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21.01.2005

10:00 Uhr

Nachrichten

Die Extras der Nobelautos

Selten ist vielen nicht selten genug: Damit der Kunde nirgendwo auf der Welt einem Zwilling seines Autos begegnet, erfüllen die Fahrzeughersteller ihm auch ausgefallenste Sonderwünsche.

Bentley Arnage

Viele Käufer wünschen den Einbau einer Minibar. (Bild: Bentley/dpa/gms)

dpa/gms STUTTGART/CREWE. Selten ist vielen nicht selten genug: Damit der Kunde nirgendwo auf der Welt einem Zwilling seines Autos begegnet, erfüllen die Fahrzeughersteller ihm auch ausgefallenste Sonderwünsche.

Besonders deutlich wird das bei Maybach in Stuttgart: „Denn obwohl wir unseren Kunden schon zum Verkaufsstart der Limousinen über zwei Mill. Wahlmöglichkeiten zur Ausstattung gelassen haben, melden sich viele Interessenten mit weiteren Wünschen“, sagt Pressesprecher Stefan Diehl. Im Showroom im „Center of Excellence“ in Sindelfingen wird an riesigen Wänden mit Hölzern, Lackmustern und Ledern experimentiert. Danach schaut sich der exklusive Kunde das Fahrzeug als virtuelles 1:1-Modell auf riesigen Computerbildschirmen an.

Gerade wird ein Maybach 57 aufgearbeitet: Alle Chromteile im Innenraum werden mit einer 24-Karat-Echtgold-Auflage veredelt. Die Felgen erhalten einen Überzug mit speziellem Gold-Lack, und sogar die Leisten im Kofferraum glänzen gülden in die Nacht. Für Kunden aus dem arabischen Raum gibt es laut Diehl auf Wunsch in der Mittelkonsole einen elektronischen Kompass, der stets in Richtung Mekka zeigt.

Ähnlich intensiv ist die Kundenbetreuung bei der VW-Tochter Bentley. Dort wird jeder Kunde nach Angaben von Pressesprecher Reiko Käske vor dem Kauf ins Werk nach Crewe in Großbritannien eingeladen, wo er seine Ausstattung mit einem Kundenberater und einem Designer diskutieren kann. „Für besondere Wünsche stehen 130 Spezialisten in der Mulliner Werkstatt bereit“, sagt Käske. Er erzählt von einem asiatischen Millionär, der auch unterwegs nicht auf Fertignudeln verzichten will und wohl den einzigen Bentley mit Mikrowelle fährt.

Selbst vor puristisch konzipierten Sportwagen wie den Modellen von Porsche macht die Individualisierung nicht Halt. Deshalb hat die entsprechende Sparte „Porsche Exclusive“ nach Angaben von Mitarbeiter Marcel Hänsch alle Hände voll zu tun. Zu den mehreren tausend „normalen“ Veredelungen kommen laut Hänsch rund 50 Fahrzeuge pro Jahr, an denen die Mitarbeiter oft mehrere Monate arbeiten. „Wie an jenem 959, den wir für einen arabischen Scheich vergoldet haben.“

Über Geld wird im Zusammenhang mit solchen Fahrzeugumbauten nicht einmal hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Bei den Kunden ist Geld meist ausreichend vorhanden und deshalb nicht der Rede wert. Doch soviel scheint sicher: „Den Grundpreis eines Fahrzeugs zu verdoppeln, ist durchaus möglich“, heißt es in den Pressestellen - selbst wenn das Basismodell wie ein Maybach 62 schon 423 400 Euro kostet.

Doch auch wenn der Hang zur Individualisierung wohl mit dem Vermögen steigt, bleibt das „eigene Auto“ nicht nur Blaublütern und Geldadeligen vorbehalten. Denn auch für vermeintlich gewöhnliche Fahrzeuge haben Mercedes, Audi, BMW oder Porsche spezielle Angebote im Programm. Für Individual-Ausstattungen bei BMW sorgt die M Gmbh, sagt Pressesprecher Friedbert Holz. Beliebt sind neben anderen Farben, Leder oder Oberflächen-Strukturen auch DVD-Monitore, Computer oder Faxgeräte. Damit steigt der Preis für das Fahrzeug nach Holz' Einschätzung im Mittel noch einmal um zehn Prozent.

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