Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2005

11:33 Uhr

Cordes stellt neues Modell in Frage – Strategie wird grundlegend überprüft

Smart-Geländewagen auf der Kippe

Daimler-Chrysler stellt seine defizitäre Kleinwagenmarke Smart auf den Prüfstand. Auf der Motorshow in Detroit verkündete der verantwortliche Mercedes-Chef Eckhard Cordes den vorläufigen Entwicklungsstopp neuer Smart-Modelle. Dazu gehört auch der für 2006 geplante Start des Geländewagens Formore, mit dem Smart auf dem US-Markt eingeführt werden sollte. „Wir haben viele Projekte zunächst gestoppt, um in Ruhe analysieren zu können, wie wir Smart profitabel machen können“, sagte Cordes.

Den Smart Forfour gibt es - aber kommt auch der Formore auf den Markt? Foto: dpa

Den Smart Forfour gibt es - aber kommt auch der Formore auf den Markt? Foto: dpa

fas/hof/hz DETROIT. Sechs Jahre nach dem Start ist die Kleinwagenmarke weit davon entfernt, die Erwartungen der Stuttgarter Konzernzentrale zu erfüllen. So hat Smart 2004 lediglich 139 600 Fahrzeuge verkauft – ursprünglich waren 170 000 Einheiten geplant. Experten gehen davon aus, dass Daimler-Chrysler pro Jahr 500 Mill. Euro mit dem Kleinwagenprojekt verliert, eine Zahl, die Cordes nicht bestätigen wollte. „Es stimmt aber, dass wir nicht profitabel sind“, gestand Cordes.

Die Überprüfung sei „ergebnisoffen“, betonte der neue Smart-Chef Ulrich Walker in Detroit. Der Formore sollte eigentlich in Detroit erstmals als Studie präsentiert werden. Die Premiere wurde jedoch kurzfristig abgeblasen. Der österreichische Automobilzulieferer Magna-Steyr, der die Entwicklung des Formore für Smart übernommen hatte, zeigte sich überrascht. „Wir werden das Gespräch mit Daimler-Chrysler suchen, um Klarheit für die Zukunft zu erhalten“, sagte Magna-Chef Manfred Remmel.

In Daimler-Unternehmenskreisen heißt es, dass die Arbeiten am Formore teilweise eingestellt worden seien. Noch vor kurzem war die Marke mit einem Formore-Showcar durch die USA getourt und hatte Mercedes-Händler auf das neue Fahrzeug eingestimmt.

Unter Experten ist der Formore umstritten. Das neue Modell könne angesichts eines geschätzten Volumens von 60 000 Einheiten das Hauptproblem von Smart, die fehlende Kapazitätsauslastung, nicht lösen. Ein Ausstieg wäre dagegen für den Aktionär mit einem Mehrwert von vier Mrd. Euro verbunden, rechnet Autoanalyst Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank vor.

Aber auch ohne den geplanten Geländewagen geben Analysten der Kleinwagenmarke keine große Zukunft. „Ich glaube nicht, dass es ein Konzept gibt, das die Marke Smart in absehbarer Zeit in die Gewinnzone bringt“, sagt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Die Kosten seien zu hoch und die Stückzahlen zu gering. Ohne einen Partner mit Kleinwagenerfahrung wie Peugoet oder Fiat stehe der ökonomische Sinn des Smart in Frage, sagt der Autoanalyst. In der jetzigen Situation wäre „Verkauf die beste Option, Schließung die zweitbeste“. Das aber lehnte Cordes bislang ab. Ein Ausstieg stehe nicht zur Diskussion, sagte der Manager in Detroit.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×