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03.01.2013

15:47 Uhr

Citroën C6 eingestellt

Das Ende der französischen Oberklasse

Kurz vor Weihnachten lief der letzte Citroën C6 vom Band. Damit wird nicht nur eine Modellreihe ersatzlos gestrichen, es bedeutet den Abschied der französischen Autobauer aus der prestigeträchtigen Oberklasse.

Am 1. März 2005 stellte Citroen den C6 auf dem Genfer Autosalon vor – 2012 endete seine Geschichte. Reuters

Am 1. März 2005 stellte Citroen den C6 auf dem Genfer Autosalon vor – 2012 endete seine Geschichte.

HamburgDer Niedergang der französischen Autoindustrie zeigt sich nicht nur an den schlechten Absatzzahlen, sondern auch an Modellen: Mit dem Produktionsstopp für den Citroën C6 kurz vor Weihnachten endete die französische Produktion von Oberklasselimousinen. Am 19. Dezember 2012 lief in Rennes der letzte C6 vom Band, oder wie die Franzosen sagen "die" letzte C6.

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Der Nachfolger des berühmten DS verschwand sang- und klanglos, 2012 wurden nach Medienberichten nur noch 500 Stück des 57.000-Euro-Autos verkauft. Nun gibt es zwar noch das aktuelle Top-Modell des Konkurrenten Renault, den großen Latitude. Der aber ist gar kein echter Franzose, sondern ein Samsung-Modell aus Asien mit neuem Markenzeichen vorne drauf.

Mit dem C6 endet das glorreiche Kapitel französischer Luxusautos: Der Citroën DS kam in den 50er Jahren als ernsthafter Herausforderer von Mercedes auf den Markt - war aber mit seiner hydropneumatischen Federung und dem Frontantrieb technisch viel weiter als die Autos mit dem Stern. 20 Jahre vorher hatte Citroën bereits mit dem Traciton Avant einen Meilenstein gesetzt: das erste Frontantriebsauto.

Auch die beiden anderen französischen Marken Peugeot und Renault haben eine beachtliche Geschichte der Luxusautos: Peugeot stoppte 2010 die Produktion des 607 – das Auto diente bis dahin den Präsidenten Nicolas Sarkozy und dessen Vorgänger Jacques Chirac als Dienstwagen. Trotzdem blieb der Erfolg aus. Renault versuchte sich bis 2009 mit dem spektakulären und luxuriösen Vel Satis - dem Auto mit dem Knick in der gigantischen Heckklappe.

Die längste Luxustradition aber hatte Citroën: Modelle wie der DS, der CX oder der SM gruben immer wieder an der Übermacht vor allem der deutschen Oberklasseautos - in den 50er Jahren nur Mercedes, heute auch noch BMW und Audi. Wer Luxus wollte, aber ohne den Muff der deutschen Edel-Dienstwagen, kam an den großen Franzosen kaum vorbei: Neben Volvo und der Mini-Marke Saab aus Schweden blieben im Grunde nur die pannenanfälligen Jaguar aus England zum Ausweichen.

Das große Problem der Oberklasseautos aus Frankreich war nicht die Technik, sondern das Image: Der DS musste neben der Ente bestehen, der C6 neben Billig-Minis wie dem C1. Deutsche Luxusanbieter verkaufen inzwischen zwar auch kleine Autos wie den Mini oder den Audi A1, haben ihnen aber das edle Image der großen Limousinen mitgegeben.

Wer noch ein paar Jahre in französischem Luxus umherfahren will, kommt jetzt günstig zum Zug: Fünf Jahre alte C6 werden ab 8.000 Euro gehandelt, ähnlich alte Vels Satis ab 6.000 Euro.

Von

dapd

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

03.01.2013, 17:39 Uhr

Ich hatte den "großen Franzosen" für 3 Jahre geleast. In Vollausstattung. Zwar das Beste, was ich je in Sachen Komfort und Luxus gefahren bin, dennoch habe ich nach nur 1 Jahr entnervt aufgegeben und "rückabgewickelt". Eine solche Anzahl an Funktionsmängeln während dieser Zeit hatte ich noch nicht erlebt. Allerdings waren diverse E-Klasse-Erlebnisse ziemlich nah dran!

Account gelöscht!

05.01.2013, 08:55 Uhr

Es war und ist weiterhin das Problem der französischen Autos - und hier vorneweg Citroen - , daß sie unzuverlässig und reparaturanfällig sind.

Das soll allerdings nicht heißen, daß beispielsweise bei einigen britischen oder auch bei einigen deutschen Autos ähnliche Desaster auf den Käufer lauern. Besitzer von früheren Jaguar wissen da viel zu erzählen ...

Hans

27.01.2013, 23:23 Uhr

Ich kann diese immer wieder kehrenden Behauptungen zur Unzuverlässigkeit französischer Oberklassemodelle nicht bestätigen. Seit 2007 fahre ich C6 (derzeit meinen 2.) und hatte nie einen außerplanmäßigen Werkstattaufenthalt. Gleiches gilt für den C6-Vorgänger XM, der ebenso zuverlässig war. Ich hatte 3 davon. Schade, daß der C6 eingestellt wurde. Hoffen kann man vielleicht auf DS9 oder Metropolis als Nachfolger.

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