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14.09.2011

08:33 Uhr

Chinesischer Autobauer auf der IAA

Pleiten, Pech und Pannen bei CCA

VonSebastian Schaal

Technische Fehler, Schlampereien und Mängel prägen den Messeauftritt des chinesischen Herstellers Changan - im Heimatland immerhin die Nummer 1. Der Rückstand auf Europa ist noch groß. Eine Glosse.

„Was Getriebe betrifft, sind Kunden Varianten mit AT, CVT, DCT oder GDI zur Wahl gestellt“, heißt es beim chinesischen Hersteller Changan (CCA) Sebastian Schaal

„Was Getriebe betrifft, sind Kunden Varianten mit AT, CVT, DCT oder GDI zur Wahl gestellt“, heißt es beim chinesischen Hersteller Changan (CCA)

FrankfurtSprechen Sie fließend chinesisch? Ich nicht. Genauso wenig wie der Großteil der Journalisten, die derzeit aus Frankfurt von der IAA berichten. Im Normalfall kommt jeder auf Messen wie dieser gut zurecht, wenn er über Grundkenntnisse in Englisch verfügt. Am Stand von China Changan Automobil CCA, wie der Hersteller offiziell heißt, reicht das nicht.
Dabei sah es am Anfang der Pressekonferenz so gut aus. Auf jedem Stuhl vor der Bühne lag in einem Plastiktütchen ein paar Kopfhörer mit einem Funkempfänger. Kurz bevor Zhu Huarong, Vize-Generalmanager von Changan, an das Rednerpult tritt, werden noch die Kanäle angegeben, auf denen die einzelnen Übersetzungen zu finden sind. Kanal 4 ist auf Chinesisch (stellt sich die Frage, wozu man bei einer chinesischen Rede dann Kopfhörer braucht), Kanal 5 überträgt die deutsche Übersetzung, Kanal 6 die englische. In der Theorie.

Sie bekommen Technik der gemischten Leistung

In der Praxis kommen in der gesamten Rede von Zhu Huarong stolze drei Wortfetzen an. Gerade so viel, dass man die Sprache erkennen konnte. Während die mitgereisten Journalisten aus China fleißig mitgeschrieben haben, tauschten die Europäer nur fragende Blicke aus. Ist zwar ärgerlich, aber so eine technische Panne kann passieren. Gerade auf der IAA, wo die meisten Stände just in time fertig gestellt werden.

Als reines Konzeptfahrzeug ausgewiesen war bei CCA die Limousine „Sense“. Um den Innenraum vor den neugierigen europäischen Journalisten zu schützen, hat Changan von Anfang an auf die Türgriffe verzichtet. Sebastian Schaal

Als reines Konzeptfahrzeug ausgewiesen war bei CCA die Limousine „Sense“. Um den Innenraum vor den neugierigen europäischen Journalisten zu schützen, hat Changan von Anfang an auf die Türgriffe verzichtet.

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O.K., wenn schon die Pressekonferenz aufgrund der Sprachbarriere nicht so aufschlussreich war, dann dient eben das Pressematerial als Quelle. Das stammt aber offenbar direkt aus einer Online-Übersetzungsmaschine:„Was Getriebe betrifft, sind Kunden Varianten mit AT, CVT, DCT oder GDI zur Wahl gestellt“ heißt es da. Ähnlich unverständlich: „Sie bekommen 144 Patente, wie Elektro pur, PLUG-IN und Technik der gemischten Leistung, davon sind 52 die erfundenen Patente“ oder „Alle diese Details werden organisch kombiniert wie ein nobler Ritter und zeigen dir zufällig elegant und natürliche die ungezügelte Eigenschaft vor.“

Doch nicht für alles kann die Übersetzungs-Software verantwortlich gemacht werden. So wird Turin, wo sich das europäische Designzentrum des Unternehmens befindet, zur Hauptstadt von Italien gemacht.
Solche Fehler ziehen sich durch den Auftritt von Changan wie ein roter Faden.

SUV SUV ohne Griff

Und die vorgestellten Autos? Es wurde nicht klar kommuniziert (oder vielleicht ist es auch einfach in der Übersetzung hängen geblieben), dass es sich bei dem kompakten SUV mit dem zutreffenden Namen „SUV“ nur um ein Designkonzept handelt. Ein französischer Journalist wollte einen Blick in den Innenraum werfen. Da die Scheiben aus verdunkeltem Glas waren, musste die Tür geöffnet werden. Die war allerdings bombenfest verschlossen, nur der Türgriff war etwas locker. Denn den hatte der Kollege komplett in der Hand.

Beim SUV mit dem einfallsreichen Namen SUV wurde dieser Türgriff Made in China präsentiert. Sebastian Schaal

Beim SUV mit dem einfallsreichen Namen SUV wurde dieser Türgriff Made in China präsentiert.

Als reines Konzeptfahrzeug ausgewiesen war die Limousine „Sense“. Um den Innenraum vor den neugierigen europäischen Journalisten zu schützen, hat Changan von Anfang an auf die Türgriffe verzichtet.
Zwei Dinge lehrt uns dieser Auftritt: Erstens kann Übersetzungs-Software einen gut geschulten Menschen doch nicht vollständig ersetzen. Zweitens wird BMW-Vorstandschef Norbert Reithofer wohl recht behalten. Er hatte am Montag auf einem von der „Zeit“ in Frankfurt veranstalteten Zukunftsgipfel den chinesischen Autobauern einen Rückstand von acht bis zehn Jahren bescheinigt. Sie lernen zwar schnell, die Chinesen, aber offensichtlich noch nicht schnell genug.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

14.09.2011, 10:32 Uhr

Das ist schon peinlich und schade um den ansontsen recht gelungenen Auftritt... wenn man schon so viel Geld ausgibt um sich im Ausland zu präsentieren sollte man auch alles daran setzen die sprachlichen Barrieren zu überbrücken. Es gibt schließlich genügend Übersetzungsbüros die sich auf die Automobilbranche spezialisieren wie Kern AG, Zapp oder Thiede.

KliP

14.09.2011, 10:54 Uhr

Wozu sollen sich die Chinesen auch Mühe geben, der Vize-Manager auf Englisch reden?

Europa ist für die nur ein Nischenmarkt und wird es bleiben.
Die großen Autogeschäfte der Zukunft werden in Asien gemacht, teilweise auch schon jetzt.
Europa verliert technologisch, wirtschaftlich und politisch immer weiter an Boden, einzelne Staaten betteln die Chinesen schon um Geld an. Europa auf dem absteigenden Ast, China auf dem aufsteigenden, die Chinesen werden sich weiter einkaufen und bald die Bedingungen diktieren. Dann brauchen sie keine Übersetzer mehr, aber wir. ;)

Michael

14.09.2011, 12:46 Uhr

Ihr malt alle viel zu schwarz. Die Chinesen sind nicht in der Lage top Produkte zu produzieren. Wer schon einmal in einem chinesischen Autos saß, weiß wovon ich rede.
Jeder Chinese, der was auf sich hält, fährt europäische Autos und das wird auch immer so bleiben.

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