repariert werden, - etwa durch schweißen, spachteln, schrauben -, was in jedem Fall einen (teuren) Austausch eines beschädigten Bauteils nötig macht. Dazu kommt die noch ungelöste Frage des Recyclings.

Kommentare (4)

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Einanderer

05.09.2011, 16:25 Uhr

Na also, geht doch!

;-)

Porschefahrer

07.09.2011, 20:03 Uhr

Ja und? So ein Kleinwagen muss auch preislich im Kleinwagensegment eingeordnet sein. Ansonsten interessieren sich nur ein paar Wohlhabende dafür. Es wird erst interessant, wenn die Schlagzeile lautet: Der BMW i3 kostet genau so viel, wie ein Kleinwagen höchstens kosten darf. Der Preisvergleich mit einem 5er BMW zeigt doch schon wie absurd die E-Mobilität gehypt wird. Hier wird suggeriert, dass ein E-Mobil sowas von billig sein kann. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Dann fahr ich doch lieber weiter Porsche.

Anonym

07.09.2011, 22:20 Uhr

Irrtum! Warum fahren dann Leute einen zum Aston Martin umgebauten iQ von Toyota für gut 40T€(hab ich tatsächlich gestern erst gesehen)? Richtig, weil sie das Geld haben!
Man könnte auch Sie direkt fragen, warum Sie einen Porsche fahren, wo der vergleichbare GT-R doch viel günstiger ist??? Weil Autokauf eben auch eine sehr emotionale Sache ist.
Wir reden hier auch nicht über riesige Stückzahlen. Wenn das Fahrzeug wirklich so kommt wie jetzt versprochen. dann mache ich mir über die Absatzchancen keine Sorgen, auch nicht bei dem Preis...

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