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23.07.2013

09:26 Uhr

CAR-Studie

Diesel-Autos finden immer weniger Käufer

Im deutschen Automarkt deutet sich eine Trendwende an. Die Diesel-Welle ebbt ab, weil neue, kleine Ottomotoren sich im Markt stärker durchsetzen. „Alternative Antriebe“ fahren aber weiter hinterher.

Auspuffrohre eines Diesel-PKW. Die Abgase der Selbstzünder erhöhen das Krebsrisiko und belasten das Klima mit hohen hohen Stickoxid-Emissionen. dpa

Auspuffrohre eines Diesel-PKW. Die Abgase der Selbstzünder erhöhen das Krebsrisiko und belasten das Klima mit hohen hohen Stickoxid-Emissionen.

Essen/DüsseldorfDer Trend zu Diesel-Autos scheint in Deutschland vorerst beendet. Im ersten Halbjahr 2013 wurden laut einer Studie mit 47,3 Prozent etwas weniger Neuwagen mit Diesel-Antrieb zugelassen als noch im Vorjahreszeitraum (47,9 Prozent). Aufs Jahr hochgerechnet deutet sich damit der erste Rückgang seit 2009 an, erläutert Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Centers Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen. „Die stürmische Entwicklung des Diesels der letzten Jahre ist gestoppt.“
Als Hauptgrund sieht der Experte die wachsende Beliebtheit von kleinen, sparsamen Benzin-Motoren, wie etwa der Ecoboost-Antriebe von Ford, die ähnliche Verbrauchswerte wie Diesel erzielen könnten. So fuhren unter allen Benzin-Motoren, die im ersten Halbjahr 2013 in Neuwagen auf die Straße kamen, mehr als ein Drittel mit einem Hubraum von weniger als 1.200 cm. Jahre 2008 lag dieser Wert bei noch unter 16 Prozent.

„Smart is beautiful“ lautet offenbar die derzeitige Maxime der Motorenentwickler, allerdings nicht aus freien Stücken, sondern durch EU-Politik angespornt. Strengere Emissionsvorgaben haben zu der regelrechten Revolution im Motorenbau geführt.

Dieselabgase führen trotz moderner Rußfilter im direkten Vergleich eben doch zu deutlich größeren Umweltbelastungen als Benziner. Und insbesondere die hohen Stickoxid-Emissionen der Diesel machen den Kommunen Ärger. So kommt für Käufer heutiger Diesel-Fahrzeuge mit Euro-5-Norm das potenzielle Risiko hinzu, dass diese in Zukunft wegen der hohen Stickoxid-Belastungen in Ballungsräumen Fahrverboten unterliegen könnten, warnt Dudenhöffer.

Antriebsarten und ihre Abgaswerte

Motoren im Vergleich

Wie sehr ein Auto die Luft verpestet, hängt davon ab, was unter der Haube steckt. Denn je nach Motor stößt ein Wagen unterschiedlich viele Feinstaub-Partikel (PM) und Stickstoffdioxide (NO2) aus. Hier ein Überblick über das Abgasverhalten verschiedener Motoren.

Benzinmotoren

Moderne Benzinmotoren werden durch Direkteinspritzung zwar sparsamer gegenüber der Vergaser-Technik - und damit wird auch ihr CO2-Ausstoß gesenkt. Doch haben die Einspritzmotoren oft einen höheren Feinstaub-Ausstoß. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe stoßen sie eine sehr hohe Zahl an ultrafeinen Partikeln aus, die massive gesundheitliche Folgen für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System haben können. In der Untersuchung kam heraus: Benzinfahrzeuge überschritten den aktuellen Grenzwert für Dieselfahrzeuge teils um das Sechsfache.

Dieselmotoren

Trotz Rußpartikelfilter - Selbstzünder sind laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) die weniger sauberen. Der Grund: Ihr aktueller Grenzwert nach Euro-5-Norm ist beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx) dreimal höher als bei Ottomotoren. Demnach dürfen Diesel bis zu 180 mg/km an Stickoxiden ausstoßen, während der Vergleichswert bei Benzinern bei 60 mg/km liegt. Bei den Feinstaubpartikeln liegen beide Verbrennungsprinzipien mit erlaubten 5 mg/km gleichauf. Diesel-Pkw können die aktuelle Euro-5-Norm nur mit Hilfe eines Partikelfilters erreichen.

Erdgas- und Autogasantriebe (CNG und LPG)

Erdgas gilt unter den fossilen Treibstoffen in der Expertenwelt als der sauberste. So stoßen Fahrzeuge, die CNG (Compressed Natural Gas) tanken, noch weniger Stickoxide aus als Benziner. Der TÜV Süd nennt gegenüber Benzinern eine Reduktion um bis zu 60 Prozent, bei LPG seien bis zu 15 Prozent weniger möglich. Erdgasautos emittieren zudem fast gar keine Rußpartikel.

Hybrid- und Elektroantriebe

Auch Hybridfahrzeuge müssen die Abgasnormen der EU einhalten. Generell lässt sich dem VCD zufolge sagen, dass Dieselhybride, wie sie neuerdings angeboten werden, mehr Schadstoffe ausstoßen als Benzinhybride. Fahren sie im rein elektrischen Modus, stoßen sie keine Schadstoffe aus - doch liegt die Reichweite für den E-Modus meist nur bei wenigen Kilometern. Dann springt der Verbrenner an. Elektroautos stoßen während der Fahrt zwar keinerlei Schadstoffe aus. Doch bei ihrer industriellen Fertigung und bei der Stromerzeugung werden ebenfalls Rußpartikel und Stickoxide erzeugt.

Aktuelle Luftdaten
Übersicht: Deutsche Umweltzonen
Studie zu Umweltzonen
Kurzinfo zu Umweltzonen
Hintergrundpapier zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Stickstoffoxiden

Alternative Antriebe können laut der CAR-Studie von dieser Entwicklung nicht besonders profitieren. Benzin und Diesel machten im ersten Halbjahr 98,5 Prozent der Antriebe aus. „Von der Umsetzung einer Strategie zu alternativen Antrieben ist man damit in der Bundesrepublik noch Lichtjahre entfernt“, meint der Wissenschaftler.

Außerdem würden deutsche Hersteller bei den Zukunftsantrieben immer noch hinterherhinken: So komme der japanische Autobauer Toyota etwa bei neu zugelassenen Hybrid-Fahrzeugen in Deutschland auf fast 80 Prozent Marktanteil.

Das Festhalten der Bundesregierung am Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 bezeichnete der Experte in einem Interview als "Lachnummer". Von diesem Ziel sei man Lichtjahre entfernt. Um es zu erreichen, sind Anreizsysteme notwendig. "Wir brauchen eine City-Maut wie in London. Wer hier mit einem Elektroauto in die Stadt fährt, ist von der Zahlung der Gebühr befreit. Das wäre nicht nur ein Anreiz für Fahrer eines Elektroautos, sondern würde auch die Luft in den Innenstädten sauberer machen, wenn es entsprechende Zufahrtbeschränkungen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor geben würde."

Kommentare (20)

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Joerg_Duerre

23.07.2013, 09:38 Uhr

Das Kraftfahrtbundesamt hat eine Grafik dazu:

http://www.kba.de/cln_031/nn_330190/DE/Statistik/Fahrzeuge/Neuzulassungen/MonatlicheNeuzulassungen/2013/201306GV1monatlich/201306__n__barometer__teil2__diagramm.html

APO-Man

23.07.2013, 09:41 Uhr

Diesel werden wohl kaum wegen ihres Schadstoffausstoßes weniger gekauft, sondern weil sie für die meisten Autofahrer nicht wirtscjaftlicher sind als Benziner.
So lohnt sich ein Dieselfahrzeug aus Kostengründen, wenn überhaupt, meist erst jenseits der 20.000 Kilometer Jahresfahrleistung. Die Anschaffung von Dieselfahrzeugen ist teurer, die Versicherung, die Steuern. Diese Faktoren werden immer weniger durch den geringeren Verbrauch und die geringeren Kraftstffkosten wettgemacht.
Und es kaufen auch immer mehr frauen ein (kleines) Auto, mit dem sie in der Regel nicht mehr als 15.000 Km/Jahr fahren. Und für diese Zielgruppe lohnt sich ein Dieselmoto nicht. Es sei denn, man entscjeidet sich für den Diesel wegen seines kraftvollen Drehmoments, koste es, was es wolle.... ;-)

Account gelöscht!

23.07.2013, 10:02 Uhr

Und was ist mit Autogas?

Das hat erheblich weniger Stickoxid-Ausstoß als Diesel und Benzin und setzt auf ausgereiften Motortechnologien auf - also keine teuren Kinderkrankheiten wie bei Elektro/Hybrid.

Aber was macht unsere Regierung? Noch bevor Gas überhaupt richtig angekommen ist, wird 2018 die Steuer drauf um 10 ct erhöht.

Es geht immer nur um Verbote und höhere Steuern.

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