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22.02.2013

15:06 Uhr

Das Sparmobil geht in Mini-Serie

VW will mit XL1 Ökostandards setzen

Quelle:dpa

Volkswagen ist ehrgeizig: Ein Auto, das weniger als einen Liter Sprit auf 100 Kilometern verbraucht, ist eine klare Ansage an Konkurrenz und Kunden. Das Ökomobil XL1 soll die Technikkompetenz des Konzerns zeigen.

Der XL1 auf einer Versuchsstrecke. Mit dem Ökomobil macht Volkswagen eine klare Ansage. PR

Der XL1 auf einer Versuchsstrecke. Mit dem Ökomobil macht Volkswagen eine klare Ansage.

WolfsburgHightech kann sehr unscheinbar sein. Am Karosseriemodell des neuen VW XL1 hängt ein weiches, schwarzes Tuch. Es sieht aus wie ein Staublappen fürs Wohnzimmer - ist aber deutlich teurer. "Das ist das Kohlefasertuch", erklärt Experte Krino Bornemann. Mit einem speziellen Verfahren haben die niedersächsischen Autobauer die Passagierkabine ihres neuen Aushängeschildes aus Carbonfasern hergestellt. Aus dem flexiblen Material wurde eine hochfeste und superleichte Karosserie. Das spart Gewicht - und zusammen mit der windschlüpfigen Karosserie Sprit.

Der XL1 soll laut Prüfzyklus nur 0,9 Liter Diesel auf 100 Kilometern verbrauchen. Das Ökomobil ist eine klare Ansage - an die Hybrid-Konkurrenz anderer Hersteller ebenso wie an Aktivisten, die VW immer wieder eine zu laxe Umweltstrategie vorwerfen.

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Mit dem VW Eco Up steht nach neun Jahren mal wieder ein deutsches Modell an der Spitze der Umweltliste des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Und erstmals ein Erdgasauto. Doch am meisten freuen darf sich Toyota.

Insgesamt bringt der komplette Wagen knapp 800 Kilogramm auf die Waage. Andere Komponenten wie Scheiben, Achsen oder Felgen seien ebenfalls auf Gewichtsersparnis hin entwickelt worden, so Projektleiter Holger Bock. Ein Standardauto der Golf-Klasse wiege gut das Doppelte.

Platz ist im XL1 jedoch nur für zwei Personen, die etwas versetzt voneinander sitzen. Auch beim Antrieb eröffne der Wagen dem Konzern neue Wege, sagt Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg. Es ist nämlich der erste VW mit Plug-In-Technik. Das sind Hybrid-Autos, deren Akkus sich auch per Steckdose aufladen lassen.

Erzrivale Toyota bietet die Technologie allerdings längst auf dem deutschen Markt an. Im Prinzip soll das im XL1 verwendete Know-how für andere Modelle des VW-Konzerns genutzt werden - in diesem Jahr etwa für den neuen Audi A3 e-tron, mit einem doppelt so großen Motor. Auch in den Kleinwagen Up könne die Technik Einzug halten, kündigt Hackenberg an: "Das wird fortentwickelt."

Antriebsarten und ihre Abgaswerte

Motoren im Vergleich

Wie sehr ein Auto die Luft verpestet, hängt davon ab, was unter der Haube steckt. Denn je nach Motor stößt ein Wagen unterschiedlich viele Feinstaub-Partikel (PM) und Stickstoffdioxide (NO2) aus. Hier ein Überblick über das Abgasverhalten verschiedener Motoren.

Benzinmotoren

Moderne Benzinmotoren werden durch Direkteinspritzung zwar sparsamer gegenüber der Vergaser-Technik - und damit wird auch ihr CO2-Ausstoß gesenkt. Doch haben die Einspritzmotoren oft einen höheren Feinstaub-Ausstoß. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe stoßen sie eine sehr hohe Zahl an ultrafeinen Partikeln aus, die massive gesundheitliche Folgen für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System haben können. In der Untersuchung kam heraus: Benzinfahrzeuge überschritten den aktuellen Grenzwert für Dieselfahrzeuge teils um das Sechsfache.

Dieselmotoren

Trotz Rußpartikelfilter - Selbstzünder sind laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) die weniger sauberen. Der Grund: Ihr aktueller Grenzwert nach Euro-5-Norm ist beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx) dreimal höher als bei Ottomotoren. Demnach dürfen Diesel bis zu 180 mg/km an Stickoxiden ausstoßen, während der Vergleichswert bei Benzinern bei 60 mg/km liegt. Bei den Feinstaubpartikeln liegen beide Verbrennungsprinzipien mit erlaubten 5 mg/km gleichauf. Diesel-Pkw können die aktuelle Euro-5-Norm nur mit Hilfe eines Partikelfilters erreichen.

Erdgas- und Autogasantriebe (CNG und LPG)

Erdgas gilt unter den fossilen Treibstoffen in der Expertenwelt als der sauberste. So stoßen Fahrzeuge, die CNG (Compressed Natural Gas) tanken, noch weniger Stickoxide aus als Benziner. Der TÜV Süd nennt gegenüber Benzinern eine Reduktion um bis zu 60 Prozent, bei LPG seien bis zu 15 Prozent weniger möglich. Erdgasautos emittieren zudem fast gar keine Rußpartikel.

Hybrid- und Elektroantriebe

Auch Hybridfahrzeuge müssen die Abgasnormen der EU einhalten. Generell lässt sich dem VCD zufolge sagen, dass Dieselhybride, wie sie neuerdings angeboten werden, mehr Schadstoffe ausstoßen als Benzinhybride. Fahren sie im rein elektrischen Modus, stoßen sie keine Schadstoffe aus - doch liegt die Reichweite für den E-Modus meist nur bei wenigen Kilometern. Dann springt der Verbrenner an. Elektroautos stoßen während der Fahrt zwar keinerlei Schadstoffe aus. Doch bei ihrer industriellen Fertigung und bei der Stromerzeugung werden ebenfalls Rußpartikel und Stickoxide erzeugt.

Aktuelle Luftdaten
Übersicht: Deutsche Umweltzonen
Studie zu Umweltzonen
Kurzinfo zu Umweltzonen
Hintergrundpapier zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Stickstoffoxiden

Klar ist: Der flache Flitzer hat für die Ökostrategie von Europas größtem Autobauer enorme Bedeutung. Der Zweisitzer gilt als eines der Lieblingsprojekte des früheren Vorstandsvorsitzenden und heutigen Chefaufsehers Ferdinand Piëch. Volkswagen will die Führungsrolle im Bau leichter Hybridmodelle. Denn vor allem Toyota macht sich im Segment der Mischantriebe aus Elektro- und Verbrennungsmotor breit. Und das Auto soll auch Umweltschützer milder stimmen.

Oft legt sich Greenpeace mit dem Autoriesen an, fordert weniger Spritverbrauch und mehr Anstrengungen bei der CO2-Reduktion. "Der Volkswagen-Konzern wird das 95-Gramm-Ziel bis 2020 schaffen", beteuerte Vorstandschef Martin Winterkorn jüngst mit Blick auf die Emissionsvorgaben der EU pro gefahrenem Kilometer. Die VW-Neuwagenpalette schnitt nach Daten des Kraftfahrtbundesamts 2012 mit einem um 1,8 Prozent gesunkenen CO2-Ausstoß besser ab. Andere liegen aber vorn. Niedersachsens neuer Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) trommelte schon vor seiner Amtseinführung, VW müsse die ökologischsten Fahrzeuge der Welt bauen.

Zwar kann sich der XL1 tatsächlich sehen lassen, denn er stößt nur 21 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass er - noch - ein Nischenfahrzeug ist. 50 Exemplare werden derzeit in Osnabrück gebaut, die an spezielle Kunden verleast werden. Ob es mehr werden, und zu welchem Preis sie vermarktet werden, will der Vorstand erst beim Genfer Autosalon im März verraten.

Der Wagen ist also eher Technik-Leuchtturm und wird allenfalls in Kleinserie angeboten. Vor einem Jahrzehnt wollte VW beim Drei-Liter-Lupo bereits den Massenerfolg - und scheiterte. Das besonders effiziente Modell war den Kunden damals schlichtweg zu teuer.

Die Hoffnung der Manager: Inzwischen dürfte das Umweltbewusstsein höher sein. Der XL1 war 2011 ausgerechnet auf einer Motormesse im Golf-Emirat Katar als Konzeptmodell präsentiert worden. Der Premiere im Land der Ölscheichs soll nun ein Anlauf nach Maß im preissensiblen Krisenmarkt Europa folgen.

Das freilich dürfte alles andere als einfach werden. Aus Sicht des Greenpeace-Energieexperte Karsten Smid betreibt VW mit dem XL1 eher Symbolpolitik als echten Klimaschutz: "Es bringt ja nichts, wenn eine Kleinserie von 50 Autos pro Jahr einkalkuliert ist. Diese Menge geht beim Golf in einer Stunde vom Band." Anstatt "Feigenblätter" vor sich her zu tragen, müsse VW eindeutig und ohne Schlupflöcher das 95-Gramm-Ziel der EU akzeptieren. "Sie müssen im Massensegment zeigen, was sie wirklich können."

Kommentare (6)

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Wolfsfreund

22.02.2013, 16:50 Uhr

Als experimenteller Technologieträger in Ordnung. Der praktische Wert dieses Fahrzeugs im Alltag ist jedoch gleich Null.

Account gelöscht!

22.02.2013, 17:31 Uhr

Eine wichtige Marke MUSS technologische Hochpunkte setzen, die sehr ehrgeizige Ziele leben. Davon profitieren wichtige Markenkernwerte, die auch auf andere Produkte abstrahlen.

Daher geht es hier nicht um "experimenteller Technologieträger" oder einem "praktischen Wert", dass auch 4 Leute incl. Gepäck hineinpassen.

Marken müssen auch von "Mythen" leben und "technologischen Ereignissen". VW macht solche Projekte eigentlich viel zu wenig. Auch im Design könnten viel mehr experimentiert werden - in Kleinserien, die tatsächlich gekauft werden können und eben nicht in "Conceptcars" fü Messen. Dinge, die sich dann hier erfolgreich im Kleinen abzeichnen, können dann auch von Großserienmodellen übernommen werden.

DerHochleistungsingenieur

22.02.2013, 21:57 Uhr

Der XL1 ist schlichtweg Ablenkung und Betrug!
Der Autor des VW freundlichen Artikels hat sehr, sehr schlecht recherchiert!
Greenpeace hat schon 1995 gezeigt, wie man ein kostengünstiges, sparsames Auto bauen könnte, es war der SMILE, ein umgebauter TWINGO, 4 Sitzer mit 3 Liter/100 km Verbrauch! Und das mit einem Benzinmotor! Die gesamte deutsche Lobby-Presse hat aber dieses zukunftsweisende Auto verrissen! Eben gekaufte Auto-Journalisten!
Der Designer Luigi Colani hat bereits 1981 (sic!) eine "Ente" umgebaut, den 2CV mit Glasfaserkarosse und 1,77 Liter/100km Verbrauch! Auch ein Benzinmotor!
Einzig die TAZ hat über den XL1 kritisch berichtet...

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