Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.04.2013

11:24 Uhr

CO2-Regulierung bei Neuwagen

Hersteller dürfen CO2-Bilanz weiter schönrechnen

Quelle:MID

Autohersteller müssen sich auf weitere Sparanstrengungen beim Treibhausgas CO2 einstellen. Während Umweltverbände strengere Zielwerte grundsätzlich begrüßen, kritisiert der Verband der Autoindustrie den Beschluss.

Das Europaparlament hat einer Obergrenze von 95 g CO2/km für Neuwagen ab 2020 zugestimmt. MID

Das Europaparlament hat einer Obergrenze von 95 g CO2/km für Neuwagen ab 2020 zugestimmt.

Berlin; Brüssel/BelgienÜber den Vorschlag der EU-Kommission zur CO2-Regulierung hat jetzt das Europaparlament abgestimmt. Dabei stimmten die Abgeordneten einer Obergrenze von 95 Gramm CO2/km ebenso zu wie einem langfristigen "Zielkorridor" von 68 Gramm bis 78 Gramm pro Kilometer bis 2025. Außerdem billigte das Parlament die Mehrfachanrechnung von Fahrzeugen mit Emissionen von unter 50 Gramm CO2/km mit dem Faktor 1,5, statt wie beim der Vorschlag der Kommission mit dem Faktor 1,3. Die sogenannten "Supercredits" dürfen die Hersteller auf die Gesamtemissionen ihrer Neuwagenflotte anrechnen.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) bezeichnete das Ziel als "anspruchsvoll" und "mit klassischen Antrieben allein nicht erreichbar". Notwendig sei der verstärkte Einsatz von Fahrzeugen mit alternativen Antriebskonzepten. Um diese zu fördern, sei jedoch eine Anrechnung besonders sparsamer Autos mit einem höheren Multiplikator als dem von 1,5 notwendig, den das Parlament ansetzt.

Das Langfristziel lehnt der Verband ab. Die Festlegung auf einen Zielkorridor ohne Kosten-Nutzen-Abschätzung sei willkürlich und stellt zum jetzigen Zeitpunkt eine Überregulierung dar, die die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie gefährdet.

Elektro-Mobilität: Warum das E-Auto nicht zündet

Elektro-Mobilität

Warum das E-Auto nicht zündet

Wer einmal Elektroauto gefahren ist, möchte es immer wieder tun. Trotzdem elektrisieren die Stromer die Masse der Autokäufer nicht. Das ist auch eigentlich kein Wunder, ihre Probleme sind seit über 100 Jahren bekannt.

Es sei noch nicht abzusehen, wie sich CO2-ärmere alternative Antriebe entwickeln würden. Auch der europäische Dachverband Acea forderte Machbarkeitsstudien. Umstritten sind auch Produktionsanreize für besonders CO2-arme Fahrzeuge wie Elektroautos. Diese sollen Hersteller nach dem Willen des Ausschusses mehrfach anrechnen können, mit dem Faktor 3,5 im Jahr 2013 und 1,5 im Jahr Jahr 2020. 2024 soll diese Mehrfachanrechnung ein Ende haben.

Ganz anders sehen dies die Umweltverbände, die Grünen und auch der ökologische Verkehrsclub (VCD), die die Formulierung eines Langfristziels begrüßten. Dieses sei laut dem VCD aber "zu schwach", die Potentiale der Gesetzgebung seien nur teilweise genutzt worden. Jetzt gelte es, den unteren Wert (68 Gramm CO2/km) durchzusetzen. Auf harsche Kritik stößt bei dem Verkehrsclub auch die Anrechnung der Supercredits. Hersteller dürften nun ganz offiziell ihre CO2-Bilanz schönrechnen.

Emissionsminderung: Weniger Autofahren bringt am meisten

Emissionsminderung

Weniger Autofahren bringt am meisten

Nur wenn die Bevölkerung häufiger auf das Auto verzichtet, wird es gelingen, den Ausstoß von Treibhausgasen und Schadstoffen deutlich zu verringern. Autos effizienter zu machen, reicht nicht aus.

In das gleiche Horn stößt auch der Naturschutzbund Deutschland (NABU). 78 Gramm CO2 pro Kilometer für Autos, die erst in zwölf Jahren auf den Markt kommen seien inakzeptabel, da dieser Wert bereits heute von einigen Fahrzeugen mit herkömmlicher Technik erreicht wird. Der NABU hatte bereits für 2020 einen Grenzwert von 80 Gramm CO2 pro Kilometer gefordert und bezeichnete die Beschlüsse insgesamt als "halbherzig".

Die Umweltorganisation WWF verurteilte die „Rechentricks“, die den CO2-Spardruck auf die Industrie milderten. Greenpeace kritisierte „Schlupflöcher“. Die Vorsitzende der Grünen im Europaparlament, Rebecca Harms, monierte: „Dies untergräbt das CO2-Ziel und verzögert den Umbau bei konventionellen Fahrzeugen, die auch in absehbarer Zukunft den größten Anteil der Neuwagenflotte ausmachen werden.“


Der CDU-Europaabgeordnete Thomas Ulmer, der den Abstimmungstext erarbeitet hat, verteidigte diese Regelung hingegen als „zeitlich begrenzten Innovationsanreiz für alternative Antriebe, die es sonst nur sehr schwer bis zur Marktfähigkeit bringen würden“ - Elektroautos sind nach wie vor kein Verkaufsschlager in Europa.

Neben klimafreundlicheren Autos wollen die Parlamentarier auch mehr Klarheit für Kunden beim Neuwagenkauf. Möglichst ab 2017 soll ein neues Messverfahrung zum Kraftstoffverbrauch gelten - bisher lieferte die Prozedur nach Ansicht zum Beispiel des ADAC unrealistisch niedrige Verbrauchswerte.

Autohersteller tricksen beim Spritbedarf: Die Verbrauchslüge

Autohersteller tricksen beim Spritbedarf

Die Verbrauchslüge

Die Norm, mit der der Spritverbrauch unserer Autos gemessen wird, hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Dass die Hersteller mit den getricksten Angaben lautstark werben, hat für sie jetzt unangenehme Folgen.

Der CDU-Abgeordnete Karl-Heinz Florenz erklärte: „Wir dürfen nicht länger zulassen, dass uns eine Traumwelt vorgegaukelt wird, in der ein Auto mit fünf Litern Verbrauch beworben wird, das in Realität aber sieben verbraucht.“ Europaparlament und die EU-Staaten beginnen demnächst Gespräche über eine Neufassung der relevanten Gesetze. Ihre Verhandlungsposition werden die Abgeordneten in einer Plenarabstimmung im Mai festzurren. Angesichts der klaren Mehrheit im Ausschuss dürfte das Plenum aber ähnlich entscheiden.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

25.04.2013, 18:51 Uhr

Umweltauflagen sind ja schön und gut. Sie müssen aber auch umsetzbar sein, in sich logisch und Herstellern Entwicklungs- und Planungssicherheit geben. Und genau hier versagt die EU-Politik auf ganzer Linie mit ihrer einseitig auf die CO2-Abgasgrenze ausgelegten Zielstellung, anstatt auch die anderen Abgase und Partikel einzubeziehen. Und schlussendlich mit den Herstellern die Investitionsförderung abzustimmen. Anstelle der E-Mobilität, die auf Jahre die bisherige Mobilität wegen fehlender und kaum umsetzbarer Infrastruktur (flächendeckende Ladestationen in der EU) nicht annähernd ersetzen kann, sollte vielmehr in alternative Lösungen, wie den Ausbau von CNG-Gas- und Wasserstofftankstellen (für Brennstoffzellen) investiert werden. Und genau darauf die langfristigen Umweltauflagen ausgerichtet werden.

vandale

25.04.2013, 23:38 Uhr

Die Umweltauflagen sind nicht umsonst. Falls sich diese über den Benzinverbrauch rechnen würden, so hätten die Autohersteller diese längst mit entsprechendem Werbeaufwand etabliert.

Letztlich bezahlen die Autofahrer für dieses sinnlose Oekospektakel.

Vandale

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×