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22.01.2007

09:00 Uhr

Die Einnahmen liegen in Milliardenhöhe

Angeschossen – Die Radarfalle wird 50

VonClaudia Schumacher

Der Prototyp von 1957 war noch so groß, dass von einer Falle kaum gesprochen werden konnte. Seither hat die Technik im Bereich der Geschwindigkeitskontrollen rasante Fortschritte gemacht – ebenso wie die Abwehrmaßnahmen der Verkehrssünder.

Wenig unauffällig: Prototyp der Radarfalle, nun im Polizeimuseum in Salzkotten (Quelle: dpa) Quelle: dpa

Wenig unauffällig: Prototyp der Radarfalle, nun im Polizeimuseum in Salzkotten (Quelle: dpa)

DÜSSELDORF. Angesägt, angeschmiert, angeschossen – sie macht einiges mit. Nun wird sie auch noch 50, die Radarfalle. Am 21. Januar 1957 setzte die Polizei in NRW das erste Gerät in Düsseldorf zu Testzwecken ein. Mit Erfolg. Die ausgefeilte Technik machte Karriere. Heute loben Experten ihren Beitrag zur Sicherheit im Straßenverkehr. Ertappte Autofahrer freilich schimpfen: Abzockerei.

Das Anforderungsprofil vor 50 Jahren war vielfältig: Die Messwerte sollten möglichst genau, schnell und gut zu dokumentieren sein, die Zahl der Messungen möglichst hoch. Unabhängigkeit von Wetter und Tageszeit sowie geringer Personalbedarf waren wichtig. Und die Neuerung musste unauffällig aufgestellt werden können, damit sie den Verkehr nicht behindert. So sollte das Gerät sein, dass die Firma Telefunken in den 50-er Jahren entwickelte, um die Verkehrsüberwachung in Deutschland zu revolutionieren.

Der Prototyp erfüllte fast alle Anforderungen – nur bei einer haperte es: 60 Zentimeter breit, 35 Zentimeter hoch und tief sowie 30 Kilo schwer war das erste Gerät. Daran musste noch die Kamera angeschlossen werden. Wirklich unauffällig konnte die Polizei den Koloss nicht platzieren. „Von einer Falle konnte man da nicht sprechen“, sagt Felix Hoffmann, Leiter des Deutschen Polizeimuseums im westfälischen Salzkotten, wo ein Radargerät der ersten Stunde ausgestellt ist. Aber den Begriff der Falle hört die Polizei ohnehin nicht gern. Schließlich gehe es um Sicherheit. Denn 50 Prozent der tödlichen Unfälle im Straßenverkehr sind auf zu schnelles Fahren zurück zu führen.

Zudem bringen die Geschwindigkeitskontrollen den Ländern und Kommunen satte Einnahmen. Gesicherte Zahlen, um wie viel Geld es geht, gibt es indes kaum. Denn gleich mehrere Stellen dürfen Verwarn- und Bußgelder eintreiben: Kommunen, Landkreise und Polizei im Auftrag der Länder. Zentral erfasst werden die Summen nicht. Klar ist aber: Die Einnahmen liegen in Milliardenhöhe. Allein in den Haushalt des bevölkerungsreichsten Bundeslandes NRW flossen 2006 durch die Verwarngelder der Polizei 44,5 Mill. Euro. Und es ist anzunehmen, dass die Kassen der 12 400 Kommunen in Deutschland noch wesentlich mehr einnehmen. Allein Düsseldorf konnte dank überhöhter Geschwindigkeiten 2005 rund sieben Mill. Euro verbuchen. Mehr als acht Millionen Pkw sind allein der Polizei 2005 bundesweit ins Radar gerast.

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