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28.01.2011

09:05 Uhr

Das Auto wird 125 Jahre alt

Die Zukunft liegt im Leihwagen

Das Auto wird 125 Jahre alt und derzeit fahren weltweit mehr als eine Milliarde Autos. Dem Segen des schnellen individuellen Transports stehen aber inzwischen viele Probleme gegenüber: Zehntausende Verkehrstote jedes Jahr, Umweltverschmutzung, Lärm. Im Öko-Lager wird längst der Abschied von der Motordroschke gefordert.

Zum 125. Geburtstag des Autos steht die Branche trotz Rekord-Produktionszahlen vor neuen Herausforderungen. Quelle: dpa

Zum 125. Geburtstag des Autos steht die Branche trotz Rekord-Produktionszahlen vor neuen Herausforderungen.

Der Tag gilt als offizieller Geburtstag des Automobils: Am 29. Januar 1886 meldete Carl Benz seinen dreirädrigen Motorwagen zum Patent an. Parallel zu Benz aus Mannheim entwickelte Gottlieb Daimler in Stuttgart das ersten vierrädrige Auto. Zum 125-jährigen Jubiläum des wichtigsten Transportmittels der Welt 2011 peilen Hersteller auf allen Kontinenten Produktionsrekorde an.

Allerdings war die Motorkutsche, wie die neuen Gefährte damals auch genannt wurden, kein sofortiger Erfolg. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde statt dessen das Fahrrad zum Massenverkehrsmittel der Arbeiter, die in die neuen Fabriken strömten. Autos waren der Oberschicht vorbehalten und dienten in den ersten Jahren eher dem Vergnügen, denn dem verlässlichen Transport.

In den ersten Jahren des Autos kam entscheidender technischer Fortschritt aus Deutschland: die Motoren von Nikolaus August Otto und Rudolf Diesel, das Auto selbst von Benz und Daimler, der Magnetzünder von Robert Bosch.

Der Zauber der Skaleneffekte

Der Durchbruch zum Auto als Massenverkehrsmittel, wie wir ihn heute kennen, kam aber aus den USA: Henry Ford führte nach 1910 in seiner Heimat Detroit die Fließbandmontage im großen Stil ein.

Vorher wurden Autos per Hand montiert. Ford entdeckte den Zauber der Skaleneffekte, wie die Automanager heutzutage den Vorteil der Massenproduktion nennen: Je mehr Stück von einem Produkt hergestellt werden, desto billiger wird das einzelne Exemplar. Das "Model T" von Ford wurde das erste Massenmodell auf den Straßen. Mit einer klugen Preispolitik und hohen Löhnen sorgte Henry Ford weiter dafür, dass auch Arbeiter sich Autos leisten konnten.

Die moderne arbeitsteilige Welt mit Büros und Fabriken fern der Wohnbezirke war wie gemacht für den Siegeszug der Autos:. Der Wissenschaftler Hermann Knoflacher schreibt: "Der Mensch hat mit der Wunderdroge Auto die Grenzen seiner physiologischen Evolution sprunghaft überstiegen. Der mühsame aufrechte Gang, der uns zu Geschwindigkleiten von 1 bis 4 km/h oder schon recht unbequemen 5 bis 6 km/h gebracht hat, wird durch das bequeme Sitzen im Auto um das Vielfache beschleunigt". Die Arbeitnehmer kamen entspannt bei der Firma an, das Fahrrad als Massenverkehrsmittel hatte ausgedient.

Kommentare (2)

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VonGestern

28.01.2011, 11:47 Uhr

Das Leihwagen-Konzept ist alter Wein (sprich Carsharing) in neuen Schläuchen, medienwirksam verpackt von einigen Fahrzeugherstellern. Das Konzept ist 40 Jahre alt und immer eine Nische für Gelegenheitsfahrer geblieben. bei Stattauto in München teilen sich etwa 9200 Mitglieder 350 Fahrzeuge. Das ist sicher ein kleiner beitrag für eine bessere Resourcennutzung, aber keine Lösung für die Kernprobleme wie verstopfte Straßen, Energieverschwendung und Umweltverschmutzung, die durch (um beim beispiel zu bleiben) 417000 Fahrzeuge hervorgerufen werden, die täglich nach München pendeln und wieder heraus. Dafür gibt es viel modernere Ansätze, die unter dem Stichwort "Dynamic Ridesharing" bzw. "Spontane Mitfahrsysteme" in diesem Jahr noch den Markt erreichen wollen (z.b. flinc und OpenRide). Diese Systeme haben das Potential, täglich 10 Mio. berufspendler nur in Deutschland von der Straße zu bringen. Das ist offensichtlich eine ganz andere Liga. Darüber sollten Sie schreiben, anstatt olle Kamellen wiederzukäuen...

vonHeute

28.01.2011, 12:58 Uhr

ich denke auch nicht, dass die fehlenden Parkplätze das Grundübel sind, sondern die spazierenfahrenden leeren Sitze bei Millionen von berufspendler. ich habe gelesen, dass 85% aller Autopendler Alleinfahrer sind. Das bedeutet, dass in 17 von 20 Autos lediglich eine Person fährt. Das können und sollten wir uns nicht mehr lange leisten.

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