Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.10.2012

14:36 Uhr

BRIC-Staaten

Die wichtigsten Märkte für das Weltauto

Suzuki und Chery machen vor, was Tata (noch) nicht schafft: Kleinstwagen zwischen bis 4.000 Euro erfolgreich zu verkaufen. Chancen bieten dafür vor allem Brasilien, Russland, Indien und China, doch der Kampf wird härter.

Verkehrsszene in Indonesien: Vier Leute mit Gepäck für acht sind Alltag. dpa

Verkehrsszene in Indonesien: Vier Leute mit Gepäck für acht sind Alltag.

Es sind vor allem die wohlhabender werdenden unteren und mittleren Bevölkerungsschichten aufstrebende Schwellenländer, die für eine wachsende Nachfrage nach Billigautos sorgen. Das Potenzial ist enorm. Experten erwarten, dass der Marktanteil der Schwellenländer am Weltautomarkt bis zum Jahr 2025 auf mehr als 40 Prozent wachsen wird. Im Jahr 2008 lag er erst bei 24 Prozent.

Mathieu Meyer, Global Head of Automotive von KPMG: "Vor einem Jahrzehnt haben sich die Hersteller in den Schwellenländern noch darauf konzentriert, preiswerte Autos für die einheimische Bevölkerung zu produzieren. Jetzt nehmen sie das Rennen mit den etablierten, großen Autokonzernen der Industrienationen auf."

Asiens Autohersteller

Wachstumsstark und clever

Viele kleinere Autohersteller aus Fernost haben Ambitionen, sich in den nächsten Jahren zu Weltmarken zu entwickeln:

SAIC (China)

Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) ist in Deutschland als VW-Partner bekannt, zeigt aber immer mehr Eigenständigkeit. 2011 wurden mehr als vier Millionen Fahrzeuge abgesetzt.

SAIC (China)

Damit hat sich der Absatz seit 2005 vervierfacht. SAIC könnte als einer der ersten chinesischen Anbieter auf dem Weltmarkt bestehen. In Großbritannien verkauft SAIC unter der zugekauften Marke MG Rover bereits Autos.

BAIC (China)

Die Beijing Automotive Industry Corporation Group (BAIC Group) ist das Pekinger Gegenstück zu SAIC. BAIC kooperiert mit Daimler und Hyundai. In Europa ist sie zuletzt als möglicher Käufer für die schwedische Marke Saab ins Gespräch gekommen.

BAIC (China)

Der fünftgrößte chinesische Autobauer ist eine Kooperation mit der russischen AMS Group eingegangen, um den Markt des Nachbarlands für die eigenen Produkte zu erschließen.

Chery (China)

Chery ist wie BAIC und SAIC ein Staatsbetrieb, kommt aber etwas flippiger daher und ist der Exportchampion unter den Chinesen. Das Unternehmen setzt konsequent auf Absatz in anderen Schwellenländern und betreibt eigene Fabriken beispielsweise in Indonesien, der Ukraine oder der Türkei.

Chery (China)

Mit rund 800 000 abgesetzten Autos liegt Chery im chinesischen Ranking auf Platz sieben. Durch konsequente Ausgaben für eigene Entwicklung sichert sich der Anbieter eine solide Position im unteren Marktsegment.

Geely (China)

Der Ehrgeizling unter Chinas Autofirmen befindet sich nicht in Staatshand, sondern ist ein Privatunternehmen. Im Laufe des Jahres will das Unternehmen sein Topmodell Emgrand in Großbritannien und Italien auf den Markt bringen.

Geely (China)

Das ist konsequente Fortsetzung einer Strategie, die sich bereits 2010 im Kauf der schwedischen Traditionsmarke Volvo gezeigt hat: nicht kleckern, sondern klotzen – und konsequent auf Qualität setzen.

Tata (Indien)

Indiens wichtigstes Industrieunternehmen Tata strebt längst nach mehr als nur dem Rang eines regionalen Marktführers. Mit der Übernahme der britischen Luxusmarken Jaguar und Land Rover schrieb das Unternehmen 2008 Industriegeschichte.

Tata (Indien)

Der Konzern stellt im Jahr nur gut eine Million Fahrzeuge her. Doch mit Jaguar und Land Rover setzen die Inder auf internationales Wachstum und wollen zum ernst zu nehmenden Rivalen von BMW werden.

Hyundai-Kia (Südkorea)

Für VW-Boss Martin Winterkorn ist er einer der gefährlichsten Konkurrenten: Hyundai-Kia ist auf dem Vormarsch. Der fünftgrößte Autokonzern will 2012 erstmals die Sieben-Millionen-Schwelle überschreiten. Die Koreaner zählen zu den am schnellsten wachsenden Autokonzernen der Welt.

Hyundai-Kia (Südkorea)

Im vorigen Jahr steigerte der Konzern seinen Absatz weltweit um 15 Prozent. Hyundai-Kia verzeichnete damit drei Jahre hintereinander je zweistellige Zuwachsraten.

Ein detaillierter Blick auf die Chancen und Risiken, die in den kommenden Jahren vor allem die BRIC-Staaten, also Brasilien, Russland, Indien und China, bieten:

Brasilien: Fiat und VW geraten unter Druck

Im Jahr 2011 bekamen die Autobauer VW und Fiat in Brasilien einen Vorgeschmack auf das, was es bedeutet, kein Billigauto im Angebot zu haben: Die chinesischen Marken JAC Motors und Chery steigerten innerhalb eines Jahres ihren Anteil an den Importfahrzeugen von zwei auf knapp zehn Prozent und überholten damit die USA und Japan als die wichtigsten Auto-Importeure in Brasilien. JAC Motors, aber auch Hyundai aus Korea betreiben aggressive Werbekampagnen: günstige Finanzierungsangebote, sechs Jahre Garantie, mit einer Ausstattung, die einem Mittelklassemodell von VW oder Fiat ähnelt.

Der indische Rikscha-Hersteller Bajaj  hegt mit dem im Januar 2012 vorgestellten RE60 eigene durchaus ehrgeizige Pläne eines Low-Cost-Cars. dapd

Der indische Rikscha-Hersteller Bajaj hegt mit dem im Januar 2012 vorgestellten RE60 eigene durchaus ehrgeizige Pläne eines Low-Cost-Cars.

Gegen diese neue Marktmacht der Asiaten blieb Fiat und Volkswagen, die in Brasilien Werke betreiben, nichts anderes übrig, als ihre Lobbyisten in Marsch zu setzen. Die schlugen erfolgreich Alarm in Brasília, mit dem Argument, der starke Real würde den Wettbewerb zugunsten der Importeure verzerren. Seitdem besteuert Brasilien Importe mit einem Zoll von 65 Prozent. Um 40 Prozent sind die Autoimporte dieses Jahr eingebrochen.

Doch auch das wird langfristig nicht helfen. Denn vor allem die asiatischen Billiganbieter JAC Motors, Great Wall und Chery, sowie Hyundai aus Korea bauen jetzt Fabriken in Brasilien, um die Zölle zu umgehen.

Für VW und Fiat steht viel auf dem Spiel: Unternehmensberater wie Roland Berger erwarten, dass Brasilien bereits 2015 der drittwichtigste Automarkt weltweit sein wird nach den USA und China.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

05.10.2012, 15:19 Uhr

Man sollte auch mal daran denken,dass gerade diese "...wohlhabender werdenden unteren und mittleren Bevölkerungsschichten aufstrebende Schwellenländer" den Verkehr in den Großstädten zum erliegen bringen werden,wenn sie tatsächlich alle sich ein Auto anschaffen.Selbst wenn diese Autos kein Abgase unmittelbar ausstoßen würden,wäre die Umweltbelastung durch den Bau,die Verschrottung und die Energieerzeugung für die Elektroautos unermesslich.
Wir brauchen neue Ideen für Verkehrsmittel anstatt diesen Ländern den Mund wässrig zu machen nach Statussymbolen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×