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25.03.2014

13:35 Uhr

Der Fall Porsche "P1"

Die Stunde der Gutachter

VonAlexandra Felts
Quelle:Spotpress

Normalerweise ist die Welt der Automobilhistoriker recht beschaulich. Doch seit Wochen tobt die Auseinandersetzung um den „P1", den angeblich ersten Porsche.

Lohner Werke 1900, der C2 steht hinten links. Porsche

Lohner Werke 1900, der C2 steht hinten links.

Eventuell muss die Geschichte von Porsche nun doch nicht umgeschrieben werden. Zumindest legen das die zwei Gutachten nahe, die das Sportwagenunternehmen nach dem Wirbel um die Echtheit des sogenannten „P1" jetzt in Auftrag gegeben hatte.

Seit Januar erst hat das kutschenähnliche Fahrzeug aus dem späten 19. Jahrhundert als Stammvater einen Ehrenplatz im Firmenmuseum, denn an der Entwicklung und Konstruktion des achteckigen Elektromotors dieses Egger-Lohner C.2 Phaeton hatte ein junger Techniker namens Ferdinand Porsche maßgeblichen Anteil.

Dann kamen von Seiten der Fachwelt Zweifel an der Echtheit auf. „Autobild Klassik" vermutete gar nachträgliche Manipulation. Professor Kurt Möser, einer der renommiertesten Technikhistoriker des Landes, sowie die Restauratorin und Denkmalexpertin Gundula Tutt haben in den letzten Wochen den angeblich ersten Porsche auf Herz und Nieren untersucht und kommen zum Schluss, dass das Fahrzeug durchaus die Handschrift des Markengründers trägt und seinen Platz in der Historie des Hauses beanspruchen darf.

Quasi wie ein Team CSI Zuffenhausen fahndeten der Wissenschaftler und die Restauratorin nach Beweisen für die Unschuld - sprich: die Echtheit - des P1. Sie sichteten dafür Archivunterlagen wie technische Zeichnungen, Notizen und Briefe und nahmen zum Beispiel verschiedene Untersuchungen der verwendeten Materialien und der Komponenten des Fahrzeugs vor.

Entzündet hatte sich die heftige Debatte an der in Bauteilen der Elektrokutsche eingeschlagenen Kennzeichnung „P1", die von Ferdinand Porsche selbst stammen sollte. Dieses E-Automobil des österreichischen Kutschenfabrikanten Egger-Lohner war die längste Zeit im Besitz des Technischen Museums Wien (TMW) und lagerte im Depot.

Laut einem Gutachten des österreichischen Automobilhistorikers Karl Eder von 2009 besaß die Kutsche aus den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts aber weder den Porsche-Einschlag auf der Radnabe noch die Plakette „Lohner-System Porsche". Fertig war der Skandal, den auch dortige Medien wie der „Kurier" sofort genüsslich aufgriffen.

Wolfgang Porsche, Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche AG und Enkel des Firmengründers, hatte das Gefährt von einem Sammler erworben. Zum fünfjährigen Jubiläum des Museums Ende Januar wurde es enthüllt. Mit seinem heckseits montierten 3-PS-Elektromotor (ein Leichtgewicht von 130 Kilogramm) eröffnet es den Blick auf die ihrerseits legendäre Nachkommenschaft, den neuen Hybrid 918 Spyder inklusive.

Natürlich konnte Porsche die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen. Zumal auch das TMW als eine der führenden technischen Sammlungen bezüglich der Echtheit der Porsche-Angaben eine Augenbraue hochgezogen hatte. Also fuhr man parallel zu den Untersuchungen von Möser/Tutt eines der schwersten Geschütze auf, welche die moderne Naturwissenschaft zu bieten hat: das Rasterelektronmikroskop.

An Hand der Kraterlandschaft aus patiniertem Metall, Kratzern und Einschlägen, die sich dem Laienauge bietet, konnten die beiden Experten durch Messungen belegen, dass die inkriminierte Kennzeichnung sehr wohl aus der Zeit um 1898 stammen müsse.

Zur Vorstellung der Gutachten im Porsche Museum waren auch Vertreter des Technischen Museums eingeladen, die allerdings nicht zusagten. Für Kurt Möser ist die „P1"-Debatte ohnehin „ein Nebenkriegsschauplatz". Der Historiker bewertet diese selbstfahrende Kutsche als Ikone aus der Frühzeit des German Engineering.

Ihn begeistert das Kollage-Verfahren mit dem sich damalige Tüftler aus dem Fahrrad-, Kutschen- und Straßenbahnbau bedient hätten. Für ihn ist der C.2 Phaeton ein reines und höchst seltenes - weil erhaltenes -Versuchsfahrzeug, das bereits 1898 im Einsatz war. Das TMW hatte diese Datierung angezweifelt. Aber es ist eine Plakette mit diesem Jahr erhalten - diese Stempelmarken waren laut seinem Gutachten in der k.u.k.-Monarchie jeweils auf das Gebrauchsjahr bezogen.

Der Oldtimermarkt in Daten und Fakten

Preise klettern

Die Preise für historische Fahrzeuge sind 2013 gestiegen, das geht aus einer Berechnung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) hervor. Dessen Deutscher Oldtimer Index legte um 8,1 Prozent zu, 2012 betrug das Plus 4,2 Prozent. Vor allem im zweiten Halbjahr 2013 beobachtete der Verband eine deutliche Aufwärtsentwicklung im Markt.

BMW gefragt

Der BMW 520i (E12) hat laut VDA 2013 prozentual am meisten an Wert gewonnen. Damit steht in der Rangliste der Fahrzeuge mit dem höchsten Zuwachs gegenüber den Vorjahr erstmals ein Modell von BMW ganz oben. Den ersten BMW der 5er-Reihe produzierten die Münchner von 1972 bis 1981.

Suche nach Chrom-Juwelen

Zwei Trends beobachteten Analysten 2013 auf dem Oldtimer-Markt: Einerseits gibt es den Investment-Trend in Sachwerte auszuweichen. Darunter fallen zum Beispiel die Auktionen, in denen seltene Fahrzeuge, wie der Flügeltürer Mercedes 300 SL, extrem hohe Preise erzielen ...

... oder Fahrfreude im Schnauferl

Auf der anderen Seite des Oldtimer-Booms stehen die echten Enthusiasten. Sie geben im Schnitt für ein Fahrzeug weniger als 20.000 Euro aus. Ein reines Liebhaberhobby, ist doch kein exorbitanter Wertzuwachs erkennbar: In der Regel kompensiert er nicht einmal die stetig anfallenden Wartungs- und Erhaltungskosten.

Teure Massenware

Innerhalb der vergangenen 15 Jahre haben zwei Volumenfahrzeuge besonders stark an Wert gewonnen: Bei der „Ente“ Citroen 2CV 6 und dem „Bulli“ VW T2 verzeichnet der VDA den höchsten Zuwachs. 

Rost statt Chrom

Der Flügeltürer Mercedes 300 SL erzielte in den vergangenen Monaten Rekordpreise. So zahlte ein Käufer auf einer US-Auktion 1,4 Millionen Dollar für ein restauriertes Exemplar, auf der gleichen Veranstaltung kam ein ramponierter Flügeltürer im Originalzustand gar für 1,9 Millionen Dollar unter den Hammer.

Mehr Youngtimer

Auf Deutschlands Straßen sind mehr Youngtimer unterwegs. Die Zahl der Fahrzeuge im Alter von 20 bis 29 Jahren stieg 2013 auf rund vier Millionen.

Im Schnitt fällt jeder dritte Youngtimer bei der Hauptuntersuchung durch und erhält im ersten Anlauf keine neue Plakette.

... und mehr Oldtimer

Nie zuvor fuhren mehr historische Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen als heute. Derzeit sind es mehr als 314.000 Klassiker mit H-Kennzeichen. Jedes Jahr wächst der Bestand um rund zehn Prozent. Dabei ziert das H-Kennzeichen nur solche Fahrzeuge, die mindestens 30 Jahre alt sind und nach einer amtlichen Prüfung als „kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut“ anerkannt sind. Insgesamt sind rund 452.000 Autos mit mehr als 30 Jahren auf dem Buckel unterwegs.

Teurer Stern

Auch das aktuell teuerste Auto der Welt wurde 2013 versteigert: Für 29,7 Millionen Dollar (rund 21,8 Millionen Euro) kam ein Mercedes W 196 Silberpfeil Rennwagen aus dem Jahr 1954 unter den Hammer.

Im Schnitt fünfstellig

Laut dem Marktbeobachter „Classic-Tax" liegt der Durchschnittswert eines Oldtimers in Deutschland bei rund 15.000 Euro.

Moniert wurde von den Kritikern nicht nur die Echtheit der Einschläge, sondern, was wohl noch mehr wiegt, die tragende Rolle von Ferdinand Porsche bei der Entwicklung des spezifischen Oktogon-Elektromotors. Hier hat der Professor vom Karlsruher Institut für Technologie erfolgreich in den Archiven von Porsche und des TMW gefahndet.

Er fand Konstruktionszeichnungen und Notizen, die mit dem Kürzel FP signiert waren. Zusammen mit einem Bild, das den stolzen jungen Techniker mit seinem achteckigen Motor zeigt, Indizien dafür, dass der junge Porsche mehr war als ein Assistent. Außerdem barg er eine Zeichnung mit sichtbaren Spuren der Ausradierung, die aufzeigt, dass der Konstrukteur mit der Platzierung des Antriebs entweder auf der Vorder- oder Hinterachse experimentiert hatte.

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